Uwe Meyer, Praktikant

in der Sozialstation der Diakonie, Bukarest

Bericht 5

Am 29ten Dezember bin ich mit dem Balkanticket in der Hand aufgebrochen und habe einen Zug in Richtung Istanbul genommen. Am nächsten morgen und nach der Begegnung mit etlichen Zollbeamten und einem neuen Stempel (für die Türkei) in meinem Reisepass bin ich in der Metropole Istanbul angekommen. Zu meiner Freude war es dort wirklich wärmer als im winterlichen Bukarest und so hab ich mir mit Hilfe eines Taxifahrers ein günstiges Hotel gesucht. Anschließend bin ich aufgebrochen um die Stadt zu erkunden. Zuerst bin ich meinem Hotel nahegelegenen Haga Sofia und zur gegenüberliegenden Blauen Moschee gegangen. Die blaue Moschee ist (von innen) gar nicht so blau bietet aber trotzdem einen beeindruckenden Anblick. Die Haga Sofia hab ich nur von außen betrachtet den der Eintritt in das von Atatürk von einer Moschee in ein Museum umgewandelte Gebäude hätte zehn Jetel gekostet.

Neben den eindrucksvollen Gebäuden hat die hier auch zu dieser Jahreszeit immer noch grüne Natur und das schöne Wetter zu einer angenehmen Urlaubsatmosphäre geführt. Nach einer kleinen Stärkung, die natürlich ein türkischer Döner sein musste, hab ich mir zum Ziel gesetzt mal eben zu Fuß nach Asien zu laufen. Nach dem ich die Brücke über das goldene Horn überquert hatte (sie teilt das Stadt Zentrum auf der europäischen Seite in zwei Hälften) war das nächste Ziel die Brücke nach Asien. Tja ganz schön weit weg die Brücke was meine Motivation aber eher angespornt hat. Auch hier gab es viele schöne Gebäude zu betrachten unter anderem die bulgarische Kirche und ein mittelalterlicher Aussichtsturm. Nachdem ich ungefähr eine drei viertel Stunde gelaufen war, wurde mir bewusst dass die Brücke irgendwie nicht näherkommt und ich auch keine Spaziergänger sondern nur Autos auf der Brücke erkennen konnte. Also beschloss ich jetzt doch mit einer der vielen Fähren den anderen Kontinent zu betreten. Dort angekommen sah es denn doch so ähnlich aus wie auf der europäischen Seite. Erschöpft vom laufen hab ich eine kleine Pause an der am Wasser gelegenen Promenade gemacht und habe dort einen türkischen Tee getrunken. Anschließend bin ich noch etwas am Wasser entlang spaziert und habe mich dann, erschöpft, mit der Fähre zurück zur anderen Seite gemacht.

Am nächsten Tag habe ich nach dem Frühstück, auf den Weg zur Festung die ebenfalls Nahe meinem Hotel gelegen ist gemacht. Anschließend bin ich zum Basar gelaufen, dieser ist riesig groß und ich habe dort erstmal die Orientierung verloren. Angeboten werden dort alle nur erdenklichen Artikel und er ist voll mit Menschen. Nach einem Nickerchen am Nachmittag habe ich mich am Abend auf den Weg ans Wasser gemacht um dort das neue Jahr zu begrüßen.

Am nächsten morgen habe ich mich dann auf den Weg zum Bahnhof gemacht um mich auf den Weg nach Thessaloniki zu machen. Hier habe ich eine junge Türkin kennengelernt die die deutsche Schule besucht hatte. So hatte ich für diesen Tag einen guten Gesprächspartner nachdem ich drei Tage kaum Gespräche geführt habe. Nach einigen Verspätungen bin ich dann in der Nacht in Thessaloniki angekommen und habe mir dort ein Hotel gesucht. Am nächsten Tag habe ich auch hier, bei wesentlich kühleren Temperaturen als in Istanbul, die Stadt erkundet. Besucht habe ich uralte Bauwerke und das Museum für Frühgeschichte.

Nachts um zwölf ging dann mein Zug in Richtung Bukarest. Im Zug habe ich einen fünfzig Jährigen Rumänen kennengelernt der auf einer griechischen Plantage Orangen gepflückt hat und auf Grund der schlechten Verhältnisse das Handtuch geworfen hat. Nach reichlich Verspätung und einer letztendlich 27 Stündigen Fahrt sind wir dann im verschneiten Bukarest angekommen.

