Nina Stürzenhofecker, Praktikantin

in Sâncrai /Jud. Alba, „Villa Kunterbunt“ Zeitraum: Oktober 2006 bis März 2007

…wobei ich sogar schon meinen ersten Heiratsantrag’ erhalten habe.

Ein Bericht von Nina Stürzenhofecker / Januar 2007

Nun bin ich, Nina, schon seit fast drei Monaten hier in Rumänien und ich kann es kaum glauben, dass die Zeit so schnell verging. Mittlerweile habe ich mich schon sehr gut eingelebt und hier meine ‚neue 2te Familie‘ gefunden. Ich werde hier wirklich so aufgenommen, als ob ich schon ewig hier leben würde und ganz selbstverständlich dazugehöre, aber auch ich liebe die Kinder und die Leute hier jetzt schon über alles. Es freut mich auch besonders, dass ich jetzt schon durchs Dorf fahren kann, und viele Leute mit Namen grüßen, oder einen kleinen Plausch mit ihnen halten kann.

Vor knapp einer Woche habe ich zusätzlich noch Unterstützung von Kirsten aus Deutschland bekommen, die bis Ende März hier bleibt, so dass ich meine zukünftigen Berichte nicht mehr alleine schreiben muss, aber sie wird sich, später selbst noch zu Wort melden, nachdem ich von meinen Weihnachtseindrücken hier und dem Jahreswechsel berichtet habe.

Gerade zu Weihnachten ist es natürlich sehr schwierig alleine in einem fremden Land, die Familie und Freunde weit entfernt, doch andererseits kann man natürlich gerade in dieser Zeit die meisten Eindrücke des fremden Landes und der anderen Kultur mitbekommen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Schon die Vorweihnachtszeit war sehr herrlich. Gemeinsames Plätzchen backen, was für die behinderten Kinder besonders gut war, da man dadurch auch bei den autistischen Kindern Begeisterung wecken konnte und für die anderen das Rollen des Teiges und das Ausstechen der Formen sehr gut für die Motorik war und allen sehr viel Spaß gemacht hat.
Aber auch bei der Weihnachtsfeier in der Schule konnten die Kinder zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Wochenlang haben sie für diesen Tag Lieder geprobt und Sprüche geübt und uns dann in gemütlicher Runde bei der Weihnachtsfeier auch sehr schön vorgetragen.
Der heilige Abend war dann natürlich der Höhepunkt für die Kinder, auch wenn dieser Tag in Rumänien gar nicht gefeiert wird. Aber da wir ja ein deutscher Haushalt sind müssen natürlich ein paar deutsche Traditionen auch dabei sein. Bei schönem gemütlichem Essen mit Freunden konnten wir den selbst geschmückten Weihnachtsbaum betrachten und uns auf die Bescherung freuen. Nach der Bescherung waren die Kinder natürlich alle aus dem Häuschen und man wünscht sich fast selbst noch einmal Kind zu sein.
Der erste Weihnachtsfeiertag ging dann genauso schön weiter. Nach dem Mittagessen zogen wir, wie es hier in Rumänien Tradition ist, los und sangen bei Freunden und Bekannten aus dem Dorf jeweils ein deutsches und ein rumänisches Weihnachtslied, wobei ich die Kinder auf Trompete begleiten durfte. Am Abend waren alle nur noch sehr müde und satt, da man in jedem Haus eingeladen wird, Kuchen zu essen und etwas zu trinken.
Aber im Großen und Ganzen habe ich hier sehr schöne Weihnachtsfeiertage erlebt, gemütlich, harmonisch und mit vielen netten Leuten, wobei ich sogar schon meinen ersten Heiratsantrag’ erhalten habe.

Silvester unterscheidet sich hier natürlich nicht sonderlich von Deutschland, auch wenn es hier Revelion genannt wird. Ich habe diesen Tag mit Freunden verbracht, wobei ich es besonders interessant fand, dass man hier um Mitternacht von Haus zu Haus zieht und den Leuten ‚La multi ani‘ ( ein Gutes neue Jahr) wünscht, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Mit der rumänischen Sprache komme ich langsam immer besser zurecht, so dass es mir auch wesentlich leichter fällt mit den Kindern zu arbeiten. Zu meinem Hauptprogramm gehören hier mittlerweile meine Spaziergänge mit den Kindern. Dies tut den Kindern besonders gut, da sie sich dort einmal richtig austoben können und sich an der frischen Luft bewegen. Gerade für Ciprian (10 j.) z.B. der erst mit 4 Jahren das Laufen gelernt hat, oder Catalin, der mit seinen 7 Jahren immer noch Schwierigkeiten beim Laufen hat, oder Bogdan, der einen unstillbaren Bewegungsdrang hat, ist die Bewegung natürlich besonders wichtig.

