August 2006

Short Cuts oder Schnappschuesse oder Blitzlichter oder Daumenkino IV
Ein Bericht von Jens Steinberger / August 2006

Das Bild, das sich andere ueber mich machen:Ein wenig sonderbar will mir scheinen, dass mein Gesichtsausdruck, aber auch der Umstand, dass ich nicht bestaendig bei den Kollegen sitze, es mich gar nicht so oft zu ihnen zieht, ich selten Kaffee mit ihnen trinke oder plauderd herum albere, dazu bin ich sprachlich auch gar nicht in der Lage, ab und an zu der Frage fuehrte, ob ich suparat, veraergert oder trist, traurig, sei. Weder das ein noch das andere trifft zu. Ich bin lediglich kein asiatischer Grinsemann, der bestaendig laechelnd Gefallen an Plaudereien findet, deren Sinn darin zu bestehen scheinen, einfach nur so vor sich hin zu plaetschern, um die Zeit bis zum Feierabend zu ueberbruecken oder 5 bis 6 Stunden am Tag auf einer Bank im Freien zu sitzen. Derartiges langweilt mich bereits nach einer Woche. Und warum soll ich bestaendig grinsen, wenn ich denkend oder beobachtend bin oder in mir treibe oder weile? Nicht alles, worueber ich nachsinne oder was ich wahrnehme oder erlebe, vermag mich zum Lachen zu bewegen. ar
Andererseits, wie sollte es auch anders sein, es gibt immer einen Gegenpol, sprach mir eine Kollegin genau das Gegenteil zu, als sie sagte, dass sie mich hier freundlich laechelnd und vergnuegt erlebt. Zudem meinte sie, da hat sie sicher unrecht, koennte ich mich dann doch sprachlich trefflicher ausdruecken, bewege ich mich hier so, als wenn ich schon einmal hier gewesen waere.

Sowohl die eine, als auch die andere Beobachtung meiner Mimik mag zutreffen, doch hat mein Gesicht sicherlich vielerlei Ausdrucksformen, und es gibt fuer eine Ausdrucksform sicherlich auch unterschiedliche Interpretationen. Es erscheint mir ein wenig duerftig, auch nicht sonderlich gut beobachtet, mich auf einen Gesichtsausdruck und die diesem Ausdruck interpretativ zugeordnete Gefuehlsregung zu beschraenken. Vielleicht glaubten einige Menschen gar, wenn ich 24-stuendig strahlend laechelnd durch den Tag schritte, dass ich bestaendig gluecklich und froehlich bin. Derartiges halte ich eher fuer Schauspielerei, nicht aber fuer ein Abbild der eigenen emotionalen Gefuehlsregung und ich denke, dass das ewig Laechelnde kein Stimmungsbild spiegelt, sondern Fassadenkunst ist. Doch ist es wie immer interessant zu erleben, wie unterschiedlich Menschen Interpretationen zu Bilder fuegen, sie in die Konstrukte ihrer Wirklichkeit integrieren und zur Wirklichkeit erheben.

Das munter plappernde vor sich hin plaudern, ist durchaus angenehm, ist auch wichtig, erfuellt eine soziale Funktion, ich mag es sogar, lachen ist gesund, doch ist es mir auf Dauer auch ein bisschen wenig. Zudem ist es einfach so, dass ich nicht das Beduerfnis verspuere bestaendig zu plaudern oder bei den Kollegen zu sitzen, vielleicht moegen sie diesen Umstand gar als Ablehnung oder Desinteresse oder Schuechternheit oder was weiss ich interpretieren und zu ihrer Wirklichkeit erheben, obwohl dem gar nicht so ist. Doch letztendlich haben sie das Recht sich ihre Wirklichkeit nach ihrem Belieben zu bilden. Plauderte ich mehr, so lernte ich die Sprache sicherlich schneller, ganz klar, aber dafuer beobachte ich um so lieber, treibe in Gedanken vor mich hin und ich bin zudem auch gerne mal allein, weil ich die Ruhe liebe. Das gehoert zu meinem Wesen, und dieser Wesenszug scheint ab und an ein wenig im Widerspruch zur rumaenischen Lebensart zu stehen.