Bericht 4

Der Winter ist gekommen und Weihnachten sowie der Jahreswechsel stehen vor der Tür. Für uns bedeutet dass neben vielen Feierlichkeiten eine Menge an zusätzlicher Arbeit den neben den normalen Paketen haben wir noch zusätzlich Weihnachtspakete ausgefahren. Uns blieb lediglich Zeit bei den Weihnachtsfeierlichkeiten nach etwas Luft zu schnappen. Eingeleitet wurde der Reigen der Weihnachtsfeierlichkeiten am zwölften Dezember mit der Weihnachtsfeier für die Alten Herrschaften.

Hier gab es viele Süßigkeiten, Getränke, zwei Kinderchöre und selbstverständlich auch einen Weihnachtsmann. Die Veranstaltung hat statt gefundenen in einem Restaurant eines Schweizers. Die Stimmung war wieder einmal gut und den alten Damen und Herren gefiel diese Veranstaltung sehr. Zum Schluss hat jeder der Anwesenden ein Weihnachtspaket bekommen. Die denen es nicht möglich gewesen ist zu kommen haben wir dann in den folgenden Tagen das Weihnachtspaket nach Haus gebracht.

Am 17ten 12ten haben wir dann eine Weihnachtsfeier in der Diakonie mit unseren Mitarbeitern gefeiert. Diese Feier war für mich eine neue Erfahrung den nach dem Essen haben wir statt besinnlicher Weihnachtslieder, wie in Deutschland üblich, rumänische Volkslieder und Manele gehört und alle zusammen dazu getanzt und zwischendurch auch immer mal wieder etwas Tzuika und andere Alkoholitäten getrunken. Und all das hat mit unserer Chefin in ihrem Büro stattgefunden. Diese Veranstaltung war überraschend wenig angespannt und wird mir lange positiv in Erinnerung bleiben.

Die letzte Veranstaltung hat heut im Caru ce Bere einem Restaurant direkt in der Stadtmitte stattgefunden. Hier wurden wir von einem Förderer der Altenhilfe und Diakonie geladen und haben in diesem Restaurant mit gutbürgerlicher Küche gespeist. Auch hier war die Atmosphäre gut und es war interessant einen der Förderer kennen zulernen.

So ist es jetzt fast Weihnachten und ich habe eine anstrengende aber vor allem schöne und interessante Zeit erlebt. Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Bericht 3

Wieder ist ein Monat vergangen, und ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt. Das Leben bereitet mir täglich neue Herausforderungen, den nicht nur die Betreuung der alten Damen und Herren erfordert meine Aufmerksamkeit, sondern auch der chaotische Straßenverkehr Bukarests und das erlernen der rumänischen Sprache, sind Aufgaben denen ich mich Stellen möchte.

Das erlernen der Sprache ist aufgrund der Aufgabenstellung der Diakonie leider nicht so leicht zu meistern. Da wir in der Diakonie mit Ausnahme unserer Köchen die sehr freundlich und uns immer hilfreich ist (auch beim erlernen der Sprache), alle Mitarbeiter deutsch sprechen. Gleiches gilt für unsere (ich und der Zivi)Besuche der alten Menschen die ebenfalls zwar deutsch und rumänisch können aber natürlich in uns die Möglichkeit finden mal wieder deutsch zu sprechen und dadurch auch ein Stück ihrer eigenen Identität pflegen können. Dadurch ist es uns im Alttag kaum möglich schnelle Fortschritte beim erlernen des Rumänischen zu machen. Dies versuchen wir allerdings seit drei Wochen durch zweimal wöchentlichen Sprachunterricht zu verändern.

Den Straßenverkehr meistern wir mittlerweile ganz routiniert, so weit dies bei den gegebenen Verkehrsumständen möglich ist. So ist täglich mit neuen Überraschungen zu rechnen und durch den Einzug der kalten Jahreszeit wird die Arbeit durch nasse beziehungsweise glatte Straßen erschwert.

Die Arbeit mit den alten Menschen bereitet mir weiterhin viel Freude und ist wohl die Tätigkeit in der ich die meiste Routine erlangt habe und die am meisten Spaß macht.

Bericht 2

Am Donnerstag den 29.09.07 Wurde ein Treffen für die Alten Damen und Herren in einem deutschen Gasthof Namens Beckerbräu veranstaltet. Um ein Uhr sind Markus, Mathias und ich mit den Fahrzeugen der Diakonie aufgebrochen um unsere Senioren von zu Haus abzuholen und mit ihnen zur Gaststätte zu fahren. Dort angekommen haben wir im Hof des Hauses, bei sonnigem Wetter, platz genommen. Insgesamt waren wir, die Freiwilligen und die Diakonie Mitarbeiter eingerechnet, ungefähr dreißig Personen und warteten jetzt gemeinsam darauf das dass Essen aufgetischt wurde.

