Julia Wißmüller, Praktikantin

im Kinderhaus Petrila, Zeitraum: Oktober 2006 bis September 2007

Danke, liebe Moneckes! …

Ein Bericht von Julia Wißmüller / September 2007

Das ist also mein letzter Monatsbericht den ich schreiben werde. Seit heute morgen bin ich wieder in Deutschland. Doch bis ich hier richtig ankomme, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Wie schön war doch dieses Jahr in Petrila. Für mich war es ein richtig segensreiches Jahr, so dass mir die Worte fehlen um es richtig auszurücken. Gott hat mich so viel gelehrt. Es war nicht immer leicht, aber Gott war da und trug mich durch. Viele Dinge werde ich sehr vermissen: die Augenblicke in denen alle Kinder auf einmal und von allen Seiten „Julia“ riefen. Die Stunden in denen Casian und ich durch die Straßen sparzierten, die Schweine besuchten um zu sehen ob sie dreckig sind oder einfach nur singend unsere Wege gingen. Im Sommer das Baden im Fluss Jiet um halbwegs mit der Hitze klarzukommen. Die Stunden in denen wir viele Uno und Mensch-ärgere-dich-nicht spielten. Die Zeiten in denen Cristina und Daniel sich auf die Schule vorbereiteten. Die Ausflüge mit der Familie in die Bergen. Im Winter das Schlitten fahren und durch den Schnee stapfen. Den Nachbarn der mir immer wenn die Familie unterwegs war, Gras für die Hasen mähte. Die gesegneten Gottesdienste in Petrosani. Die Fahrten mit dem Maxi-Taxi nach Petrosani um dort Daniel in die Sportschule zu bringen oder den Gottesdienst zu besuchen. Die Fahrradfahrten mit den Kindern. Das Baden der Kinder im Sommer in unserem Bach und Teich mit ihrem kleinen Boot und als die Nachbarskinder alle zum Zusehen kamen. Der wöchentliche Badetag am Samstag…. Wie vieles haben die Kinder doch in dieser Zeit gelernt. Nachdem Rebeca nun das erste Schuljahr absolvierte, kann sie nun gut lesen und rechnen. Auch Cristina und Daniel können schon etwas rechnen. Sie hatten ja auch gestern ihren ersten Schultag. Casian ist mehr oder weniger sauber geworden, spricht wunderbar Deutsch. Emanuel kann nun alleine Fahrradfahren, und, und und…. Es gibt sicher auch landestypische Sachen die ich vermissen werde: Wenn die Leute einfach immer Zeit haben, die Straßen mit ihren Löchern und die typischen Bahnübergänge, das leckere Zacusca, die Lagerfeuerabende wann und wo man will, die wunderschöne Sprache, … Alles in allem kann ich sagen, dass es für mich ein großes Privileg war, dass ich ein Jahr in Petrila wohnen und arbeiten durfte, dass ich die Familie und Kinder ein Jahr lang belgeiten durfte. Danke, liebe Moneckes!

Mittendrin hatten wir mal kurz Stormausfall, dann wars ganz dunkel. Mir hats Spaß gemacht….