Wenn ich mir beispielsweise nach dem Fruehstueck einen Kaffee in meinem Zimmer koche und dort alleine trinke und im Verlauf des vormittags ins Buero hoch gehe und dort den angebotenen Kaffee mit der Bemerkung ablehne, bereits Kaffee getrunken zu haben, so stoesst dies auf Unverstaendnis. Wie kann man alleine Kaffee trinken, wenn die Kollegen oben sitzen und diesen gemeinsam trinken. Hat er etwa etwas gegen uns? Ist er veraergert? Nein, natuerlich habe ich nichts gegen die Kollegen und ich bin auch nicht veraergert, sondern wollte lediglich nach dem Fruehstueck in der Kueche, dort gab es Kakao, viel zu suess, einen Kaffee trinken, allein, einfach nur so, ohne ein Wort zu verlieren und dabei aus dem Fenster blicken. Das ist in der Tat – ungewoehnlich – hier – und vielleicht auch anderen Orts.

Zur Lebensart der Rumaenen gehoert sicherlich deren Offenheit und auch deren Gastlichkeit. Doch zuweilen habe ich das Gefuehl, dass Offenheit im Sinne von Aufgeschlossenheit nicht unbedingt bedeutet, des anderen Wesenskern offen zu erfahren, sondern das die Offenheit, die ich hier erlebe, sicher nicht immer und auch sicher nicht bei allen, mir ein wenig ritualisiert und aufgesetzt erscheint, so als waere sie eine erlernte Pflicht, eine anerzogene Handlungsweise, die ab und an zur Fassade geraet und mich immer einmal wieder an Oberflaechlichkeit erinnert, weil sie eben nicht immer herzlich gastliche Offenheit ist.

Natuerlich bin ich nicht so blind zu verkennen, dass meine Sprachdefizite eben auch Oberflaechlichkeit beguenstigen und entstehen lassen, weil ich sprachlich nicht in der Lage bin mich darzustellen oder andere Menschen tiefer erfassend zu erfahren. Andererseits habe ich vielleicht auch einfach eine andere Vorstellungen was Offenheit betrifft, weil ich darin eher eine Art von Selbstoffenbarung sehe, die voraussetzt, das man sich selbst begegnet ist, sich selbst erfahren hat, weil man sich erst dann selbst offenbar wird und offenbaren kann. Wer sich nicht begegnet und sich nicht klaert, hat sich weder erkannt noch erfahren und kann sich derart auch nur oberflaechlich offenbaren. Das liegt doch auf der Hand. Ob die Kollegen sich erfahren haben, vermag ich nicht zu sagen, einige sicherlich, andere womoeglich, andere sicher nicht. Doch wie soll ich das auf rumaenisch erklaeren? Mir will gar scheinen, dass ich vielleicht gar von Menschen unverstanden bleibe, die in deutscher Sprach e lesen, schreiben, sprechen und denken.

Dabei ist es ganz leicht, es geht, ich betrachte es einmal buddhistisch, lediglich um eines: Achtsamkeit. Achtsamkeit ist ein Eckpfeiler der Selbsterkenntnis und Selbsterkenntnis ist ein Wegweiser zur Erloesung und Befreiung. Andersherum gedacht schreibe ich: Wer sich nicht erkennt und erfahren hat, ist seiner eigenen Fessel Schmied.
Das Bild, das sich andere ueber mich machen – Teil 2:

Ich klebe noch eine frische Begebenheit ins Fotoalbum: Eine Kollegin fragte mich, wir fuehrten das Gespraech in Englisch, was mir an Dacia gefaellt, weil ich dort hin fuhr und einige Tage blieb. Ich antwortete, das ich Dacia mag, weil es ein kleines Dorf ist, naturhaft schoen umgeben und laendlich liegt, dort nette Menschen leben, und, ernst gemeint, als Anspielung auf meine Sprachschwierigkeiten bezogen, mit einem Lachen versehen, dass ich dort deutsch sprechen kann, eben weil dort einige Deutsche leben. Darauf gab sie mir zu Antwort, ich war erstaunt und ueberrascht, und vermochte nur zu sagen, dass dem nicht so sei:

„Und wir sind nicht nett, weil wir nicht deutsch sprechen!“

Ist die Konstruktion der Wirklichkeit im Kommunikationsprozess nicht einfach unglaublich spannend. Wie sie meine Worte ueber die Menschen in Dacia interpretierte, umdeutete, schon nahezu gewaltsam verbog, auf sich bezog, dabei in der Mehrzahl sprach und den Augenkontakt zu mir vermied, ist wirklich interessant.