In der Zwischenzeit kam allerdings keine Langeweile auf da alle diese Zeit nutzten um sich durch Gespräche besser miteinander bekannt zumachen. Einerseits konnten sich die alten Damen und Herren untereinander unterhalten, von denen viele keinen engeren Kontakt zueinander halten, und es ihnen die Möglichkeit bot mal wieder deutsch zu sprechen. Andererseits konnten wir dieses Treffen nutzen um einmal längere Gespräche mit den Senioren zu führen und so ein vertrauteres Verhältnis zu ihnen aufzubauen. Dies ist aufgrund der Bukarester Verkehrsverhältnisse in der alltäglichen Arbeit nur beschränkt möglich, da wir stets gegen die Zeit kämpfen um auch alle Essenspakete „pünktlich“ ausliefern zu können. Die Gespräche mit uns genossen auch die Alten Menschen denen es eine besondere Freude zu sein scheint mit uns jungen Menschen Zeit zu verbringen. Dies ist natürlich auch für uns eine sehr positive Erfahrung, die wir auch schon in der täglichen Arbeit erfahren durften und uns zusätzliche Kraft gibt jeden Tag motiviert unserer Tätigkeit nachzugehen.

Nach einiger Zeit war es den so weit, und die Bedienung brachte das Essen zu Tisch. Es wurden Schnittchen, Grillwürstchen, Sauerkraut, Rote Beete, Brot, Salat, Kuchen und natürlich je nach Wunsch unterschiedlichste Getränke serviert. Das Essen schmeckte den meisten sehr gut und schaffte zusätzlich eine ausgelassene Atmosphäre. Anschließend verbrachten wir noch einige Zeit mit weiteren Gesprächen in der gemeinsamen Runde.

Am späten Nachmittag endete dann dieses Treffen und wir brachten die alten Damen und Herren nach Hause. Es war wohl für alle eine schöne Veranstaltung die alle Beteiligten ein Stück näher gebracht hat.

Freizeitbericht – Am Wochenende im Herstrau Park

An einigen Sonntagnachmittagen im September zog es uns (also mich und einige andere Freiwillige) in den Herestrau Park um hier die letzten Sommertage zu genießen und dem Großstadt Lärm zu entfliehen. Von einem dieser Nachmittage möchte ich berichten. Der besagte Park liegt im Norden von Bukarest und ist die größte städtische Parkanlage. Doch wie wir schnell feststellen konnten waren wir nicht die einzigen die auf diese Idee gekommen waren.

Auf den vielen kleinen Wegen und Plätzen säumten sich die Bukarester um zu flanieren oder es sich auf den zahlreichen Parkbänken gemütlich zu machen. An vielen Ecken fanden sich kleine Stände an denen Essen, Trinken und anderes angeboten wurde, so dass eine Volksfest ähnliche Stimmung entstand.

Auffallend ist das die Freizeitgestaltung im Park vor allem durch Inlineskater geprägt wird. So sieht man neben vielen von ihnen die einfach nur ihre Runden drehen, Frauen mittleren Alters die bei krächzender Musik aus Kassettenrecordern junge Mädchen beim drehen ihrer Pioretten und… anleiten. Deren formvollendete graziösität ist beeindruckend und vermutlich trainieren sie im Winter auf Schlittschuhen weiter. Die hingegen in unseren Breitengraden häufig zu beobachtenden Jogger sind hier nur selten zu beobachten. Ein westlicher Trend also der hier offensichtlich noch nicht Fuß gefasst hat.

Wenn man vom Piata Charles de Gauille den Park betritt, so haben wir es gemacht, sieht man neben dem eben beschriebenen, zahlreiche Skulpturen und eine abschüssige Gartenanlage um endlich am Wasser eines Sees zu gelangen. Hier angekommen haben wir nun auf einer dem See nahegelegen Wiese unser Lager aufschlagen um hier für eine Weile zu verbleiben. Nach einer kurzen Zeit der Entspannung mussten wir allerdings das Feld räumen den es kam ein Polizist der uns darüber in Kenntnis setzte das es auf Wiesen nicht gestattet sei zu liegen und es lediglich direkt am Wasser gestattet sei ein kleines Picknick zu veranstalten und verwies uns deshalb von diesem Platz. Ordnung muss sein. Also gut, hinzunehmen, direkt am Wasser ist es ja auch schön. Hier blieben wir jetzt und genossen das schöne Wetter, interessante Gespräche und einen mitgebrachten Kuchen.

