Tina Bing, Mitarbeiterin

im Projekt „Lernen und Leben“

…es wird wirklich Zeit für ein derartiges Informations-Büro.
Ein Bericht von Tina Bing / Februar 2007

Diesen Winter kann ich nicht wie sonst von eisigen Temperaturen aus Rumänien berichten – es ist eben ein warmer Winter, schon Frühling. Auch nicht schlecht, so sieht man schon grüne Spitzen vor April, was sonst selten war und das Außenklo verliert an Schrecken.Die Arbeit im Projekt fordert mich bzw. uns nach wie vor heraus. Zum einen sind da die 1500 km, die es heißt zur Projektleitung per E-mail zu überbrücken. Das macht viel Arbeit, gerade bin ich den Computer satt und könnte mich wieder mehr an handschriftlichem oder praktischem erfreuen. Das geht wahrscheinlich so manchem in der Sozialarbeit so, daß man sich manchmal fragt, was einen vom reinen Bürojob unterscheidet????

Zum Glück gibt es da noch die interessanten Besuche in den Familien. Letzten Freitag zum Beispiel konnten in Zusammenarbeit mit Martin aus Dacia, Ergotherapeut, dem Vater eines kleinen 5-jährigen Jungen mit schwerer Behinderung mögliche Bewegungsübungen gezeigt werden. Außerdem erhielt er Unterstützung, was seine zu erledigenden Akten für die Rente betrifft. Ich hoffe, hier wirklich einen Anschub zur Selbsthilfe gegeben zu haben.

Ein weiterer Erfolg war unser großes Teamtreffen, also alle drei Koordinatoren und die Projektmitarbeiter Ricarda und Alex. Es gelang uns, das erste Seminar für Erzieher aus Einrichtungen, welche auch Kinder mit Behinderung betreuen, vorzubereiten. Es wird schon im März stattfinden. Die Organisation der weiteren Seminare konnte begonnen werden. Großes Glück hatten wir an jenem Tag mit der Übersetzerin, welche wirklich schnell und professionell dolmetschte. Ich bin gespannt, wie das Seminar angenommen werden wird, wie die eventuell bestehenden Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderung seitens des rumänischen Personals erschüttert werden können….das alles ohne als Besserwisser sondern als professionelle Kollegen dazustehen. Und trotzdem Klartext zu reden, was die nötige Wertschätzung der Kinder mit Behinderung betrifft! Ein sensibles Thema, zumal mir wirklich in letzter Zeit wiederholt Familien betonten, daß Gott sie mit dieser Behinderung gestraft hat. Das genau soll die große Frage des kommenden Seminars werden.

Neue Familienbesuche stehen die nächsten Tage an, die rumänischen Prospekte werden hoffentlich in ein paar Tagen fertig sein. Ein gutes Mittel, um noch mal mit ganzer Kraft im Ortsamt ( Primaria) Rupea dem Bürgermeister von der Wichtigkeit eines Beratungsstellenraumes zu überzeugen. Vielleicht können einige von Euch mit daran denken und vor allem dafür beten, es wird wirklich Zeit für ein derartiges Informations-Büro. Danke!

Ich werde gerade arg von innen getreten und daran erinnert, daß nur noch ein Monat ist bis zum Mutterschutz – wie schnell wird der rum sein!
Tina Bing

Jetzt tauts und die Mücken tanzen im Garten. Tja, was solls.
Ein Bericht von Tina Bing / Januar 2007