Ein Bericht von Julia Wißmüller / August 2007

Das ist nun der vorletzte Monatsbericht den ich schreiben werde. In einigen Wochen geht hier meine Zeit zu Ende. Wenn ich daran denke, wird es mir schwer ums Herz. Nun haben die Kinder „schon“ die Hälfte der Ferien vorbei. Damit sie in den drei Monaten Ferien nicht alles vergessen, machen sie vormittags etwas für die Schule bzw. zur Schulvorbereitung. Im Juli besuchte ich Michaela, eine andere Praktikantin, in Bukarest. Dort machten wir die Stadt „unsicher“. Wir sahen uns das zweigrößte Gebäude der Welt an. Es ist schon komisch, wenn dort beim Eintritt die Tasche und man selber geröngt wird, und das in Rumänien. Das Haus ist innen voller Prunk: riesige Teppiche, große Kristalllampen (die Größte wiegt 5 Tonnen), Gold, Marmor…. Ceaucescu hat diese Gebäude mit Geldern des Volkes bauen lassen. Allerdings hätte das Volk nie die Möglichkeit gehabt dort hereinzukommen. Es war für Regierungs- und
Kulturzwecke gedacht. Zur Zeit der Revolution war es zu 70 Prozent fertig gebaut. Bis dahin arbeiteten die Leute 24 Stunden am Tag an der Fertigstellung. Heute ist es zu 90 Prozent fertig. Es ist schon ein Gegensatz: Dieses riesige und prunkvolle Gebäude und daneben die alten Menschen an der Straßenecke die um ein paar Bani betteln. Wir besuchten auch noch den Triumphbogen, das Haus der Presse und einen Park. In Bukarest war es wirklich sehr heiß. Ich bin froh, dass ich nun wieder in den Bergen bin. Hier ist es kühler und es geht auch Wind. Außerdem ist das Leben hier nicht ganz so kompliziert mit Metro, Bus und Umsteigen und vielen Menschen. In Petrila ist das doch etwas einfacher. Dennoch war es schön in Bukarest und der Besuch hat sich gelohnt. Vor einigen Wochen schlachteten wir zwei Hühner. Wolfgang fragte mich, ob ich dabei sein wollte und man kann ja nie genug lernen, oder? So kamen also die zwei Hühner, die wir vom Nachbarn bekamen unters Beil – das hab ich nicht gemacht, das brachte ich dann doch nicht ganz übers Herz. Aber das Rupfen und Ausnehmen ist echt eine interessante Sache. Wobei mein Huhn ja nicht mal eine Galle hatte und die Leute wollens mir nicht glauben. Aber selbst Wolfgang hat die Galle nicht gefunden. Mein Huhn haben wir schon gegessen. So eine richtig frische Hühnersuppe ist echt lecker. Und das andere Huhn wartet noch im Gefrierschrank. Hühner sind echt faszinierend. Ich find die einfach genial. Heute habe ich die Tiefen unseres Kellers erkundet. Wo ich war? Ich war in unserem Brunnen. Ihr müsst wissen, dass unser Wasser immer etwas bräunlich war. In letzter Zeit wars wirklich schlimm, so wollte Wolfgang den Filter wechseln. Das heißt: Brunnen auspumpen und den Rest mit Eimer rausschöpfen, der an einem Seil angebunden ist und nach oben gezogen wird. Ich wollte lieber runter in den Brunnen. Da mir die Gummistiefel zu groß waren, gings barfuss in Badeschlappen los. Als das Wasser ausgeschöpft war, putzte ich noch mit einem Tapezierpinsel und sauberen Wasser die Wände des Brunnens, denn diese waren auch bräunlich und oben sogar schwarz. Und dann gings wieder runter, ausschöpfen. Mittendrin hatten wir mal kurz Stormausfall, dann wars ganz dunkel. Mir hats Spaß gemacht. Nach den letzten paar heißen Wochen hat es nun bei uns wieder etwas abgekühlt und geregnet. Das war auch sehr nötig, denn das Gras wurde schon braun und unsere Quelle (wo wir unser Trinkwasser holen) hatte kein Wasser mehr. Mittlerweile hat es wieder geregnet und die Erde hat sich erholt.
Die nächsten Wochen werde ich wohl ganz besonders genießen, da es bald zurück nach Deutschland geht.