Die Überlegung ob man bei dem schönen Wetter und mit vollen Margen ins Wasser hüpfen sollte um sich dort eine kleine Erfrischung zu holen war auch schnell beantwortet, denn auf der Wasseroberfläche trieb eine nicht ganz gesundheitsfördernde aussehende grüne Schicht. Dafür gab es weitere Unterhaltung an Land den neben vielen anderen Menschen die an uns vorbei zogen kam ein Mann mit einem Wellensittich auf dem Arm bei uns vorbei. Er machte uns klar dass der Sittich für einige Lei dazu bereit sei, mit seinem Schnabel ein Los aus einer Schale zu ziehen. Da wir uns nicht dazu durchringen konnten ein solches Los zu kaufen weiß ich auch nicht was in so einem Los steht, aber vermutlich ähnliches wie in Glückskeksen beim „China-Restaurant“. Ich kann allerdings zur Beruhigung der Leser berichten das dass nächste Pärchen das ebenfalls am Seeufer lag, ein Los gekauft hat, und das überleben des Sittichs vorerst gesichert ist.

Mit dem Untergang der Sonne und dem damit verbundenen Einzug von Kälte und Dunkelheit haben auch wir das Weite gesucht und uns auf den Heimweg gemacht. Die Besuche im Park waren immer schöne und vor allem entspannende Erlebnisse bei denen man etwas Ruhe von der Großstadt finden konnte und zudem auch viele Menschen unseres Gastlands beobachten konnte. Diese Erlebnisse werden sich für mich in der Form wohl leider nicht mehr wiederholen, da mittlerweile auch in Bukarest die Kalte Jahreszeit angebrochen ist.

Bericht 1

Am Sonntagabend bin ich am Otopeni Airport in Bukarest mit dem Flugzeug angekommen und wurde von einem langjährigen Freiwilligen der Diakonie Station, Namens Markus, abgeholt. Gemeinsam sind wir dann zur Diakonie Station gefahren und er hat mir dort die Einrichtung sowie unsere ab jetzt gemeinsame Unterkunft gezeigt. Die Diakonie sorgt, in erster Linie, für die Versorgung ältere Damen der deutschen Minderheit durch Lebensmittel, Feuerholz, Hausbesuche eines Arztes und der Betreuung sowie Pflege dieser Menschen.

Am nächsten morgen habe ich dann die anderen Mitarbeiter und die Stationsleitung Frau Sterns kennengelernt. Alle waren und sind auch jetzt noch sehr bemüht und haben dafür gesorgt dass ich einen guten Einstieg in mein neues Leben in Bukarest hatte.

Dann ging es auch schon los auf eine erste Runde durch Bukarest um einigen Damen Lebensmittel zu bringen. Hier waren erst einmal die vielen neuen Eindrücke die es in dieser Stadt zu finden gibt spannend. Viele Autos von allen Seiten, die in den Augen eines „gesetzestreuen“ Deutschen, nicht ganz regelkonform fahren. Auffallend auch, dass sich sehr viele Nobelkarossen neben sehr einfachen Fortbewegungsmitteln auf Bukarests Straßen bewegen. So kann es vorkommen dass man von einem Porsche Cayenne (ein in Bukarest sehr beliebtes Auto der reich gewordenen) überholt wird und im nächsten Moment ausscheren muss um eine mit einem Pferd bespannte Kutsche hinter sich zu lassen. Weiter ging es mit prunkvollen Gebäuden die zum Teil eine ältere Bausubstanz haben, zu einem anderen Teil aus der Chauchescu Ära Stammen. Im Gegensatz dazu ebenfalls aus der Chauchescu Zeit Straßenzüge mit nicht enden wollenden Reihen an Blocks die für tristes sorgen, und Stadtteile mit sehr einfachen Gebäuden und Straßen die nicht asphaltiert sind, was einem das Gefühl gibt auf dem Lande zu sein, aber auch deutlich macht das Armut in dieser Stadt genauso allgegenwärtig ist wie der gern zur Schau getragene Reichtum.

Nach meist Stau geplagten Anfahrten haben wir dann die ersten Damen erreicht, wobei der Genauigkeit halber erwähnt sein soll dass auch ein älterer Herr dabei war und einige wenige der Besuchten Menschen nicht deutsch oder zumindest nicht deutschsprachig sind. Eines aber haben sie alle trotz ihrer schwierigen Lebensumstände gemeinsam sie sind alle sehr dankbar und haben sich über unseren Besuch gefreut. Das war für mich ein schönes positives Feedback und hat mir neben den neuen freundlichen Mitarbeitern einen guten Einstieg beschert und das Gefühl gegeben, dass ich hier am richtigen Platz bin.