So, vor lauter Bericht schreiben für „ Aktion Mensch “ werde ich an dieser Stelle auch auf ein paar Ergebnisse eingehen. Jetzt, Anfang Februar, haben wir bereits 17 Familien besucht bzw. betreuen sie noch. Weitere 6 wurden von uns erfasst. Unsere Besuche fanden bisher in 7 von 25 Orten statt, Personendaten aus weiteren 2 Orten stehen uns zur Verfügung. Ich finde es spannend, wenn man zu ganz neuen Familien geht, man weiß nicht, wie man empfangen wird, was einen erwartet….
Die Arbeit mit den Menschen direkt entspricht leider nur einem Viertel meiner gesamten Arbeitszeit, die anderen Teile gehen für Arbeit mit öffentlichen Personen und Einrichtungen sowie Öffentlichkeitsarbeit und Planungen drauf. Doch das wiederum im Interesse der betroffenen Menschen, das heißt umso ergebnisreicher ist eben auch die Arbeit in den Familien.
Manchmal ist es allerdings für die Familien schwierig, jahrelange Gewohnheiten neu zu hinterfragen, das bedarf von unserer Seite viel Geduld und Motivation. Ich entdecke hier auf dem Land noch keine Selbstverständlichkeit wie vielleicht in Deutschland, was das Einbeziehen von professioneller Hilfe ( wie z.B. Physiotherapie ) betrifft. Das ist eher selten. Im ländlichen Raum vorherrschend ist dagegen die Meinung: „Man müsse eben allein für die Pflege aufkommen.“ Wir streben an, daß z.B. einiges an Ergotherapie den Angehörigen gezeigt wird, diese wenden sie dann im Alltag an. Nötige Impulse zur Verbesserung etc. erhalten sie dann nur in größeren Abständen. Wie gut tut das, solche Schwierigkeiten im Team zu besprechen. Umso schwerer wird es mir fallen, jetzt wenn Cordula geht, erst ein Mal ohne Kollegin weiterzuarbeiten. An dieser Stelle also die dringende Bitte für Praktikumswillige – schaut in diese Site unter Praktikantennetzwerk nach und bewerbt Euch für dieses Projekt!!!! Mit der Kronstädter Koordinatorin besteht auch regelmäßiger Kontakt. Ich bin so froh, dass seit Mitte Dezember Raluca als neue rumänische Koordinatorin alles wieder ankurbelt, was wegen der Kündigung von Marinela liegen blieb. Hoffentlich halten wir mit ihrer Hilfe bald diese schon lange beantragte Empfehlung unseres Projektes durch das Inspektorat Brasov in den Händen. Damit wollen wir zum einen die Erfassung von Menschen mit Behinderung flächendeckender vorantreiben, und zum anderen die betroffenen Familien über gezielte Postsendungen zu unserer Eröffnung der Beratungsstelle einladen, WENN wir endlich den Raum dafür bekommen haben. Angekurbelt haben wir jetzt neu schon einiges, bin gespannt. Nächste Woche gibt es mal wieder ein Großtreffen in Stein mit alten Kollegen und unserem deutschen Koordinator- freu mich sehr darauf, denn Kommunikation über 1500 km Distanz ist wirklich nicht einfach.

Wenn jemand eine Obstpresse bzw. einen derartigen Mixer für ein leukämiekrankes 13 jähriges Mädchen hätte, das würde der Familie sehr helfen. Sie benötigen das wegen ihrer speziellen Ernährung. Ansonsten brauchen einige der von uns betreuten Leute, auch ein Kind, Gymnastik- und Stachelbälle. Die kosten in RO doppelt soviel wie in DL. Wer solche abgeben würde, bitte bei mir melden. Danke!

Ansonsten ist es bei dem Schlamm nicht schlecht, wenn man notfalls einen 4 Radantrieb nutzen kann, richtig Schnee lag nur eine Woche, Jetzt tauts und die Mücken tanzen im Garten.
Tja, was solls.

Tina Bing

Was mich sehr glücklich macht: Es gibt wieder eine neue Koordinatorin in Kronstadt.
Ein Bericht von Tina Bing / Dezember 2006

Also, der Dezember liegt schon eine Weile zurück, passiert ist aber eine Menge.Wir konnten in Stein, Dacia noch einen Jungen mit geistiger Behinderung aufsuchen, der uns wegen Namensgleichheit mit einem anderen Klienten im selben Dorf „ fast durch die Lappen gegangen wäre“. Mal sehen, wie wir diese Familie weiterhin unterstützen können, damit sie z.B. die Zuwendung für Menschen mit Behinderung bekommen.