Wie schnell die Zeit doch vergeht…

Ein Bericht von Julia Wißmüller / Juli 2007

Die letzten Wochen sind wie um Flug vergangen und es hat sich vieles ereignet. Zunächst fuhr ich Mitte Juni zum Praktikantenwochenende in Dacia zu Frank Roth. Darüber alleine könnte ich schon seitenweise schreiben. Denn nach einer zehnstündigen Zugfahrt in Rumänien erlebt man schon einiges. Erstmal mit dem Maxi-Taxi nach Petrosani und dort die Fahrkarten kaufen. Dort erkundigte ich mich noch eben an der Information wegen der Rückfahrt. Die Frau wirkte etwas genert, aber sie erbarmte sich doch und legte ihre Zeitschrift weg in der sie gerade las.
Netterweise öffnete sich auch noch das Fenster, wo man durchsprechen muss, nachdem sie merkte, dass es etwas länger dauerte. Und schon ging die Fahrt los. Das war sehr interessant. Zunächst bin ich mit dem Personalzug gefahren. Einem Zug der bei jeder Haltestelle anhält – auch wenns nicht grad danach aussieht. Mir gegenüber saß eine Frau die in der
Zeitung las. Doch als wir durch ein Tunnel fuhren, war es im Zug stockdunkel, denn die haben einfach kein Licht angemacht. So wurde die Frau beim Lesen unterbrochen. So ging es einige Male und ich musste einfach nur grinsen, denn wann gibt es sowas in Deutschland? Nun gut. Irgendwann war ich etwas aufgeregt, denn ich wusste nur wann ich in Simeria bin. In Simeria musste ich aussteigen. Doch ich hatte ein bißchen Angst, dass ich das Schild nicht finde bzw. dass da gar kein Ortschild dran ist (wie bei manch anderer Haltestelle). Glücklicherweise
stand es gut lesbar dort und wir kamen ungefähr zur angegebenen Uhrzeit an. Der nächste Zug war dann ein hochmoderner IC. Voll der Luxus! Kleine Abteile mit Tisch und Mülleimer. Aber komischerweise, war das der einzige Zug, wo ich wirklich geschwitzt habe. In den anderen waren die Fenster geöffnet, aber in dem war nur ein kleines bißchen Lüftung an und die Fenster geschlossen. Aber solange fuhr ich ja nicht mit dem, denn nach gut einer Stunde war ich in Blaj, wo ich wieder eine Stunde auf meinen Anschlusszug warten durfte. Nun gings mit dem Rapid weiter und nach weiteren drei Stunden war ich dann kurz nach acht endlich in Rupea wo ich abgeholt wurde. In Rumänien sind übrigens die Türen vom Zug manchmal während der Fahrt offen. Wenn du die bei manchen Zügen nicht schließt, dann bleiben sie offen. Da stellen sich die Leute hin, denen es wirklich zu warm ist. In Dacia war ja Praktikantentreffen. Wir waren
insgesamt fünf Praktikanten und tauschten uns über die Arbeit und so aus. Das war sehr schön, interessant und erholsam. Jedenfalls hab ich die Zeit dort sehr genossen. Es war eine sehr einfach Zeit in einem siebenbürgischen Dorf: ohne Wasserleitung im Haus – also Wasser aus dem Brunnen. Mit anderen Praktikanten hab ich in der Cabana geschlafen (eine Holzhütte), geduscht wurde im Garten mit einer Gartenschlauchdusche und provisorischen Duschvorhang und den Therapieschafen, das Klo war ein Klohäuschen im Garten, Wasser gabs an der Quelle, und nachts hörst du die Straßenhunde bellen. Einfach und wunderschön! Nach dem Austausch mit den Praktikanten weiß ich, dass ich am richtigen Platz bin. Gott weiß einfach was jeder braucht und ER hat mich hierhin geführt. Halleluja! Die anderen Stellen sind zwar auch gut, doch für mich ist diese hier am besten! Am Montag gings nun wieder mit dem Zug zurück. Diesmal war ich nach nur neun Stunden Fahrt wieder hier Petrila. Die Fahrt war genauso aufregend wie die erste. Ich musste zwar nur einmal umsteigen, doch wir hatten Verspätung und ständig musste ich rausschauen und versuchen irgendein Halteschild zu finden, wo Teius draufstand. Das mit den Haltestellenschildern ist wirklich so eine Sache. Irgendwann kam es dann (glücklicherweise musste da auch die ältere Dame hin, die mir gegenüber saß, sodass wir zu zweit Ausschau hielten). In Teius war noch eine Sache spannend. Ich musste zwar nur noch eine halbe Stunde auf den Anschlusszug warten, da wir ja eine halbe Stunde Verspätung hatten. Aber was macht man da? Genau, man mal die Toilette auf. Und als ich da reinging, hörte ich schon am Gang Schreie. Was dort geschah? Im Klo war eine Zigeunerfrau die eins ihrer Kinder im Waschbecken badete. Das gefiel dem Kind eben nicht, sodass es schrie. Interessant – am Bahnhofsklo werden Kinder im Waschbecken gebadet. Naja, man erlebt hier eben doch einiges. Die Woche darauf war ich schon wieder in Dacia, weil der Verein Copiii-Europei in die Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen wurde. Es waren viele Projektpartner anwesend. Der Austausch mit ihnen war sehr interessant. Die folgenden Wochen war ich einige Zeit mit ein paar Kindern alleine, denn Wolfgang und Dorina waren fort. Der Ausdruck „alleine“ stimmt nicht ganz, denn es waren noch ein paar Kinder da, 10 Hasen und 15 Hühner….Während dieser Zeit hatten wir sehr schönes und heißes Wetter, so dass wir oft zum Planschen in den Fluss gingen. Das war eine gute Abkühlung für die Kinder. Die Kinder haben nun ja drei Monate Sommerferien, das heißt, dass sowohl die Schule als auch der Kindergarten geschlossen haben. Eben erst (Mitte Juni) haben sie angefangen und nun ist schon wieder die Hälfte vorbei. Wie schnell die Zeit doch vergeht.