Nun gut, ich sollte sie einmal fragen, wie sie diesen Satz meinte, war ich in der Situation einfach zu ueberrascht, um nachhaken zu koennen und ist es doch wichtig die Wirklichkeitsbilder anderer zu erfahren, insbesondere dann, wenn sie sich ueber das eigene Wesen gebildet haben, weil dies die Moeglichkeit zur Verstaendigung, aber auch zur Ueberpruefung des Bildes, dass ich von mir in mir trage, bietet. Verstehen kann ich ihren Satz in der Art nicht, doch ist es sicherlich aufschlussreich zu erfahren, wie sie ihre Wirklichkeit gestaltet, um ihren Satz zu erklaeren.

Ich erklaere derweil, was ich daran in meiner Wirklichkeit nicht verstehe: Wie kommt sie darauf, dass ich etwas gegen sie habe, kam ich doch zu ihr zu Besuch ins Buero? Glaubt sie etwa, dass ich sie nicht mag, nur weil ich nicht jeden Morgen, wie angeboten, zum Kaffeetrinken erscheine oder mich auch einmal zwei Tage ueberhaupt nicht blicken lasse? Wie kommt sie darauf, dass Menschen nur dann nett sind, wenn sie deutsch sprechen und nicht nett sind, wenn sie nur die eigene Landessprache sprechen? Das ist doch absurd, ich fahre doch nicht mit der Erwartung und Vorstellung fuer ein halbes Jahr in ein fremdes Land, dass die Menschen dort meine Sprache sprechen. Das hat sie sicher nicht gemeint. Vielleicht fuehlte sie sich lediglich zurueckgesetzt oder war enttaeuscht, reagierte trotzig oder schmollend, hat mein Lachen eigen interpretiert oder fuehlte sich aus einem Unbehagen heraus dazu motiviert die Sachebene zu verlassen, um mir auf der Beziehungsebene eine Ohrfeige zu verpasse n. Warum kann sie nicht verstehen, dass ich es mir gefaellt, mich in einer mir vertrauten Sprache ausdruecken, da ich mich doch mit der ruemaenischen Sprache schwer tue und nicht das auszudruecken vermag, was ich ausdruecken moechte? Warum versteht sie nicht, dass nicht bestaendig zu plaudern und herum zu albern nicht bedeutet einen Menschen abzulehnen? Warum gesteht sie mir nicht mein Wesen zu? Was traegt sie fuer ein Bild ueber mich in sich, und was hat dieses Bild, dass in ihr ueber mich entsteht mit mir zu tun?

Das Bild, dass sie in sich ueber mich entwirft, bildet nicht mich ab, sondern spiegelt lediglich die Art und Weise in der sie mich auf der Basis der Konstruktion ihrer Wirklichkeitsmuster erfasst. Derart, so geht es doch auch mir, gibt das Bild, das man sich ueber einen anderen Menschen macht, weniger Auskunft ueber den, ueber den man es gebildet hat, sondern vielmehr ueber den, der es entstehen liess, vor allem auch ueber die Mechanismen, die sein Denken, Fuehlen und Wahrnehmen bestimmen, gibt zudem Einblick in die Interpretations- und Konstruktionsgewohnheiten, die er sich angeeignet hat und die zur Ausbildung des Bildes ueber den Anderen beitrugen. So ist es doch auch beim Schreiben. Ich kann tausende Seiten ueber einen Anderen schreiben, muehelos, doch gebe ich mit jedem Wort und jeder Zeile in erster Linie ueber mich preis, und erst danach Auskunft ueber den, den ich beschreibe.

Vielleicht laesst sich verallgemeinernd sagen: Kommunikation und Wirklichkeitsbildung sind lustige Spiele. Ein Satz bietet tausende Interpretationsmoeglichkeiten, doch in einer aktuellen Situation interpretiert das Gehirn einen gesprochenen Satz mit Lichtgeschwindigkeit und initiiert eben so schnell eine Antwort. Letztendlich antwortet das Gehirn auf etwas, dass es gar nicht richtig erkannt und erfasst hat, weil die Antwort viel schneller fliesst, als ein bewusster Denkprozess zur Bildung einer Antwort benoetigt. Das Gehirn greift lediglich auf das zurueck, was es erlernt hat, in sich als gespeicherte Information traegt, letztendlich seiner Programmierung entspricht und als Antwort oder Reaktion in einem derartigen Fall angemessen erscheint. Das Gehirn waehlt aus einer Vielzahl von moeglichen Antworten blitzschnell eine Moeglichkeit aus und auf dieser wackligen Basis bildet sich die Wirklichkeit, an die man glaubt und die einem Orientierung verspricht. Lustig.