Weiterhin bat uns der Ergotherapeut Martin in Dacia, Stein ob wir bei der Verständigung bzw. Vermittlung zu Ärzten oder Institutionen zweier seiner Patienten helfen könnten, welche z.T. gelähmt sind nach Hirnschlag oder Schlaganfall. Dies haben wir prompt getan, fallen auch diese mittlerweile durch ihre Behinderung in unseren Klientenbereich. Allerdings können ja müssen wir verstärkt unser Augenmerk auf Kinder und Jugendliche legen, aufgrund der wenigen zeit die wir haben. Was jedoch einige Besuche oder Hilfen für ältere Menschen mit einer Behinderung nicht ausschließen soll. Informationen und Beratung sollen ausnahmslos alle erhalten – wofür ja die Beratungsstelle geplant ist.

Wieder einmal war der Besuch im Förderzentrum Sercaia herrlich – wir besuchten mit einem jungen Mädchen mit Hörbehinderung die dortige Werkstatt, welche Weberei und Tischlerei vereint. Sie durfte sogleich einiges testen, der anleitende Tischler war richtig nett, so bohrte und sägte sie gleich Probe. Es bleibt mit Frau Dr. Stramtu im Januar abzuklären, ob und in welcher Form dieses junge Mädchen eine Ausbildung dort machen kann und ob sie auch ein Zertifikat bekommt, mit welchem sie später trotz ihrer Behinderung eine Chance zum Arbeiten hätte. Dabei spürte man wieder dieses große Entgegenkommen seitens der Frau Stramtu und irgendwie fühle ich mich langsam in der Schuld, ständig etwas zu bekommen.

Was mich sehr glücklich macht: Es gibt wieder eine neue Koordinatorin in Kronstadt. Wir haben Raluca bei ihrem Bewerbungsgespräch erlebt – sie wird eine Bereicherung für unser Projekt sein und uns hoffentlich bei unseren Recherchen für Klienten helfen können. Z.B. bei der Krankenkasse, welche ( wahrscheinlich weltweit) am Telefon so etwas von widerlich mit einem reden, dass man am liebsten ausfällig werden würde. Von Öffentlichkeitsarbeit und Umgangsformen was Beratung etc. betrifft, scheinen die keinen blassen Schimmer zu haben. Mal sehen, ob unsere neue Koordinatorin mehr Erfolg hat, wenn sie persönlich hingeht. Mir tun nur die Leute leid, die keine Erfahrung im Umgang mit Ämtern haben und dann auf solch eine Art und Weise übel abgewimmelt werden, und dann der Kranke ohne jegliche Unterstützung verharrt. Leider hört man ja auch aus Deutschland öfter diese Abwimmel-Masche der Krankenkassen. Unterschiedlich ist jedoch der Standard. Hier geht es manchmal „ nur “ um eine Fahrt mit dem Krankenwagen zum nächsten Krankenhaus, um Gehhilfen oder ähnliches.

Erinnern möchte ich noch einmal alle Interessierte unseres Projektes, dass es durchaus einige Familien gibt, welche sich nicht die einfachsten Hilfsmittel der Pflege ( wie Gummiunterlagen, eine normale Bettmatratze ,Stachelball, Wärmflasche…) für ihre Angehörigen leisten können. Wer dafür finanzielle Unterstützung geben möchte, kann dies gerne für diese Menschen tun ( siehe bald in dieser Seite unter dem Punkt „ Finanzierung“ ).