Bei der ersten Pause zog der Busfahrer erstmal die Schrauben am Rad nach…

Ein Bericht von Julia Wißmüller / Juni 2007

Schon wieder ein Monat vorbei! Nun stehen wir kurz vor den Sommerferien. Die Kinder haben nur noch diese Woche Schule und Kindergarten. Danach sind drei Monate Sommerferien. Ich finde das schon sehr lang, vor allem wenn ich daran denke, dass mir die sechs Wochen Sommerferien in Deutschland schon immer gereicht haben. Diese Woche war deshalb Abschluss der Sportschule von Daniel. Für Daniel und Cristina sind nun auch die letzten paar Tage im Kindergarten, denn im September kommen die beiden in die Schule. Daher bereiten wir uns gemeinsam darauf vor. Seit wir mit einer regelmäßigen Vorschulstunde im Herbst begonnen haben, haben die zwei schon große Fortschritte gemacht. Am Samstag war ich mit Dorina und ihrer Schule auf einem Ausflug. Wir fuhren nach Sibiu, der europäischen Kulturhauptstadt, und danach ins Fagaraschgebirge. Das war sehr schön. Sibiu könnte man mit einer deutschen Stadt verwechseln. Dort haben sie vieles neu hergerichtet. Im Fagaraschgebirge fuhren wir die Straße bis zur Seilbahnstation hoch. Die Straße geht 2000 m hoch und erst Ende Mai wird diese vom Schnee und umgefallenen Bäumen befreit. Doch als wir dort waren, war ein Stück noch geschlossen. Daher fuhren wir mit dem Seilbahn hoch. Was haben wir doch für einen wunderbaren Schöpfer: Berge, Schnee, Seen, Blumen, usw. All das konnten wir bestaunen und genießen. Doch wenn ich so überlege war eigentlich die Busfahrt am Spannensten. Es fing gleich am Anfang mit den Regeln für die Klassenfahrt an. Diese wurden laut verlesen. Bei der einen musste ich dann doch lachen. Ich konnte schon verstehen, dass Alkohol verboten war, außerdem sollte im Bus nicht geraucht werden. Aber dass im Bus keine Sonnenblumenkerne gegessen werden dürfen, das fand ich dann doch sehr amüsant. Diese Regel kann man erst dann verstehen, wenn man weiß, dass Rumänen eben gerne Sonnenblumenkerne essen und diese Schalen viel Dreck machen. Bei der ersten Pause zog der Busfahrer erstmal die Schrauben am Rad nach. Und als wir ins Gewitter kamen, regnete es ein einer Stelle rein. Vorne war jedoch Hightech: ein Naviagationssystem, ein Radarerkennungssystem und ein DVD-Player. Auf der Fahrt kamen einige Schüler so richtig in Fahrt und fingen an im Gang zur Musik zu tanzen und zu kreischen. Danach gabs noch einen Horrorfilm, den ich glücklicherweise verschlafen habe. Es war wirklich ein sehr schöner Ausflug. Übermorgen werde ich dann schon wieder unterwegs sein in Richtung Siebenbürgen. Darauf freue ich mich schon, denn ich gehe zum Praktikantentreffen. Ich bin schon mal gespannt, was die andern so alles erzählen werden.

…in eine Höhle auf Schatzsuche.

