Rica

Eine Woche Rumänien – eine Woche Entspannung???
ein Reisebericht von Rica/ Januar 2003

Von meinem letzten Bereitschaftsdienst endlich in Dresden angekommen hieß es für mich wieder Tasche packen, da wir in der anbrechenden Nacht noch nach Rumänien starten
wollten. Nachdem unsere Freunde Anne und Micha aus Thüringen bei uns gelandet waren, erzählte Micha, dass sein Bus, mit dem wir in wenigen Stunden nach Rumänienfahren wollen, kaputt ist. Aber dass war gar nicht so schlimm, da wir noch einen Freund erwarteten, der auch mit zu unserer Crew gehörte, Knoddel. Er ist ein leidenschaftlicher Bastler. Knoddel kam dann auch bald und legte sich am selbigen Abend noch unter den Bus von Micha und bastelte, bastelte und bastelte. Plötzlich schien er den Fehler gefunden zu haben und fuhr zur nächsten Tankstelle, da er für die Reparatur ein kleines Ersatzteil benötigte. So fuhr er gegen 21.30 Uhr los und blieb verschwunden. Dazu möchte ich sagen, dass er bei glatten Strassen und nicht ganz ausgeschlafen in die Nacht fuhr und sein Handy natürlich bei uns liegen hatte, sonst hätten wir ihn mal anrufen können und fragen wo er denn ist… So rief ich nach drei Stunden warten die Polizei an und fragte, ob es eine Unfallmeldung in unserem Bereich gibt – negativ. Aber wo ist dann Knoddel? Der Polizist hörte sich unser Problem an und meinte, er wird schon wieder kommen. Nach einer weiteren Stunde rief Frank eben diesen Polizisten wieder an, er konnte sich an unseren „fehlenden“ Freund erinnern und blieb bei seiner Meinung, dass er schon wieder kommen wird. In der Zeit schauten wir aller zehn Minuten aus dem Fenster und plötzlich kam unser Auto mit Knoddel zurück. Anne ging sofort zu ihm runter um ihm zu helfen, aber er kam allein zurecht und ließ sich hier oben nicht blicken. Am nächsten Morgen erzählte er, er sei hier alle Tankstellen abgefahren, keine hatte das erforderliche Ersatzteil, da dachte er sich nach Zittau zu fahren und dort solch ein Teil zu holen. Als wir ihn von unseren Ängsten und der Polizei erzählten mussten wir alle herzlich lachen. Jedenfalls war der Bus immer noch nicht repariert. Aber Frank war der Meinung wir gehen dann mit unserem Gepäck runter und dann fahren wir einfach los… Mit vereinten Kräften schoben wir den Bus an und dann sprang er auch an und bis Rumänien ließen wir den Motor einfach laufen. Dort sprang er zwar nicht mehr an aber mehr dazu später! Unsere Fahrt verlief wunderbar, wir hatten ein wenig Schnee und keinerlei Probleme an den Grenzen, nur die Rumänen fragten uns, ob die Wanne, die wir Micha in den Bus gelegt hatten, wirklich zum Winterurlaub in die Poiana gehört?! Klar, oder?! Die letzte Grenze war damit ohne Verluste geschafft und somit konnten ein Computer für Brasov, Kalender für Pfarrer Hinrichs, Medikamente für die Sozialstation in Brasov und vieles mehr ihr Ziel erreichen. In Rumänien wurde es bitter kalt, -25°C aber zum Glück waren die Strassen trocken und wir waren drei Fahrer, so konnte einer schlafen und die anderen uns den Ziel immer näher bringen. Am Nachmittag kamen wir in Dacia/Stein an und wurden bereits erwartet. Eine freudige Überraschung, unsere Zimmer waren bereits beheizt und mollig warm. Am nächsten Tag, es war Samstag, fuhren wir zu Harald und Maria nach Viscri und verbrachte dort einen wunderschönen Tag. Wir besuchten nicht nur Harald und Maria mit ihrem Sockenprojekt, sondern auch Tina und Ronny. Den beiden brachten wir Sachen für ihren Secondhandladen mit. Sie sind zwei junge „Sachsen“, die im Sommer nach Rumänien gezogen sind. Tina unterrichtet die Kids vom Dorf in einer Straßenschule und Ronny bastelt an seiner Werkstatt. Nebenbei beliefert er Maria mit herrlichen Knöpfen für Westen und Pullover die die Frauen im Dorf stricken. Dann lernten wir noch Annette und Roman kennen, sie vermieten komfortable Zimmer mit Dusche und Innen-WC an Touristen. Nach einem leckeren Glas Wein, wieder eingekehrt bei Tina und Ronny, kehrten wir mit acht Kartons Socken zurück nach Dacia. Am Abend kamen Knoddel und seine Frau zu Besuch und nahmen den immer noch defekten Bus von Micha mit zur „Privatreparatur“. Einen Tag später kam uns der Bus repariert auf der Strasse nach Brasov/Kronstadt entgegen. Die Rumänen verstehen eben ihr Handwerk. Vormittags besuchten wir die letzten Sachsen in Stein und ließen uns ein wenig „lebendigen Geschichtsunterricht“ erzählen. Dabei hatten wir natürlich für jeden ein kleines Geschenk dabei. In Brasov angekommen wollten wir Freunde besuchen, was jedoch nicht so einfach wie sonst gewesen ist; wir benötigten reichlich 30 Minuten, um die Fahrzeuge den letzten Berg hinauf zu bekommen. Die Strasse war spiegelglatt. So saß ich das erste Mal auf der Motorhaube unseres Autos und ich war überrascht, wie windig es bei gerade mal 30 km/h sein kann. Das Abenteuer lohnte sich, wir wurden lecker rumänisch bekocht und hatten noch einen gemütlichen Spieleabend mit unserer rumänischen „Gastfamilie“. Am Vormittag des nächsten Tages waren wir in der Sozialstation des Diakonischen Werkes mit der Ärztin, Leiterin und Freundin Andrea Hampel-Binder verabredet. Wir übergaben ihr die mitgebrachten Geschenke und Medikamente aus Deutschland. Dabei trafen wir uns gleich noch mit unseren Freiwilligen Robert und Ben. Anschließend fuhren Frank und ich in das ursprüngliche Rumänien, in die Moldau. Dort kamen wir am Abend an und durften live miterleben, wie in Rumänien geschlachtet wird…unser Hund Cassy war begeistert! Mit reichlich warmen Weißwein fand ich den ungewohnt „schweren“ Geruch und Anblick des rohen Fleisches gar nicht mehr so schlimm. Jetzt weiß ich wie rumänische Knacker zubereitet werden. Ich bin dann doch eher ein Weinfan. Davon bekamen wir zur Abfahrt reichlich mit, dass ich schon am überlegen war, welchem Zoll ich die Weinmengen erklären muss.