Soviel erstmal von mir aus Viscri,

liebe Grüße

Lieber wenig und dafür gut
Ein Bericht von Tina Bing / November 2006

Der Schlamm in den Dorfstraßen ist mal wieder typisch für den Herbst. Ohne Gummistiefel ist man verloren. Doch der Herbstnebel zum Beispiel hat etwas Verzaubertes – nur schade, wenn er sich erst gegen Mittag lichtet. Umso eher kommt man jetzt rein, die Tage sind so kurz. Das merke ich auch, wenn wir unterwegs zu Klienten sind. Im Sommer bin ich oft später am Abend nach Hause gekommen, jetzt muß ich aufpassen, dass mich nicht die Dämmerung (und diese nervigen Hunde) erwischen. Ich bin gerade sehr zufrieden und optimistisch, was unsere gesamte Arbeit innerhalb des Projektes betrifft. Wir haben bisher neun Familien besucht, weitere telefonisch beraten, und mehrere erfasst, welche eben noch zu besuchen sind. Das klingt vielleicht nicht viel für ein halbes Jahr, seitdem das Projekt läuft. Doch darf man die intensive Vorbereitungszeit, nämlich das Entwickeln der Konzeption nicht vergessen. Und außerdem lautet unser Motto: Lieber wenig und dafür gut. Dem sind wir treu geblieben – diese bisher 9 Familien wurden bzw. werden intensiv besucht. Falls kein Beratungs- und Behandlungsbedarf bestand, beließen wir es bei einigen wenigen Familien bei der Erfassung ihrer Lebensumstände. Hingegen andere Familien nehmen dankbar unsere Beratungsangebote an. Wir selbst begeben uns manchmal in fachlich völliges Neuland, nämlich in medizinische und pflegerische Bereiche. Bloß gut gibt es das Internet für Informationen ( sind aber an Fachbüchern z.B. zu Muskelerkrankungen sehr interessiert!) und einige nette Einrichtungen oder Fachkräfte im Umfeld, die mit uns zusammenarbeiten und uns behilflich sind. So haben wir gestern wieder eine Einrichtung besucht, die vor allem Pflegekinder mit Behinderungen betreut: Den Club – Luminita –Copiilor in Sighisoara. Dort nahm sich die deutsche angestellte Ergotherapeutin viel Zeit für uns, wir lernten aber auch andere Mitarbeiter kennen. Die zuständige Psychologin ist gerne bereit, in ihre regelmäßigen Gesprächsrunden mit Eltern auf Wunsch auch andere Familien einzuladen.
Ein anderes Mal waren wir in Brasov im Sanitätshaus DONIS, die Leiterin nahm sich viel Zeit für uns Laien hinsichtlich aller möglichen orthopädischen u.a. Hilfsmittel. Außerdem schenkte sie einem von uns betreuten Kind eine Regengarnitur für den Rollstuhl. Diese Beratung nutzte uns wirklich viel, leider kosten die Hilfsmittel manchmal nicht wenig. Und wenn alle Angestellten der Krankenkasse solche unfreundliche Zimtzicken (ich muß es so sagen!) sind, wie diejenige die ich am Apparat hatte, ist mir klar, dass viele Betroffene abgeschreckt werden, jemals etwas von der Krankenkasse zu beantragen. Und die ärmeren bleiben eben ohne jegliche Hilfsmittel. Zur Info : Schon eine Fahrt nach Brasov ( ca. 70 km entfernt ) kostet mit den Buslinien etc. ca. 10 € pro Person. Das bei einer monatlichen Zuwendung von ca. 40 € für einen Menschen mit Behinderung, sollte also gut überlegt sein, ob es sich für ein paar Info`s lohnt.
Das Bekanntmachen unseres Projektes im näheren Umfeld gelingt meiner Meinung nach gut, nur einen entscheidenden Durchbruch was die Beratungsstelle in Rupea betrifft, gibt es noch nicht. Diese wird aber dringend gebraucht, um mehr Menschen beraten zu können, als es uns per Auto gelingt und auch jene Familien beraten zu können, die in keiner Statistik auftauchen, welche dann zu uns kämen. Das heißt wir suchen noch immer nach einer passenden Räumlichkeit und würden uns über weitere Spenden zu ihrer Einrichtung bzw. Unterhaltungskosten freuen.
Das sind unsere aktuellen Geschehnisse. Es macht mir Freude, dass uns viele Familien so offen und herzlich begegnen, sie uns schon für`s Zuhören dankbar sind. Wer hört es sich wahrscheinlich sonst an?
Wünsche Euch einen schönen Einstieg in die Adventszeit und uns allen offene Ohren für unsere Mitmenschen
Tina Bing

