Elisabeth Möwitz, Praktikantin

in Sâncrai /Jud. Alba, „Villa Kunterbunt“

Weihnachten ist schon lange vorbei und der Alltag in der Villa in vollem Gange. Waehrend ich das Magazien oeffne und es hinterher durchfege, sitzen die Kinder schon in der Schule, lernen fleissig, machen Krach oder rauben den Lehrern den letzten Nerv. Solch einen Schulalltag durfte ich am eigenen Leib erfahren. Der Logopaede der Kinder war zwei Wochen krank… Zwei mal durfte ich ihn fuer zwei Stunden vertreten. Das war ziemlich anstrengend, weil ich alle sieben Minuten sagen musste „setze dich auf deinen Platz“ oder „mache das nicht“. Der Ruf zum Mittagessen war dann immer meine grosse Freude.
Diesmal fiehlen meine Putzeinsaetze in den oberen Raeumen der Villa oft spontan aus, was mich freute. Die Gruende dafuer waren die Geburtstagsfeten von Tensi und ciprian. Gemeinsam mit den Lehrern tranken wir Kaffe, assen Kuchen und erhoben uns am Ende des Schmausens zum Tanzen und Rumalbern mit den Kiddis. Das waren wilde Feten.
Voellig neu und ungewohnt war, alleine im Magazien zu arbeiten. Adelas Oma ist gestorben. Waehrend Lisa ihr half die Gaeste zu bedienen und hinterher viele, viele Teller abzuwaschen, machten Mimi und ich unseren ersten gemeinsamen Ausflug auf dem Fahrrad durchs Doerfchen.
Mittlerweile ist es wieder waermer und die Tage etwas laenger, sodass nach der Arbeit oft noch Zeit fuer einen kurzen Spaziergang bei kalter Abendsonne ist. Dann freuen sich die Kinder und wir uns, dass sie ein wenig mueder ins Bett kommen, um fuer den naechsten Tag wieder fit fuer die Schule zu sein.

Januar 2008

Schon wieder ist ein Monat schnell vergangen. Diesmal lag es wahrscheinlich an den vielen Feier- und Festtagen, dass es schon wieder soweit ist meinen Dezember- Januarbericht zu schreiben. Die Vorweihnachtszeit und das Tannenbaumschmuecken verlief ziemlich chaotisch ab, was jedoch eher am Klima in der Villa lag. Oft hiess es wie sehr viel schoener alles vor einem Jahr um diese Zeit war. Das setzte mich sehr unter Druck. Es war mein erster 24.12. , den ich nicht zu Hause bei meiner Familie verbrachte. Um es schlechter nicht beschreiben zu koennen: Alles war anders. Nach der Bescherung zu Hause in der Villa Kunterbunt wurde ich von der halben Jugend des Dorfes zum Weihnachtsliedersingen mitgenommen. Wir liefen von Tuer zu Tuer, sangen rumaenische Weihnachtslieder und wurden daraufhin stets zum Essen und Trinken reingebeten. Diese Nacht zog sich bis zum Morgengrauen und noch weiter in die Laenge. Gegen fuenf wollte ich einfach nur noch in mein langersehntes Bettchen fallen. Ich war noch nie in so vielen, verschiedenen Haeusern und Stuben wie in dieser Nacht.
Silvester wird auch ganz anders als bei uns und aehnlich wie Weihnachten hier gefeiert. Zusammen mit den Menschen, die ich schon in mein Herz geschlossen habe, feierte ich in einem leerstehenden Haus. Der DJ der Disko war da, somit also gute Musik, viel Essen und Trinken. Um 24.oo Uhr gingen wir auf die Strasse, stiessen mit Sekt an und umarmten uns. Danach liefen wir Toepfe schlagend durchs Dorf und hielten ab und zu an den Haeusern anderer Freunde und Familien an. Wir wuenschten auch ihnen ein gesundes, neues Jahr. Am ersten Januar trafen wir uns nochmals und feierten. Das ist hier so ueblich. In den Tagen danach ging es darum die Kinder der Villa wieder einigermassen auf die Schule vorzubereiten; sie wieder zeitiger ins Bett zu schicken. Das ist mittlerweile auch schon wieder zwei Wochen her und die Hunde und Huehner sind spaetestens um acht gefuettert, die Terassen gefegt. Bis zum naechsten Bericht, die Lotte.