Ein Bericht von Julia Wißmüller / Mai 2007

Nun bin ich also wieder erholt in Rumänien zurück von meinem Heimaturlaub. In Deutschland wurde mir so richtig bewusst, dass ich nun zwei „zu Hause“ in dieser Welt habe. Eines ist in Deutschland und das andere ist hier in Petrila. Kurz nachdem ich wieder in Petrila war, fuhr ich mit Wolfgang, Dorina und Emanuel nach Vlahita. Dort war eine Rüstzeit. Diese war so sehr gesegnet und hat mich sehr, sehr ermutigt. Wir sind auch sehr stark in die Fürbitte vor Gott für Rumänien getreten. Gott hat mich in dieser Zeit so sehr zugerüstet und gesegnet, dass es
mir schwer fällt dies in Worte zu fassen. Außerdem habe ich viele Menschen kennengelernt die Gott hier in Rumänien dienen. Hier ist für mich nun wieder der Alltag eingekehrt. Bei den sommerlichen Temperaturen die wir derzeit haben, sind wir mit den Kindern viel draußen. Abends essen wir gerne am Feuer. Dort grillen wir unsere Würstchen auf Stecken. Das ist einfach lecker. Gestern unternahmen wir ein Abenteuer. Mit Wolfgang und den Kindern gings in eine Höhle auf Schatzsuche, danach kletterten wir noch einige Steilwände hoch und übern Feuer grillten wir Würstchen. Letzten Samstag machten alle eine Fahrradtour zu einem Fluss. Dort spielten die Kinder im Wasser, was ihnen sehr viel Spaß machte. Sonst gibt es nur noch zu berichten, dass wir seit einer Woche zwei Glucken mit ihren Kücken haben. Es ist spannend diese zu beobachten. Und seit gestern haben wir einige Hasenbabys. Mal sehen, was es nächstes Monat noch so alles zu berichten gibt.

Das war dann doch mal eine ganz andere Osterfeier als bei uns…

Ein Bericht von Julia Wißmüller / April 2007

Das letzte Monat war mit vielen Festen ausgefüllt. Cristina durfte ihren siebten Geburtstag feiern und Daniel wurde sechs Jahre alt. Daniel bekam zum Geburtstag ein Skateboard, das wir natürlich sofort auf dem Asphalt ausprobieren mussten. Es klappt schon ganz gut, aber so einfach ist es trotzdem nicht. Bei uns ist der Frühling eingekehrt, so dass wir sehr viel draußen waren. Außerdem war ja auch noch Ostern. Am Ostersamstag gingen wir kurz vor Mitternacht zur orthodoxen Kirche in Petrila um dort die orthodoxe Osterprozession zu erleben. Der Hof der Kirche und der Gehsteig waren mit Leuten ausgefüllt. Es waren sicher einige Hunderte und jeder von ihnen hatte eine Kerze in der Hand. Kurz vor Mitternacht kamen dann Menschen aus der Kirche die Fahnen trugen. Auf diesen waren Heiligen- und Jesusbilder drauf zu sehen. Dahinter kamen die Priester mit der Osterkerze und dem Evangelium heraus. Punkt zwölf Uhr begann es dann. Die Priester zogen hinter diesen Heiligenbilder durch die Masse. Jeder zündete an der Osterkerze seine Kerze an und dann gings richtig los: Alle gingen dreimal um die Kirche. Danach verlas der eine Priester noch etwas aus dem Evangelium und dann gingen sie wieder in die Kirche. Das war dann doch mal eine ganz andere Osterfeier als bei uns in Deutschland….. Doch zur Zeit bin ich in Deutschland auf Heimaturlaub und genieße deutsches Schwarzbrot und deutsche Schokolade….. Wie dankbar man doch wieder für solche Kleinigkeiten wird. In einer Woche bin ich wieder in Rumänien und bin gespannt was mich da wohl die nächsten Monate erwartet.

… vom Winter in den Frühling.