Mitfühlen hingegen möchte ich, aber vor allem professionell helfen…
Ein Bericht von Tina Bing / Oktober 2006

Die letzten Wochen im Projekt waren meiner Meinung sehr erfolgreich. Es konnten bestehende Kontakte vertieft, und dabei auch wichtige Hilfen gegeben werden. Einem Mädchen wurde eine für sie nötige Gymnastik gezeigt, ihre Mutter konnte von uns beraten werden und wurde zu einer Spezialklinik vermittelt.
Eine andere Familie wandte sich Unterstützung suchend an uns (wir haben das Projekt ja bei den umliegenden Gemeindeämtern bekannt gemacht) und wir haben schon einen Erstbesuch unternommen. Auch hier hoffen wir, beratend unterstützen zu können.
Manchmal schmerzt es mich, wenn ich Kinder und Jugendliche besuche, die an unheilbaren Krankheiten und deren Folgen leiden. Doch Mitleid ist nicht, was sie und ihre Familien benötigen. Mitfühlen hingegen möchte ich, aber vor allem professionell helfen, zu Fachkräften vermitteln, evtl. im Alltag Möglichkeiten zur Unterstützung geben, Mut machen…Das sind unsere Aufgaben. Dann während ich arbeite, spüre ich, wie ich im Umgang mit ihnen sicherer werde .
Vorgestern erhielt ich einen Anruf einer Frau mit körperlicher Behinderung, die nun auch auf unseren Besuch wartet.
Das heißt, es scheint unser Projekt regional an Bekanntheit zu gewinnen. Trotzdem ist und bleibt der Aufbau einer Beratungsstelle in Rupea nötig, um die vielen Menschen auf den insges. 25 Dörfern zu erreichen. Dafür haben wir ein spezifisches Konzept entworfen , sind schon auf Raumsuche und vor allem werden noch Gelder benötigt, um sie einzurichten, zu beheizen und hoffentlich auch stundenweise eine weitere Fachkraft (z.B. einen Physiotherapeuten) anzustellen. Hoffentlich gelingt das, und wir können sie im Winter eröffnen.
Es verblüfft mich, mit welcher Offenheit uns die betreffenden Familien bisher begegnen. Wir haben noch keinerlei Ablehnung erlebt, obwohl ja Menschen mit Behinderung kein beliebtes Thema in der Öffentlichkeit sind. Die Wohnanlage und das Zentrum für Förderung und Wiedereingliederung in Sercaia, in welcher ca. 50 Kinder zumeist mit Behinderungen leben und lernen, ist mal wieder ein Riesenschatz! Dort bekam eines unserer im Rahmen des Projektes betreuten Kinder einen passenden Rollstuhl geschenkt und die Physiotherapeutin kam extra von zu Hause, um uns besondere Übungen zu zeigen.
Es gibt noch viel für uns in nächster Zeit zu tun: der Prospekt muß ins Rumänische übersetzt werden, es sind noch nicht alle Gemeindeämter im Umkreis über unsere Arbeit informiert und die Zusammenarbeit mit dem Inspektorat Brasov hinkt etwas.
Cordula hat in ihrem letzten Bericht von unserer netten Begebenheit im Gemeindeamt erzählt, ich füge nur noch hinzu: Kaum hat der Beamte seine kleine Arbeit erledigt, geht er einfach wieder in die Kneipe…fassunglos schauen wir ihm hinterher, Donnerstag um 11 Uhr. So werdens die Rumänen wohl nicht schaffen.
Privat ist und bleibt es eine große Herausforderung für mich, Arbeit und Familie mit Haus etc. unter einen erträglichen Hut zu kriegen. Hab mich daher entscheiden, meine Freundin Cristina jetzt regelmäßig zweimal die Woche mir im Haushalt helfen zu lassen, sonst bleibt zuviel liegen….bisher geht es mir damit gut, auch wenn ich mich etwas schwer tue, diese Hilfe zuzulassen. Naja, liebe Grüße aus dem bunten Herbst…. Der schön, aber so voller Einmach- Arbeit ist.
Tina Bing

