Ricarda / August 2006

Wir erleben die letzten Tage unserer Projektarbeit ganz bewusst….
Ein Bericht von Ricarda Borchert / August 2006

Dies ist nun also der letzte Monatsbericht. Ich würde gern die Zeit hier verlängern. Aber zum einen ist uns dies nicht möglich, zum anderen freue ich mich auf meine Familie und Freunde in Deutschland. Noch nie ist mir so bewusst gewesen, dass Monate so schnell vergehen können.
Im letzten Monatsbericht habe ich absichtlich noch nichts von meinem Hundesbiss erzählt, da er noch ganz frisch war. Mittlerweile ist alles gut verheilt und nur noch drei Narben erinnern daran. Dr. Craciun in Rupea hat mich sehr gut behandelt. Dank ihm waren die Wunden schon nach einer Woche fast verheilt. Im letzten Monat hatten wir ganz lieben Besuch aus Deutschland. Uli, Stefan und Hermann waren da. Die, wenn auch nur kurze, gemeinsame Zeit war sehr schön und intensiv. Es tat allen Beteiligten gut =o) ! Wir hatten die große Freude, dass die drei zum Geschwisterkreistreffen hier blieben. Es war ein toller Tag. Viele gute Gespräche mit netten Leuten, gemeinsames Liedersingen und Beten, und leckeres Essen – ein Tag für Körper, Seele und Geist. Ich bin sehr froh, ihn erlebt zu haben.
Im letzten Monat haben wir Ion verabschiedet. Ein beeindruckender kleiner sehr lieber und fleißiger Mann. Wir haben die gemeinsame Zeit als sehr angenehm empfunden, so dass der Abschied schon ein komisches Gefühl mit sich brachte. Er drückte uns ganz fest und gab uns sogar einen Kuss.
Wir hatten das Glück im Juli an einem Verabschiedungsgottesdienst in Danes teilzunehmen. Der Gottesdienst wurde auf deutsch und auf rumänisch gehalten. Es war der erste seiner Art, den wir erlebt haben. Pfarrer Vogel stieg mitten in seiner Predigt von der Kanzel, und setzte sie inmitten der Gemeinde fort. Dann nahm er sich seine Gitarre und spielte, während er und die Gemeinde sangen. Es war der schönste Gottesdienst, den ich bisher erlebt habe.
Vom schönen zum nicht-schönen. Mein Schatz und ich haben drei der sieben Welpen von Scharla zum Tierarzt gebracht, damit er sie einschläfert. Vier (die Rüden) konnten bleiben, da sie vermittelt werden konnten. Das Schreien der kleinen war herzzerreißend. Wir haben sie dann auf Michas Hof begraben. Es war eine Erfahrung, die wir nie wieder machen möchten.
Ansonsten geht es mit der Arbeit gut voran. An den Hoftagen haben wir endlich den Graben fertig bekommen. Alle Betonröhren wurden erfolgreich unter die Erde gebracht und der restliche Graben mit vereinten Kräften ausgehoben. In der prallen Sonne haben wir mit Anne sechzehn 80cm tiefe Löcher gegraben und gleich die Pfähle einzementiert. Eine Arbeit, die uns fast an unsere Grenzen brachte. Im Pfarrhaus wurden noch Feinarbeiten gemacht, sodass u.a. die Idee des Bildungs- und Begegnungszentrums nun für jedermann sicht- und lesbar an der Wand hängt. Die ersten Gäste übernachteten bereits und es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich dieses alte Haus langsam mit Leben füllt.
Wir erleben die letzten Tage unserer Projektarbeit ganz bewusst. In Dacia konnten wir bereits zwei neue Familien besuchen. Wir waren sehr gespannt, wie uns die Familien hier aufnehmen würden und setzten die Erwartungen nicht all zu hoch, um nicht enttäuscht zu werden. Enttäuscht wurden wir keinesfalls. Es waren zwei Positiv-Beispiele, die uns (ganz abgesehen von den Lebensbedingungen) sehr glücklich machten. Die beiden betroffenen Personen waren in ihre Familien vollkommen integriert. Die Familien taten das in ihrer Kraft stehende für die beiden, so dass sie einen sicheren Hort für ihre Kinder darstellen. Man kann schon sagen, dass unser Team euphorisiert war, denn damit hatten wir nicht gerechnet.
Wir haben die Arbeit an der Konzeption für die ambulante Beratungsstelle in Rupea begonnen. Diese Anlaufstelle hat eine große Bedeutung für unsere Arbeit. Mit ihrer Hilfe kann man zentral an einem Ort einen größeren Kreis von betroffenen Familien mit einem Angehörigen mit Behinderung erreichen. Wir sind alle sehr gespannt, wie sich alles zusammenfügt und funktionieren wird. Auch wenn mein Schatz und ich in knapp zwei Wochen „La revedere!“ sagen müssen, so sind wir nicht all zu traurig, da wir in Deutschland weiter für das Projekt, in Form von Öffentlichkeitsarbeit, arbeiten werden. Eine Aufgabe auf die wir uns sehr freuen!
Da es der letzte Monatsbericht ist, möchte ich mich bei euch allen, sei es Familie, Freunde oder Bekannte, für euer Interesse bedanken. Es tut gut zu wissen, dass ihr an uns denkt und uns unterstützt und für uns betet!
Bis bald in Deutschland …