Daraus folgt: Indem man sich erkennt und erfaehrt, sich seiner eigenen Handlungsweisen und Gewohnheitsmuster bewusst wird, versetzt man das Gehirn in die Lage andere, bewusst initiierte, Handlungs- oder Reaktionsmuster auszubilden und in einer Situation zur Anwendung zu bringen. Wenn diese, wie soll ich es nennen, neuronale Programmierung gelingt, so mag das Gehirn so blitzschnell reagieren, wie es will, weil sich dann die Einleitung der Antwort oder der Reaktion oder des Empfindens auf der Basis zuvor bewusst geklaerter Handlungsalternativen vollzieht, die das eigenen Wesen viel genauer spiegeln, weil ein Reflektionsprozess Licht ins Dunkel bringt. Das ist nicht einfach, bedarf geduldiger Uebung, ist aber moeglich, und auch gerade eines der Ziele des Achtsamen Weges.
Ich mache ein Foto im Buero und zeichne die Geschichte dazu:

Bedauerlich empfand ich, dass eine Kollegin einem Jungen, der im Buero anwesend war, der bekannter Weise und auch offensichtlich in einer depressiven, einen Tag spaeter auch in einer destruktiven Krise steckt, auf sein Kontaktbegehren, einem Hilferuf gleich, nur einen kurzen Blick schenkte, der mich jedoch erkennen liess, das sie erkannte, dass der Junge um Hilfe rief, dann aber, auch noch ausserdienstlich, an ihrem Bericht weiter tippte.

Ich kann dem Jungen nicht helfen, sprach bereits einen Tag zuvor waehrend der Abschlussfeier der Schulabgaenger mit ihm – so gut es ging und es mir moeglich war. Immer wieder uebersetzte ein anderer Junge, so gut er konnte in Englisch, was ich nicht verstand. Ich vermag dem Jungen ein wenig Aufmerksamkeit schenken, kann ihm nach meinem Moeglichkeiten zuhoeren, doch kann ich aufgrund von Verstaendigungsschwierigkeiten sein Problem nur unscharf erkennen und derart wird mein Wort an ihn auch nicht zielsicher treffen, was die Hilfe erschwert.

Soviel bildete ich mir ein erkannt zu haben: Allein der Umstand, dass der Junge vom Tode seiner Mutter, die vor zwei Jahren starb, sprach, zudem das Wort Tod oftmals in den Munde nahm, liess mich die Dringlichkeit seiner Not erkennen, die sich mit einem Fluchtimpuls paarte, als er mich bat, eine Familie fuer ihn in Deutschland zu finden, die ihn aufnimmt, weil er es hier im Heim nicht mehr aushaelt. Er sprach auch, dass er bestaendig weinen muesse und beim Blick in seine Augen sah ich Schatten ueber seine Seele kriechen. Vor einigen Wochen lernte ich ihn viel lebensfroher kennen, doch fiel mir bereits da seine emotionale Unbestaendigkeit auf, die von einem auf den anderen Tage schwunghaft zu wechseln vermochte.

So ich helfen kann, helfe ich gerne, aber bei dem Jungen stosse ich an meine Grenzen, denn er bedarf sicherlich der kontinuierlichen Betreuung eines Psychologen und den gibt es hier im Heim, und der ist es auch, der die Verantwortung uebernehmen muss zu entscheiden, was mit dem Jungen geschieht.