…nun konnte ich diesen Kindern persönlich aus Viscri berichten.
Ein Bericht von Tina Bing / September 2006

Momentan kann ich weniger aus Rumänien berichten, hingegen von schönen Erlebnissen während meiner Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland: Ich hatte die Gelegenheit, einen schon bestehenden Kontakt zu einer Freitaler Journalistin zu nutzen. Und habe ihr von unserer neuen Projekt – Arbeit berichten können, unseren bisherigen Erfolgen aber auch Schwierigkeiten. Dieser Bericht soll demnächst in der SZ- Regionalausgabe dieser Gegend bald erscheinen incl. Fotos.
Außerdem konnte ich in der Freitaler Förderschule Hainsberg „ Am Park “ eine Unterichtsstunde füllen. Diese Schüler haben letzten Winter Geld für die Kindergartenkinder und Grundschüler Viscris gesammelt. Dabei initiierten einige Lehrer , daß die Schüler in Hauswirtschaft Fischsemmeln zubereiteten, diese verkauften und dann den Erlös über Familie Börner nach Viscri sendeten. Davon konnten wir im Frühjahr einen wunderschönen Kindergarten- und Schulausflug organisieren. Die rumänischen Kinder bedankten sich mit schönen Zeichnungen und Briefen, und nun konnte ich diesen Kindern persönlich aus Viscri berichten. Doch nicht nur das: Ich erzählte von unserem Projekt für Menschen mit Behinderung, und z.B. daß es bei Rupea nicht so eine schöne Förderschule gibt, viele Kinder mit Behinderung dadurch ohne Bildung bleiben, dass Kinder Rollstühle benötigen, unser Auto Benzin braucht , jeder bekam einen Prospekt etc… ……Alle Schüler und Lehrer waren interessiert und wieder ganz begeistert, nun für dieses Projekt zu spenden. Das heißt, wieder Fischsemmeln geschmiert, etwas Schönes im Werkunterricht hergestellt, und verkauft!? Ich glaube, da haben wir wirklich interessierte Leute gefunden und ich kann gern im Frühjahr wieder in ihren Unterricht kommen! In meiner Frei – evangelischen Gemeinde Bergmannstraße Dresden bekam ich während der Gemeindeversammlung Gelegenheit, von unserem Leben und Arbeiten in Viscri zu berichten incl. Fotos zu zeigen. Auch hier stieß ich auf reges Interesse für diese neue Arbeit und es wurde intensiv dafür gebetet.
Vielen Dank an dieser Stelle für alle Gelegenheit , diese neue wichtige Arbeit publik zu machen!
Tina Bing