 

Zurück in Brasov trafen wir uns mit einer ehemaligen rumänischen Freiwilligen, welche ein Praktikum in einer Behinderteneinrichtung in Deutschland absolviert hat.Ihr übergaben wir einen Computer mit einem speziellen Programm für Autisten. Weiter fuhren wir in das Altenheim Blumenau, in welchem Robert seinen Freiwilligendienst leistet. Robert wollte bis zum Abend bleiben, da „Revelion/Silvester“ gefeiert werden sollte. Dazu verließen wir die Stadt und fuhren hinaus auf das Land nach Ionesti. Andrea erwartete uns bereits mit ihren ungarischen Freunden. An dem Abend sollte ich verstehen lernen was es heißt einer Minderheit anzugehören. Ich bedankte mich für einen Becher Wein, wie üblich auf rumänisch und wurde sofort ermahnt kein rumänisch zu sprechen!!! So versuchte ich es mit meinen drei Wörtern ungarisch und die Leute waren zufrieden. Es wurde auch ein sehr geselliger und gelungener Abend, in einer ungarischen Hochburg mitten in Rumänien. Null Uhr osteuropäischer Zeit trafen wir uns vor der Kirche und es wurde ein ungarisch historisches Lied über die Geschichte der Ungarn in Siebenbürgen gesungen. Anschließend lud der Pfarrer jeden zu einem Glas Wein ein, wobei erneut über die ungarische Gesellschaft diskutiertwurde. Eine Stunde später, null Uhr mitteleuropäischer Zeit, saßen wir noch beim Pfarrer und es wurde die ungarische Hymne gesungen. Ich verstand so gut wie gar nichts, es war allerdings ein tolles Gefühl zu erleben, was bei der Gruppe für ein starker Gemeinschaftssinn existiert. Gefeiert und getanzt wurde bis sechs Uhr in der Frühe. Davon kann ich allerdings nichts schreiben, da wir uns gegen vier Uhr schlafen gelegt haben und sehr, sehr tief schliefen. Mittags halb eins lud der Pfarrer zum Neujahrsgottesdienst ein. Dabei legte er einen Rechenschaftsbericht über alle Einnahmen und Ausgaben seiner Gemeinde ab. Einige von uns hatten dabei den Gedanken, dass doch auch in der deutschen Kirche einzuführen. Ich verstand rein gar nichts, hatte aber den Eindruck, dass der Pfarrer seinen Glauben lebt und damit die Begeisterung seiner Gemeinde gewonnen hat. Während des Gottesdienstes wurden wir, als Vertreter von Copiii Europei, durch den Pfarrer nach vorn gebeten. Er bat uns zu berichten, weshalb wir unser Ehrenamt ausüben. Dabei beobachtete ich einige Gemeindemitglieder und hatte den Eindruck, dass sie ein wenig unserer Begeisterung spüren konnten. Immerhin hat unsere Freiwillige in Ionesti ihren Dienst vorzeitig abbrechen müssen, zum Bedauern der Gemeinde. Am Nachmittag trafen wir uns mit dem Pfarrer zu einem weiteren Arbeitsgespräch über eventuell neue Freiwilligenprojekte mit seiner Gemeinde. Später fuhren wir zurück nach Stein, sortierten die vielen neuen Eindrücke und erfreuten uns an den zahlreichen Fotos die wir in den letzten Tagen gesammelt haben. Das Steiner Kinderheim besuchten wir am darauf folgenden Tag. Alex, unser Freiwilliger, der in dem Heim seinen Dienst leistet, führte uns durch das Heim und wusste eine erfreuliche Neuigkeit zu berichten. Eine Woche vorher war die Inspektorin aller Heime der Region Brasov/Kronstadt zu Besuch und setzte etwas wunderbares durch; die Kids, welche in dem Heim ein Alter von 2 bis 9 Jahren haben, werden endlich in drei unterschiedlichen Altersgruppen gefordert und beschäftigt. Vorher wurden alle 30 Kids im Aufenthaltsraum gesammelt und ein dementsprechendes Chaos herrschte dort. Alex gab auch ehrlich zu, sich mit der neuen Aufteilung der Kids wesentlich wohler zu fühlen. Ich fand es auch wesentlich ruhiger im Vergleich zu meinem Besuch im November.

