Gaby

Auch unser Tachometer hatte wohl Urlaub…
ein Reisebericht von Gaby/ Oktober 2002

Eigentlich wollt ich nur einen Eintag in das Gästebuch machen, aber Rica und Frank meinten, ein etwas umfangreichere Reisebericht wäre wohl schöner, netter oder vielleicht auch nur aussagekräftiger.

Die Fahrt nach und durch Rumänien liegt ja nun schon wieder gute zwei Wochen zurück. Aber wie immer bleiben gravierende, besonders schöne, ärgerliche und lustige Eindrücke (für immer) im Gedächtnis haften. Zu aller erst erinnere ich mich an den Zustand unseres kleinen, bis zum Dach zu gepackten Autos. Da der rechte Außenspiegel seinen „Geist“ aufgab und der Innenspiegel „zugepackt“ war, hatte der Beifahrer bei der Hinfahrt eine aktive Rolle beim Überholmanöver. Auch unser Tachometer hatte wohl Urlaub, so dass wir die Geschwindigkeiten immer gut abschätzen mussten. Ich denke, uns ist das gut gelungen, einen „Blitz“ haben wir jedenfalls nicht gesehen. Die weiteren Unzulänglichkeiten will ich hier nicht weiter benennen. Man könnte sonst meinen, wir wären zu Fuß vielleicht besser dran gewesen.

Die erste Hürde hatten wir an der Grenzezu Tschechien zu nehmen. Wir freuten uns über den vielen Schnee, leider bedachten wir sehr spät, dass wir die Berge schlecht hoch fliegen können. So quälten wir uns als erstes mit der Besorgung und letztlich mit der Montage von Schneeketten. Nachdem die Montageanleitung vom Sturm durch die Luft gewirbelt wurde, diese dann hinter einem Zaun landete und wir sie letztlich doch hervorfischen konnten, hatten wir nach einer halben Stunde Schneeketten auf unserem Wägelchen. Wir drei Frauen waren stolz, zumal wir so nebenbei noch zwei andere Autos aus dem Schnee mit schoben.

Unser erstes Ziel sollte Zalou sein. Geplant war, dass wir dort ca. 24 Uhr ankommen. Die Landschaft bis dahin durch die Berge soll wunderschön sein. Leider fuhren wir nachts durch diese Gegend, so dass wir nichts sehen konnten von dieser Landschaft. (Das wäre eine Vorfreude für die nächste Fahrt nach Rumänien wert.)

Völlig müde und erschöpft kamen wir nach einer 24 stündigen Fahrt früh um 5 bei Paula und Christian in Zalou an. Obwohl wir uns alle völlig fremd waren, war es eine sehr herzliche und freundliche Atmosphäre.

Die spätere Ankunft dann in Dacia, der drei tägige Aufenthalt dort und der Besuch in verschiedenen anderen Dörfern(Viscri, Iunest) verdeutlichten mir mehr und mehr die äußerst unterschiedlichen Lebensbedingungen und die scharfen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Es mag idyllisch sein, ein paar Tage oder Wochen unter den dörflichen Bedingungen zu leben, und sicher bringt der Verzicht von vielen Annehmlichkeiten (Wasser „aus der Wand“, Wärme „mit einer Handbewegung aus dem Heizkörper“, usw.) einem wieder zu Bewusstsein, wie gut es uns in Deutschland geht. Um so mehr habe ich Hochachtung vor den Menschen, die sich sehr bewusst für dieses Leben entschieden haben, und die materiellen Bedingungen als weniger wichtig einschätzen. Das habe ich sehr deutlich in Viscri bei Harald und Maria erlebt. Ich war sehr beeindruckt, gerührt und begeistert.

Die Chance zu erhalten, einige soziale Einrichtungen in Rumänien kennen lernen zu können, fand ich einfach toll. Die einzelnen Einrichtungen zu bewerten, steht mir nicht zu. Aber fasziniert war ich von dem, was die Freiwilligen so erzählt haben, wie sie sich eingelebt haben und wie sie mit den Gegebenheiten umgehen. Ich fand dieses soziale Engagement und die kreativen Ideen einfach toll. Beeindruckt war ich auch von der Einstellung zu Arbeitszeit und Freizeit. Offensichtlich arbeiten alle mehr, als sie eigentlich müssten. Ein „gesundes“ Maß wird sicher jeder mit der Zeit finden, denn etwas Abstand zum verarbeiten der vielen Arbeitseindrücke ist sicher auch wichtig. Aber diese Grundeinstellungen……einfach beeindruckend.

Und ein bleibender Eindruck bei mir…….Sabines`s Rumänisch, einfach klasse.

An der Stelle fällt mir gerade die kleine Begebenheit im Kinderheim in Dacia ein, als ich ein Kind auf den Arm nahm und als ich es wieder runter setzen wollte es immer wieder anfing doll zu weinen. Ich war froh, dass Sabine da war und die Situation beruhigte. Ich fand es schön, wie sie mit den Kindern umging. Diese liebevolle Herzlichkeit erlebte ich auch in Deva und Oraschti zwischen Sascha und Tobias und den Kindern, und ebenso in Timischwar zwischen Anita und Martina und den älteren Menschen. In allen Einsatzstellen konnte man geradezu „fühlen“, dass es ein wundervolles Vertrauensverhältnis zwischen den Freiwilligen und den Bewohnern der Einrichtungen gibt, und das nach einer eigentlich relative kurzen Zeit.

Schade fand ich, dass wir trotz Einladung in verschiedenen Einrichtungen nicht länger bleiben konnten. Insofern ist die Frage von Sabine nach Aufwand und Nutzen dieser Fahrt durchaus berechtigt. So blieben es eben immer „nur“ kurze „Stippvisiten“, in denen wir nur einen ganz kleinen Einblick erhalten konnten.

Vor kurzem las ich die folgenden Zeilen, leider weiß ich nicht mehr, von wem das stammt. Aber mir haben diese Zeilen gefallen und ich habe davon so viel erlebt auf dieser Fahrt, dass ich sie hier wiedergeben möchte.

Drei Dinge

Drei Dinge musst du dir und den anderen
Wünschen
die Gesundheit,
die Freude und
die Freunde
Drei Dinge musst du beherrschen
dein Temperament
deine Zunge
dein Benehmen
Drei Dinge musst du kultivieren
den Mut
die Güte
die Liebe zu den anderen Menschen
Drei Dinge musst du bewundern
die schöne Natur
die Kinder
die alten Menschen
(von ?)

In diesem Sinne wünsche ich allen Freiwilligen noch eine wunderschöne Zeit in Rumänien.
Viele Grüße
Gabi