Ich greife den Fluchtimpuls auf: Vielleicht gibt es Probleme, die sich durch einen Ortswechsel loesen lassen, doch denke ich vielmehr, dass man Probleme selten loest, indem man vor ihnen zu fliehen sucht. Niemand wird seinem Problem entkommen, indem er vor ihnen davon laeuft, sondern er wird seine Probleme ueberall dort hin fuehren, wo auch er weilt, egal wohin auch immer er eilt. Niemand kann sich selbst entkommen und ist es nicht so, dass unser Problem solange Problem bleibt, solange wir ihm nicht von Angesicht zu Angesicht gegenueber treten und es Aug‘ in Aug‘ betrachten und loesen. Zudem ist es doch oftmals so, wenn auch sicherlich nicht immer, dass wir selbst das Problem sind. Das ist durchaus positiv, denn derart entsteht die Moeglichkeit, dass wir an uns selbst wachsen koennen, so wir uns dem Problem, also uns selbst, stellen. Niemanden gelingt es auf Dauer Problemen zu entgehen, schon gar nicht indem man sie verdraengt. Sicherlich kann man sich eine Weile selbst betru egen, wie praktisch die Konstruktion der Wirklichkeit in solchen Faellen doch zu sein scheint, doch eines Tages, vielleicht am letzten Tag, vielleicht wird dann der Tag zur Nacht, holt einen just das ein, was man verdraengt hat und schon vergessen glaubte.

Die Kollegin, die den Hilferuf ignorierte, kaemmte im Spaeteren einem Maedchen im Buero die Haare und hat Zoepfe geflochten. Dagegen ist nichts einzuwenden, es gefaellt mir gar, aber vielleicht ist es kein Schade Prioritaeten zu formulieren: Was ist wichtiger? Die Haarpracht eines Maedchens oder die Not eines leidenden Menschen? Vielleicht hat sie sich fuer die Haare entschieden, vielleicht war sich auch lediglich mit der Situation ueberfordert oder hatte andere Gruende fuer ihre Handlungsweise. Ich weiss es nicht, ist ihre Wirklichkeit mir doch fremd geblieben.

Dann fiel mir wieder ihr Satz ein und ich musste auch an Offenheit im Sinne von Aufgeschlossenheit denken: „Und wir sind nicht nett, weil wir nicht deutsch sprechen.“ Mir ist es gerade voellig egal, ob sie nett ist oder sich in einer Schlangenhaut in der Sonne rekelt, das ist unbedeutend, oberflaechlich und interessiert mich nicht. Wichtig ist nur eines und das haette mir gefallen und zudem zur Gaenze genuegt, dass sie mit dem Jungen auf rumaenisch gesprochen haette, der sich an sie wendete und ihrer Hilfe und Aufmerksamkeit bedurfte.

Drei Tage spaeter erzaehlte mir ein Maedchen, dass ihr Freund das Heim verlassen hat und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden sei. Sie weinte, ich nahm sie in den Arm und sie sagte: Nu mai vine! Er kommt nicht wieder!

Vielleicht hat sie recht, vielleicht auch nicht, ich weiss es nicht, doch kommt es sicherlich auf die Hilfe an, die dem Jungen in der Klinik zuteil wird. Doch bin nicht gaenzlich zuversichtlich, ob er die Untersuetzung erhaelt, die er benoetigt und ich hoffe, dass sich die Behandlung nicht lediglich auf die Verabreichung von Medikamenten beschraenkt, denn das ist sicherlich zu wenig, wird er doch derart nur ruhig gestellt, nicht aber therapiert und schon gar nicht gesunden.
Jens Steinberger am 17. August im Jahre 2006. Rumaenien. Bradet.

PS: Diese Zeilen entstanden fuer den zweiten Monatsbericht; also zeitlich betrachtet Ende Juni. Ich nahm sie aus den laufenden Text heraus, weil mir der Bericht zu lang erschien. Danach hatte ich keinen Zugriff auf den Computer, weil das Computerzimmer gerauemt wurde, um dort Gaeste unterzubringen. Die Kollegin, die den Schluessel fuer die weggeschlossenen Computer hat, war laengere Zeit im Urlaub, so dass mir dieser Text erst heute wieder zugaenglich geworden ist. Ich werde diesen Text als Monatsbericht verwenden, weil er mir gefaellt, aber auch, weil ich in ganz anderen Themen schreibend versunken war, den neuen Bericht zwar begonnen, aber noch nicht fertig gestellt habe. Jetzt geht es erst einmal ans Schwarzen Meer, denn dorthin fahre ich mit etwa 40 Kindern und einigen Betreuern. So es moeglich ist, mache ich einen Abstecher ins Donau Delta. Das lohnt sich bestimmt.
Kontakt: JensSteinberger@web.de