Ein Bericht von Julia Wißmüller / März 2007

Jetzt ist also schon wieder ein Monat rum. Nun haben endlich alle Kinder die Windpocken hinter sich. Zum Glück, denn nun ist der Frühling gekommen und sie dürfen wieder raus gehen. Bei uns blühen die Schneeglöckchen und die Krokusse, die Vögel zwitschern, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Auf den Spaziergängen sehen wir kleine Ziegen, Lämmer und Schafe auf den Weiden. Den Lämmern sehen wir gerne beim Spielen zu. Als wir neulich wieder einmal vor einer Weide standen, kam eine Frau und ging in den Stall. Dort holte sie doch tatsächlich extra für uns ein Lamm auf die Straße, damit wir es streicheln konnten. Die Menschen hier sind echt ganz besonders. Heute begegneten wir einem Ziegenhirten mit kleinen und großen Ziegen. Der Hirte fing für Casian eine kleine Ziege und setzte diese auf seinen Schoß. Casian hatte gar keine Angst und streichelte sie sogar. Da war er ganz schön mutig. Ein
anderes Mal besuchten wir ein Kälbchen und sahen zu, wie es gefüttert wird. Ich fand es faszinierend, dass dafür einfach eine alte Suc-Flasche (wie eine alte Plastik-Colaflasche) genommen wird. Darauf macht man einen Nuckelaufsatz (sieht aus wie von einer Babyflasche) und damit füttert man das Kälbchen.
Cristina und Daniel sind in der Vorschule sehr fleißig. Derzeit üben wir Zahlen schreiben. Außerdem ist es gar nicht so einfach die verschiedenen Formen zu benennen und zu sortieren. Doch gemeinsam meistern wir die manchmal schwierigeren und manchmal leichteren Aufgaben. Auf dem Paringo (den Berg vor unserem Haus) liegt noch viel Schnee. Dort waren wir am Wochenende zum Schlitten fahren. Das war schön. Als wir wieder runtergefahren sind, kamen wir vom Winter in den Frühling. Außerdem besuchten wir noch ein orthodoxes Frauenkloster. Das hatte schon etwas für sich. Am Eingang müssen alle Frauen mindestens knielange Röcke anziehen, dafür liegen extra welche bereit. In der Kirche lassen viele Menschen für sich beten oder Schriften vom Priester für sich lesen. Bei einer alten Burgrunine genossen wir während eines Picknicks mit gegrillten Würstchen die Frühlingsluft. Doch der Frühling hat erst begonnen und wir werden ihn auch noch weiter sehr genießen.

Cristina bemerkte, dass das Schwein ja Haare hat und wollte wissen warum….

Ein Bericht von Julia Wißmüller / Februar 2007

Was gibt es nach einem weiteren Monat in Rumänien zu schreiben? Ich würde sagen: Einiges! Endlich hatten wir hier richtig viel Schnee. So konnten wir die Einfahrt unserer Nachbarn zum Schlittenfahren nutzen. Das machte den Kindern sehr viel Spaß. Außerdem bauten wir einen großen Schneemann. Dieser stand jedoch leider nur einen Tag, dann bekam er Übergewicht und fiel auf seine Nase. Was ich besonders erstaunlich fand, wie die Leute hier Schlittschuh laufen. Als ich das das erste Mal sah, konnte ich meinen Augen fast nicht trauen. Da fuhr doch tatsächlich jemand mitten auf dem schneebedeckten Bürgersteig Schlittschuh. Manche fahren sogar damit den Schlittenberg hinunter. Und das funktioniert wirklich! Ein besonderes Erlebnis geschah auf einem Sparziergang mit Cassian und Cristina. Auf der Straße überholte uns ein Pferdefuhrwagen, dieser hatte hinten auf seinem Anhänger ein Schwein aufgeladen. Etwas weiter vorne blieb dieser stehen. Wir gingen weiter und schließlich hatten wir ihn eingeholt. Da aber Cassian von Schweinen sehr fasziniert ist, blieben wir stehen und besahen uns das Tier aus der Nähe. Cristina bemerkte, dass das Schwein ja Haare hat und wollte wissen warum. Als wir weitergehen wollten, sprach uns der Pferdefuhrwagenfahrer an und wollte wissen, wohin wir gingen. Wir waren ja sparzieren. Also lud er uns kurzerhand ein ein Stück mitzufahren. So durften wir drei auf den Pferdefuhrwagen steigen und mitfahren. Das war für uns alle ein schönes Erlebnis.
Letzte Woche waren Ferien und wir hatten viele Gäste im Haus. Das war ganz schön und anstrengend. Aber jetzt sind die Ferien wieder vorbei und der Kindergarten und die Schule haben wieder begonnen. Doch da derzeit einige Kinder die Windpocken haben, sind sie zu Hause. Anscheinend machen sie die Windpocken jetzt nacheinander bzw. gemeinsam durch. Besonders gemein ist es, wenn diese so sehr jucken. Aber auch das geht vorbei. Das wars erstmal an Neuigkeiten. Mal sehen, was nächtes Monat so alles los ist.

Mit den Kindern sind wir von Haustüre zu Haustüre gezogen….