Auch Kirsten wird in ihrer ersten Woche sicherlich schon einige Eindrücke gesammelt haben, also will ich sie auch einmal zu Wort kommen lassen. Bis zu meinem nächsten Bericht in einem Monat, bin ich auf jeden Fall schon sehr gespannt, was ich alles erleben werde.
La revedere Nina.

Es hat mich wirklich sehr erstaunt, dass vor allem so viele junge Leute hier wahnsinnigen Nationalstolz zeigten.

Ein Bericht von Nina Stürzenhofecker / Dezember 2006

Nun bin ich schon seit ungefähr 6 Wochen in Rumänien und habe mich schon recht gut eingelebt. Zwar ist es mit der Verständigung meist noch sehr schwierig, aber immerhin muss ich nicht mehr bei jeder Kleinigkeit nachfragen und lerne jeden Tag dazu. Meine Tage hier waren bisher schon so ereignisreich, dass ich gar nicht glauben kann, dass ich vor 2 Monaten noch in Deutschland war. Es ist zwar vieles anders als in Deutschland, aber im Grunde lebt es sich hier genauso gut, wenn auch im einfacheren Stil. Im Moment lässt einen das Wetter zwar fast verzweifeln, aber trotzdem ist es wunderschön abends durch die Straßen zu fahren und den leuchtenden Weihnachtsschmuck, mit beigeisterten Rufen der Kinder, zu betrachten.
In den Genuss einer rumänischen Geburtstagsfeier durfte ich auch schon kommen, mit landestypischem Essen und vor allem einer beeindruckenden Torte. Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Leute man in diese relativ kleinen rumänischen Häuser unterbringen kann. Auch ist mir schon aufgefallen, dass die Familie hier viel mehr zählt, als in Deutschland. So wohnen fast alle Verwandten in naher Umgebung und jeder hilft jedem, wenn z.B. geschlachtet wird, oder sonstiges.
Neulich habe ich den s.g. Tirk (Viehmarkt) besucht und war erstaunt, wie locker die Menschen dort miteinander umgehen und alles noch ganz anders abläuft, als in Deutschland. Da hier im Moment große Schlachtzeit ist, durfte ich gestern gleich einmal mithelfen. Zum Glück habe ich das Schwein aber nur lebend und dann tot gesehen und den Prozess nicht direkt miterlebt. Aber es war schon sehr interessant zuzusehen, wie sie hier die Wurst und das Fleisch usw. machen, nur möchte ich gar nicht so genau wissen, was ich gestern dort alles gegessen habe.
Der 1. Dezember ist in Rumänien Nationalfeiertag und wird hier riesig gefeiert. Zum Glück haben mich einige Jugendliche mitgenommen, nach Alba Julia. Dort waren wahnsinnig viele Leute, die dort gemeinsam diesen Tag gefeiert haben. Es gab viele Marktstände, eine große Bühne mit Livemusik und als Höhepunkt ein großes Feuerwerk, was für Rumänien eigentlich sehr außergewöhnlich ist. Es hat mich wirklich sehr erstaunt, dass vor allem so viele junge Leute hier wahnsinnigen Nationalstolz zeigten.
Auch in die hausinterne Schule, in der die Kinder der Villa Kunterbunt, sowie ein Internatskind und ein Externer, in Mathematik, Logopädie, Malen und anderen Dingen unterrichtet werden, durfte ich mittlerweile schon eine Woche lang hineinschnuppern. Es war interessant zu sehen, wie behinderte Kinder unterrichtet werden und man sehen kann, dass diese Kinder keineswegs dumm sind, wie viele vielleicht meinen würden.
Allgemein komme ich mit den Kindern hier immer besser zurecht und habe sie mittlerweile schon richtig in mein Herz geschlossen. Sie können einem zwar ziemlich viel Streß bereiten, aber andererseits tut es einfach gut, wenn man eine liebe Umarmung oder ein Küsschen von ihnen bekommt, oder sie am Morgen zu mir ins Bett gekrochen kommen.
Also im Großen und Ganzen fühle ich mich hier schon richtig wohl und hoffe weiterhin jeden Tag noch vieles Neues lernen zu können.