Es bleibt also spannend…
Ein Bericht von Tina Bing / Juli 2006

Es ist schon einiges erreicht in unserem Projekt. Das sollte ich mir bzw. uns wohl mal mehr anerkennen, denn momentan sehe ich mich vor einem Riesenberg Unerledigtem stehn. Mich “ erschlaegt “ gerade die Tatsache, dass es erstens soviel Menschen mit Behinderungen im Umkreis von Rupea gibt – aber das haette ich ja wissen muessen.
Und zweitens wird mir immer bewusster, wie wenig Zeit und daher nur sehr begrenzte Moeglichkeiten meinerseits fuer jene Menschen da sind. Kann ich mich damit zufrieden geben? Sicher sind unsere Resultate schon sichtbar – und doch ist es fuer mich momentan heftig, die grossen Defizite dieser laendlichen Region zu erleben. Oder ist es etwa in ganz Rumaenien so, dass die Buerokratie oft laecherliche Huerden stellt, die selbst fuer gebildete Leute unbezwingbar sind ? Es fehlen die Vernetzungen zwischen Aemtern und Behoerden untereinander, sie kriegen das einfach nicht hin. Bequemer ist es, die betreffende Person spaziert die Akten oder Informationen selbst zwischen den Aemtern hin un her- egal ob diese Person 80 km weit entfern wohnt und das jedes Mal einen Menge Geld und mehrere Tage Zeit kostet.
Am meisten aergert mich, dass es sich dabei um ein aktuelles Beispiel einer jungen Mutter handelt, die jaehrlich fuer die Einstufung ihres Kindes ( mit Schwerstmehrfachbehinderung ) nach Brasov, Kronstadt fahren muss und das eben besagte 3-4 Mal fuer ein Zertifikat. Sie ein wenig dabei mit Fahrten und Gespraechen zu unterstuetzen, ihr Anerkennung dafuer zu geben- das kann ich / koennen wir tun.
Einer anderen Mutter auch beim leidlichen Gang durch die Aemter beizustehen, damit sie die noetigen Akten fuer die Einstufung ihrer Kinder erhaelt, das tue ich gerade. ( Anmerkung: Nur zwei der vier moeglichen Grade der Einstufung eines Menschen mit Behinderung sind verbunden mit finanziellen Zuwendungen ! ) Doch diesem praktischen Helfen vor Ort koennen wir nur einen kleinen Teil unserer Zeit zumessen. Denn diese Soforthilfe ist nicht wirklich nachhaltig. Nachhaltig wird es meiner Meinung erst dann, wenn die Familien sich selbst Beratung und Hilfe suchen, um ihren Angehoerigen angemessenere Pflege zukommen zu lassen. Wenn z.B. Eltern bereit werden, selbst fuer ihre Kinder zur Verbesserung der Lebensumstaende beizutragen: z.B. durch taegliche Uebungen zur Selbstaendigkeit, haeufiger Lagerungswechsel, Stimulation aller Sinne etc. Solches Interesse ist sicher vorhanden, dann fehlen oft die Moeglicheiten, wie z.B. Zusammenarbeit mit guten (!) Aerzten, Physiotherapeuten etc. Dabei wollen wir die Betreffenden vermitteln, unterstuetzen und haben schon so manche gute und nuetzliche Zusammenarbeit begonnen. Es gibt aber auch jene, die gar keine Verbesserung noetig sehen fuer ihren Angehoerigen mit Behinderung. Sicherlich aufgrund ihrer sozialen Herkunft, ihrer oft fehlenden Bildung und ihrer aermsten Lebensumstande – doch meine Hoffnung ist, auch bei einer solcher Familie etwas Interesse wecken zu koennen. Helfen wird uns dabei der Aufbau einer Beratungsstelle, ohne die wir wahrscheinlich nicht in alle 25 Doerfer wirken koennen. Es bleibt also spannend- und das Interessante dabei ist, obwohl ich viel Schreibkram wegen Planung, Dokumentation etc habe- nun handelt es sich schon um ganz bestimmte Personen mit ihrer eigenen Geschichte, sie sind mir vertrauter und nicht mehr eine vage Zahl auf dem Papier. Was umsomehr auch ans “ Eingemachte” geht: eben mitzufuehlen, wenn es nicht vorwaerts geht, wenn wieder die Zigeuner diskriminiert werden…..das tut mir dann auch weh.
In diesem Sinne, ich hoffe auf ihr/ dein Interesse, Mitfuehlen und Gebete fuer alle Menschen, die dieses Projekt betrifft.
Danke.
Tina Bing