Ein Bericht von Julia Wißmüller / Januar 2006

Das letzte Monat war sehr ereignisreich. Nachdem ich Mitte Dezember schon drei Monate in Rumänien war, musste ich mal kurz ausßer Lande. Gemeinsam mit Wolfgang und zwei Kindern sind wir nach Ungarn gefahren.Dort haben wir eine Nacht im Auto verbracht, was übrigens sogar
ein wenig gemütlich und nur etwas kalt war. Früh am nächsten Morgen fuhren wir wieder nach Rumänien. Dort verbrachten wir einen Tag im Norden Rumäniens. In dieser Gegend bei Satu Mare ist alles Flachland. Das war schon gewöhnungsbedürftig, wenn auf einmal keine Berge mehr um einen sind. Diese Fahrt war wirklich schön und ich habe sie sehr genossen.
Weihnachten in Rumänien habe ich als viel stressiger erlebt als in Deutschland. Am Heilig Abend sind Wolfgang, die Kinder und noch andere Kinder aus Petrila und ich um 16.00 Uhr zum Singen aufgebrochen. Hier ist es Tradition, dass am Heilig Abend Gruppen von Haus zu Haus ziehen
um die gute Nachricht von der Geburt Jesu weiterzuerzählen. Dabei singen sie Lieder und meistens sagen sie auch einen Vers auf. An fast jeder Haustüre gibts Kuchen oder andere Süßigkeiten zu essen. Mit den Kindern sind wir von Haustüre zu Haustüre gezogen. Dabei waren wir auch in einigen Wohnblocks. Man kann sich kaum vorstellen, dass es in manchen Block im Treppenhaus kein Licht gibt. Aber glücklicherweise gibts ja Taschenlampen… Manche Leute waren richtig angerührt von den Liedern, so dass sie Tränen in den Augen hatten. Eigentlich war das das richtige Weihnachten: die gute Botschaft verkündigen. Als wir so gegen 22.00 Uhr zu Hause waren, gabs die Bescherung. Die Kinder hatten nun zwei Wochen Ferien. Wobei die Kindergartenkinder schon seit Mitte Dezember zu Hause sind. Denn im Kindergarten wurde die
Heizung repariert und deswegen war dieser von heute auf morgen geschlossen. Aber nun ist dieser wieder geöffnet und die Kinder haben wieder einen strukturierteren Alltag. Auch die Schule hat nun wieder angefangen. Deswegen ist es etwas ruhiger im Haus geworden – zumindest
vormittags.

Das ist wirklich ein Grund zu feiern!…

Ein Bericht von Julia Wißmüller / Dezember 2006

Es ist jetzt kurz vor Weihnachten und ich bin schon drei Monate hier. Wie schnell die Zeit doch vergeht. Die Stadt ist mit bunten Lichterketten geschmückt und die Kinder haben schon leckere Plätzchen gebacken. Wir haben weihnachtliche Dinge gebastelt. Weihnachtlieder klingen durchs Haus und der erste Schmuck hängt an den Fenstern. Der Adventskalender wird jeden Tag geöffnet und wir warten schon, dass es endlich Weihnachten wird. Mir kommt es so vor, als ob die Weihnachtszeit hier nicht so hektisch ist, wie in Deutschland. Den Vorweihnachtsputz haben wir kürzlich hinter uns gebracht. Ganze 2 1/2 Tage haben wir zu dritt das Haus von unten bis oben gründlich geputzt. Da kam ganz schön viel Dreck zusammen. Wer jetzt noch eine Spinnenwebe oder ein Staubkorn findet, muss ganz schön lange suchen…. 🙂 Eine Frage jedoch stelle ich mir so kurz vor Weihnachten: Wo bleibt denn der Schnee? Nur ganz oben auf den Bergspitzen ist es etwas weiß. Weihnachten in den Bergen ohne Schnee? Das geht doch nicht. Auch die Kinder warten schon lange auf den Schnee, damit sie endlich Schlitten oder Ski fahren können. Heute Abend war ich in Rebecas Schule und habe eine rumänische Weihnachtsfeier erlebt. Diese sind etwas anders wie ich sie kenne. Wolfgang hat mit der Klasse ein schönes Theaterstück gelernt. Das führten sie heute vor. Die Lehrerin hat mit ihnen Lieder geübt und die Kinder haben Gedichte aufgesagt. Doch in den ganzen Weihnachtsvorbereitungen dürfen wir das Wesentliche nicht vergessen: Warum feiern wir Weihnachten? Weil sich Gott so klein gemacht und erniedrigt hat und als Mensch – als hilfloses, kleines Baby – auf diese Welt kam. Das ist wirklich ein Grund zu feiern!