…geprägt von vielen netten Leuten und neuen Erfahrungen

Ein aktueller Bericht von Nina Stürzenhofecker / November 2006

Hallo, mein Name ist Nina und ich bin nun schon seit fast zwei Wochen in Rumänien. Am 30.Oktober ging es mit dem Bus los nach Rumänien. Die 24stündige Busfahrt hat mir Land und Leute schon sehr viel näher gebracht,da fast alle nur rumänisch gesprochen haben und ich natürlich nur ein paar Brocken verstanden habe. Als einzige Deutsche und mit meinen 19 Jahren die jüngste im Bus war ich natürlich auch die Hauptattraktion. Trotzdem waren alle sehr nett
und haben ihr Bestes gegeben sich mit mir zu verständigen. Sofort konnte ich die Hilfsbereitschaft und Liebenswürdigkeit der Rumänen am eigenen Leibe erfahren. Nachdem ich dann mit 3 Stunden Verspätung doch endlich an meinem Ziel angekommen bin wurde ich auch schon freudig erwartet. Ich arbeite hier in Sincrai, das ist ein kleines Dorf in der Nähe von Aiud und Alba Julia, in einer Art Kinderheim. Es ist kein wirkliches Heim, da alles viel mehr wie ein Familienbetrieb geführt wird. Hier im Haus, der Villa Kunterbunt, lebe ich mit der Leiterin und sechs Kindern. Die Kinder sind zwischen 6 und 14 Jahren alt und in verschiedenster Weise behindert. So sind zwei z.B. Autisten, einer ist hyperaktiv und andere sind geistig etwas zurückgeblieben. Meine Aufgaben hier sind sehr abwechslungsreich. Während die Kinder von 8-12 Uhr und von 1-4 Uhr in der hausinternen Schule sind, helfe ich beim putzen, Essen machen, oder anderen Dingen, die gerade anfallen. Danach bin ich hauptsächlich mit den Kindern beschäftigt. Zu diesem Haus gehört noch ein Laden, in dem Hilfsgüter aus Deutschland verkauft werden. Auch dort helfe ich manchmal mit, Klamotten zu ordnen oder neue Kisten auszupacken und zu sortieren.

Meine erste Woche hier war sehr schwer, da erst kurz vorher der Transport aus Deutschland kam und deshalb alles sehr streßig war. Ich hatte also kaum Zeit mich richtig einzuleben, sondern musste gleich voll mit anpacken, was mir aber sicherlich nicht geschadet hat. Die zweite Woche ist nun schon etwa ruhiger und ich bekomme langsam den normalen Tagesablauf mit.
Durch die Leiterin konnte ich schon viele Leute aus dem Dorf kennenlernen und erste Kontakte knüpfen. Die Leute hier sind alle wahnsinnig nett zu mir, so wurde ich z.B. von einem Mädchen (15 Jahre)zu ihrer Geburtstagsfeier in eine Pizzeria eingeladen. Dies war ein sehr netter Abend, auch wenn die Verständigung meist sehr schwierig war. Auch war ich schon zweimal in der Jugendstunde der evangelischen Kirchengemeinde im Ort, wo alle sehr nett zu mir waren und mich liebenswürdig in ihrem Kreis aufgenommen haben. In dieser Gemeinde war ich auch schon im Gottesdienst, wo ich aber leider gar nichts verstanden habe. Gestern haben mich einige Jugendliche mit in die Dorfdisco genommen, was ein sehr nettes Erlebnis war. Zuerst waren wir in einer Bar, in der ich noch weitere Jugendliche kennenlernen konnte. Zwar meinten zuerst alle sie können kein Englisch oder Deutsch, doch mit der Zeit konnten viele dann doch Englisch
und haben sich sehr nett mit mir unterhalten. Danach ging es in die Disco, die man aber keineswegs mit einer Deutschen Disco vergleichen kann. Eigentlich war es nur ein Raum, unfähr so groß wie ein Wohnzimmer, in dem rumänische Musik aufgelegt wurde und die Leute getanzt haben. Das nennt man hier Disco. Was ich wirklich gut fand war, dass mich die Jugendlichen dort alle ganz selbstverständlich in ihrer Clique mit aufgenommen haben und mich in das rumänische Nachtleben einführten. Im Großen und Ganzen waren die zwei Wochen hier schon sehr lehrreich, geprägt von vielen netten Leuten und neuen Erfahrungen und ich bin schon gespannt, wie
meine nächsten Monate hier werden.