Ricarda / September 2006

Es ist einfach ein gutes Gefühl, Bestandteil dieses Teams gewesen zu sein….
Ein Abschlussbericht von Ricarda Borchert / September 2006

Für vier Monate nach Dacia/Rumänien zu kommen, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe die Zeit hier sehr genossen, ein Grund warum mein Mann, und ich nächstes Jahr wiederkommen werden. Zu Beginn meines Praktikums machten mir die Lebensumstände von Mensch und Tier sehr zu schaffen. Die Bedrückung meinerseits ist nach wie vor vorhanden, aber sie bereitet mir „keine schlaflosen Nächte“ mehr. Die Lebensumstände und Menschen hier vor Ort sind, wie sie sind. Wir, die wir hierher kommen, um im sozialen Feld zu arbeiten, können das Leid von Mensch und Tier nicht aufheben. Wir können aber, jeder für sich, mögliche und machbare Hilfe leisten. Eine Arbeit der kleinen Schritten nach vorn.
Ich bin mit meiner besseren Hälfte hierher gekommen, um ein Praktikum zu machen. Dieses Praktikum beinhaltete (eigentlich) einen Pfarrhaustag, einen Hoftag und drei Projekttage. Diese Einteilung der Woche konnten wir nicht immer so einhalten, da es zum Praktikumbeginn drei Tage, gefüllt mit körperlicher Arbeit gab. Unter anderen hatte das damit zu tun, dass es viel Arbeit im Steiner Pfarrhaus gab, die auf uns drei (meinen Schatz Alexander, Frank und mich) wartete. Das gemeinsame Arbeiten machte viel Spaß, so dass die Arbeit leichter von der Hand ging. Diese Konstellation ging leider im Laufe der Zeit verloren. Frank war, aufgrund der vielen zu erledigenden Arbeiten, öfters weg und hatte viel zu tun. Das Pfarrhaus nahm Stück für Stück sein neues Gesicht an. Mittlerweile wohnt eine zweite Gruppe darin und diverse Übernachtungsgäste nutzten auch schon dieses alte schöne Gebäude. Die Idee dieses Begegnungshauses gefällt mir sehr gut. Man kann sehen und hören, wie die Idee funktioniert, und das Leben in diesem Haus wieder pulsiert. Die Arbeit an den Hoftagen hat viel Spaß gemacht (mal ganz abgesehen von der zum Teil prallen Sonne und den Schweißrinnsalen). Ich habe bei mir ungeahnte Interessen entdeckt. So zum Beispiel das Graszupfen. Wir haben uns immer Arbeiten gesucht, um nicht auch, wie Elvira und ihre Töchter, den Hof vom Gras zu befreien. Irgendwann war aber auch das Holzsägen und –stapeln, das Rasenmähen und Rechen, den Graben ausschachten u.s.w. vorbei und der Flämmer und das Messer (zum Lösen der Erde mit Gras) warteten auf uns. Am liebsten hätte ich erst aufgehört, wenn das restliche Gras auch noch verschwunden wäre, aber die Zeit war eben noch für andere Dinge gedacht. Für Interessierte hier ein kleiner Tipp: Vor dem Entfernen von Erde und Gras erst die gewünschte Stelle mit Wasser versehen und gut 10 Minuten einwirken lassen – und dann Voila! Gerade auch die körperliche Arbeit tat gut, zeigte aber auch dem Körper seine Grenzen. Mit der Zeit blieb es dann bei dem einen Pfarrhaustag und dem einen Hoftag, sodass wir dann drei Tage für unsere Projektarbeit zur Verfügung hatten. Drei Tage, die wir auch ausgekostet haben. Die Projektarbeit mit Tina war einfach nur klasse. Wir drei haben uns ganz schnell als Team gefunden und konnten sogar am ersten Tag schon mit der inhaltlichen Arbeit beginnen. Wir schwimmen auf der selben Welle und konnten in relativ kurzer Zeit effektiv und sehr gute Arbeit leisten. Es war das erste Team, in dem ich theoretisch und praktisch gearbeitet habe. Die Arbeit war und ist so vielseitig und spannend. Es ist einfach ein gutes Gefühl, Bestandteil dieses Teams gewesen zu sein. Die Messlatte für alle weiteren Teams liegt nun sehr hoch. In Tinas Händen ist die Basisarbeit dieses Projektes gut aufgehoben. Gemeinsam mit Cordula steht eine schöne, aber auch Kräfte zehrende und schwer einzuschätzende Zeit bevor. Eine wichtige und spannende Zeit. Ich bin schon ein wenig traurig, mit meinem Mann nicht mehr dabei sein zu können. Das Projekt ist uns sehr ans Herz gewachsen. Aus diesem Grund widmen wir uns in Deutschland der Öffentlichkeitsarbeit für dieses Projekt. Wir wollen so auf unsere Weise am Gelingen des Projektes mitwirken, denn es ist ein sehr wichtiges und gutes Projekt. Es gibt viele Personen, die an diesem Projekt beteiligt sind und eigentlich müsste man ihnen mehr sagen, als nur VIELEN DANK! Die Mühe und Kraft für diese Sache soll nie aufhören, und der liebe Gott möge alle Beteiligten nie mit seinem Segen verlassen. Gerade auch der Glaube lässt uns diese Arbeit machen und das Wissen, dass Gott seine Kinder nicht fallen lässt!

„Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“

Ein Spruch, der unsere Hofgemeinschaft an manchem Tag begleitet hat. Die morgendlichen Andachten waren immer sehr schön. Die Stärkung der Worte tat einfach gut. Manchmal sangen wir auch gemeinsam – eine andere Form des Gebetes, nicht minder schön. Mein Schatz und ich sangen fast jeden Abend gemeinsam; ein Tagesabschluss den wir beibehalten werden.
Gerade auch die praktische Projektarbeit war immer eine Freude. Auch wenn wir manchmal Lebensumstände und Gegebenheiten erlebten, die uns sehr nahe gingen. Die Offenheit der Familien war toll. Damit hatten wir so nicht gerechnet. Wir durften Positivbeispiele, von dem Umgang eines Menschen mit Behinderung in seiner Familie, erleben. Diese Erlebnisse gaben unserem Team viel Kraft und Freude und zeigten, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir sind alle gespannt, wie die Arbeit weitergehen wird und freuen uns darauf.
Das Land Rumänien, auch wenn wir nicht viel davon gesehen haben, ist landschaftlich wunderschön. Man kann sich an der Natur einfach nicht satt sehen. Die Ruhe hier tut sehr gut. Wenn es mal lauter wird, dann ist das der Hahn (der auch tagsüber kräht), sind es die Kühe oder die Hunde. Oft hört man die Schreie der Hunde, wenn sie mal wieder irgendein böser Mensch quält (anscheinend bevorzugt, wenn die Dunkelheit kommt). Aber auch tagsüber hören die Tiermisshandlungen nicht auf. Letzte Woche schmissen Kinder einen kleinen Hund in einen Brunnen. Sie standen um ihn und bespritzten ihn immer wieder mit Wasser, was sie anscheinend sehr belustigte. Ein alter Mann machte diesem Treiben Gott sei Dank ein Ende und half diesem Hund.
In vorangegangenen Monatsberichten habe ich von Scharla und Scuby erzählt. Unser Scuby hat in Deutschland ein neues Zuhause gefunden. Wir waren glücklich und haben uns riesig für ihn und die neuen Besitzer in Berlin gefreut. Stirni, der ihn mitnahm wird voraussichtlich auch Scharla holen und ihr ein neues Heim geben (Stand 23.08.2006). Es ist immer wieder bewegend, echten Tierfreunden zu begegnen. Einer davon gewährt(e) Scharla das Wohnrecht auf seinem Hof. Da ich mich zu ihnen zähle, höre ich an dieser Stelle auf von den Hunden zu berichten, da ich mich sonst in Ausschweifungen verliere.
Alles in allem, bin ich sehr froh und dankbar diese vier Monate hier Dacia mit meinem Mann verbracht zu haben. Eine Zeit, die ich nie mehr missen muss!
Ich werde es vermissen, barfuss über das Gras und den Hof zu laufen. Werde das Arbeiten an der frischen Luft vermissen. Überhaupt, wird mir das viele an der frischen Luft sein fehlen. So auch, das gemeinsame Sitzen unter dem Wein, der absolut klare Sternenhimmel und die Hunde. Das Lebensgefühl ist hier ein anderes. Man lernt sich im Genießen, im bewussten Erleben und Wertschätzen – und natürlich in Geduld. Ich habe hier viele nette und liebe Menschen kennen gelernt, schön, diese Erfahrung gemacht zu haben. Vor allem Boom, unser Räupchen und den Bates werde ich vermissen, wie einige weitere Menschen.
Ich freue mich sehr darauf, wenn wir im nächsten Jahr wiederkommen. Wir haben Blut geleckt!
In diesem Sinne … Pofta Mare !