Am Abend ging ich mit Anne zu Herrn und Frau Konnert um Honig zu holen. Er hat seine eigenen Bienen und den besten Honig, den ich kenne. Das besondere an dem Honig den wir holten war, dass wir ihn selbst aus der Kanne schöpften und das bei einer Temperatur weit unter null Grad. Nach drei Gläsern war mein rechter Arm
reiner Muss. Zum Glück hatten wir nicht so viele leere Gläser mit! Anschließend stellte ich Anne meinen rumänischen Lieblingsmann Victor vor. Er ist Arzt und weiß immer interessantes zu erzählen. Dieses Mal beköstigte er uns mit selbst gemachtem „Salad de böff“- rumänischem Gemüsesalat. Als wir nach reichlich drei Stunden wieder nach Hause kamen, wurden wir sogar schon von unseren Liebsten vermisst, also öfter mal zu Victor fahren?! Am Abend kam uns Alex besuchen. Dabei besichtigte er sein neues und hoffentlich letztes Heim während seines Dienstes. Einen Tag später wollte er einziehen, mehr dazu ist gewiss in seinem Monatsbericht Januar 2003 zu lesen. Damit war unsere Zeit in Stein schon vorüber. Am nächsten Tag wollten wir in Richtung Timisoara starteten, reichlich 400km entfernt. Doch am Morgen war erst einmal rutschen angesagt, alles eine riesige Eisfläche. Frank schaffte es sich richtig hinzulegen und sein erster und einziger Gedanke war, hoffentlich nicht in Kuhkacke gefallen zu sein. Wir wagten unsere Tagesreise zu beginnen und nach 40km waren die Strassen eisfrei. Auf dem Weg nach Timisoara kehrten wir in die Einsatzstellen in Orastie und Deva ein. Unsere Friedis Tobias und Sascha waren zwar im Urlaub, wie die weit über 400 Straßenkinder auch, aber die Ruhe hatte etwas besonderes. In Timisoara hatten wir einen wunderbaren Abend mit Martina und frischem Wein aus der Moldau. Unsere Rückreise begannen wir am Morgen nach einer kleinen Führung durch die Sozialstation mit Martina.Alles sollte gut gehen, aber irgendwie konnten die Ungarn den Micha an dem Tag gar nicht leiden…und nicht nur die Ungarn. In Ungarn musste Micha wirklich als LKW einreisen, dass dauerte sechzig Minuten extra und kostete ihn 15 Euro. Seltsam ist nur, dass er im Dezember normal über den PKW-Grenzübergang einreisen konnte. Als nächstes meinten die Slowaken, dass Micha Zoll für die Socken von Harald zahlen sollte. Okay, fast 400 Paar Socken sind wirklich viele, 10 hätten sie pro Kopf akzeptiert, aberZoll zahlen? NEIN!!! So haben wir ein gutes Schreiben von der Inspektorin eingesetzt und einen guten Poker hingelegt und konnten dann doch ohne Zoll weiterfahren. Nun können die Socken auf dem Kirchentag in Berlin bewundert werden. Dann endlich, ich denke es war 2 Uhr am Morgen kamen wir nach ca.18 stunden Fahrt in Dresden an und ich konnte es kaum glauben, hat sich Micha doch wirklich noch an den PC gesetzt…!?!