…doch die ersten Schritte sind getan.
Ein Bericht von Tina Bing / Juni 2006

Es ist inzwischen schon viel im neuen Projekt geworden, sodass ich dies nun aus meiner Sicht mal kundgeben will.Schon ca. 7 Wochen arbeiten Ricarda, Alex und ich an den Planungen des Projektes fuer Menschen mit Behinderungen. Es ist faszinierend, mitzuerleben und dabei mitzuwirken, wie Ideen Gestalt annehmen und Licht in eine schwer zu durchdringende, komplexe Sache kommt. Vielleicht fragt sich so manch einer, was wir denn die ganze Zeit gemacht haben, wenn wir doch erst jetzt beginnen, die Familien aufzusuchen. In Kurzform gesagt, haben wir ein Konzept entwickelt, nach welchem wir auch praktisch vorgehen bzw schon begonnen haben zu arbeiten.

Und unserer Meinung nach macht eine gute Planung erst ein gutes Projekt aus. Dazu muss ich sagen, dass wir uns als Team wirklich gut verstehen und daher gleich richtig loslegen konnten, ohne noch laengere Teamfindungen zu brauchen. Dazu kommt: Es sind hier vor Ort oft ganz andere Gegebenheiten zu beachten und erfordern daher mehr Zeit in der Planung.

Unglaublich ist etwa die Tabuisierung des Themas ”Behinderung”. Ich kenne eine Vielzahl unbeholfener und aberglaeubischer Reaktionen dazu, die dem westeuropaeischen Leser die Haare zu Berge stehen lassen.

Nun sind wir soweit, dass die ersten Gespraeche mit einigen Familien beginnen koennen und ich bin schon etwas aufgeregt deswegen…Wie werden wir Zugang finden zu Menschen in dieser Lebenslage? Wir als Auslaender zu Menschen dieser Region? Werden wir noch weitere Familien finden, wo Menschen mit Behinderung leben? Dafuer suchen wir gegenwaertig oeffentliche Personen wie Pfarrer und Aerzte auf, damit sie das Projekt und auch uns kennenlernen und uns vielleicht bei dieser Suche helfen. Das wird auch noch eine spannende Sache, wollen wir doch nicht als auslaendische Besserwisser erscheinen , sondern eher einen Anschub geben. Damit hier in dieser recht provinzialen Zone auch nach Beendigung des Projektes ein veraenderter Umgang einerseits zwischen Familienangehoerigen der Menschen mit Behinderungen gelingt und andererseits zwischen offentlichen Aemtern und Betroffenen stattfindet.

Um das zu erreichen, ist noch viel notwendig, doch die ersten Schritte sind getan.

Ein grosser Schritt nach vorn ist meiner Meinung nach, dass Frank nun auch die geeignete rumaenische Koordinatorin aus Kronstadt, Brasov gefunden hat. Und nicht nur irgendeine, sondern er hatte anscheinend ” ein gutes Haendchen” , denn Marinela ist sehr interessiert und motiviert, an unserem Projekt mitzuarbeiten. Mir gefaellt es immer, wenn hiesige Projekte zusammen mit Auslaendern UND Rumaenen laufen, erst dann haben sie meiner Meinung nach Sinn. Alles andere waere keine Hilfe zur Selbsthilfe. Und nur westeuropaeisches Denken ueberstuelpen, davon hat kaum jemand was – hier ist eben Rumaenien.

Das diese Tatsache eben auch mal nervt, merkte ich wieder, als es mit der Arbeitserlaubnis natuerlich nicht so klappte, wie geplant…..Viel Zeit und Nerven investiert, mal sehen, ob es noch gelingt.

Ansonsten muss ich an dieser Stelle mal von meinem Mann Ronni schwaermen, der seiner arbeitenden Frau selbstverstaendlich den Ruecken freihaelt, was unsere Tochter Leni betrifft, und dass obwohl ihm selbst die Arbeit bis zum Halse steht. Ansonsten Dank an alle fuer Euer Interesse und eure Gebete fuer diese Projekt!

Tina Bing