 

Dezember 2007

Jetzt bedecken schneeweiße Flocken die Felder Sincrais und die ersten Traktoren sind schon wieder unterwegs um die Erde streckenweise aufzulockern. Ein schönes schwarz-weiß-Bild prägt nun die Landschaft, während Kinder mit ihren Schlitten sie durchkreuzen. Auch die Kinder der Villa Kunterbunt, Lisa und ich haben gleich beim ersten Schneefall einen Ausflug auf dem Schlitten gemacht. Die Kinder des Dorfes schlossen sich uns an und gemeinsam zogen wir Schneebälle werfend über die Felder und Berge Sincrais.
Die Arbeit in der Villa hat sich nicht groß verändert, bis auf dass sich meine allmorgendliche Aufgabe die Terassen zu fegen ins Schneeschieben umgewandelt hat und ich die Kinder mehr und mehr in mein Herz schließe.
Vorletztes Wochenende war quasi Tag des Schweineschlachtens in Sincrai. Lisa wurde von Mama Lolle zum Mitmachen und Zusehen eingeladen und ich von Adela. Auf dem Weg zu Adela hörte ich schon hinter jedem Hoftor das Rauschen der Feuerflaschen, die die Schweine zum schmoren brachten. Auch bei Adela war das Schwein schon tot. Ich kam zu spät! Als das Schwein geteilt wurde habe ich aufmerksam zugesehen. Jeder wusste welcher Handgriff als nächstes gesetzt werden musste. Später säuberte ich mit Bunika den Darm des Schweines, was eine sehr unangenehm riechende Arbeit war, und schnitt das Fleisch in Stücke. Zwischendurch holte ich Brot und Salz. Das Geschrei und Gequicke der Schweine, die auf dem Weg zum Schlachten waren, war nicht zu überhören. Am Abend gab es ein vorzügliches Essen vom frischgeschlachteten Schwein. Der selbstgemachte Wein, welcher in jedem rumänischen Keller zu finden ist, durfte natürlich nicht fehlen. Das war ein sehr schöner Samstag.
Alles Liebe und ein besinnliches Fest wünscht die flotte Lotte.

November 2007

Mann, Mann, Mann; wie schnell doch die Zeit vergeht. Zeit für meinen Novemberbericht!Mein dritter Monat hier in Rumänien, im kleinen Dorf Sincrai, lief ziemlich chaotisch ab, was nicht bedeuten soll, dass er nicht aufregend war. Eine Woche vor dem großen Transport hatten die Kinder der Villa Kunterbunt Ferien und Marlis hohes Fieber. Ich fühlte mich ganz und gar verantwortlich für das kunterbunte Treiben im Hause und ließ selbst den sonst üblichen Samstagsausgang ausfallen. Ich kümmerte mich um den Haushalt, die Kinder sorgte mich um Marlis und machte zum ersten Mal mit Mimi, der sehr klugen und aufmerksamen Tochter von Marlis, einen Spaziergang im Dorf. ( Mimi ist Authistin und versetzt mich immer wieder ins Staunen über ihre hohe Auffassungsgabe.) Diese Woche verging mit Höhen und Tiefen sehr schnell. Pünktlich für den Transport aus Deutschland. war Marlis wieder fit und die Kinder hatten wieder Schule. An nur einem Tag räumten wir mit vielen Rumänen aus Sincrai und einigen Deutschen zwei volle LKW´s aus. ( Vieles von dieser Spende kommt zum Verkauf ins Magazien. Einiges ist für das Krankenhaus und die Schule in Aiud.) Bis zum späten Abend schleppten wir Kartons und Säcke hin & her und am Ende saßen wir erschöpft in der Küche und ließen uns von Tensi mit Mama Lolles gemachtem Tocaniza de pui ( Hühnchengulasch ) bedienen. Der Transport bedeutete intensive Arbeit, aber ich hatte viel Spaß dabei. Mittlerweile sind schon ca. zweihundert Fahrräder verkauft worden und ein angenehmer Alltag im Magazien mit Adela hat sich eingependelt. Am Abend falle ich meistens todmüde ins Bett und bin froh für mich zu sein.

Oktober 2007

Mein erster Oktober in Rumänien im kleinen Dorf Sincrai…
Den ganzen September über war es tagsüber immer angenehm warm, manchmal sogar so heiß, dass ich Pullover und Strumpfhose ausziehen musste. Nun ist es mitte Oktober und der Wind weht eisig in mein Gesicht. Morgens sind die verschiedenen Farben der Felder vom funkelnden Oktobereis umhüllt, bis die Sonne sie wieder sichtbar macht und die Kinder der Villa in der Schule sind. Die letzten Wochen sind wie im Fluge vergangen. Es gab immer viel zu tun. Der große Termin für den Transport aus Deutschland rückt immer näher. In nur noch drei Wochen wird die neue Ware für den kleinen Second-Hand-Shop ( das Magazien ) der Villa geliefert werden. Wir werden Fahrräder, Haushaltsgeräte, Sachen zum Anziehen und vieles mehr bekommen. Marlis sagt, dies sei immer die stressigste und chaotischste Zeit im Jahr. Soweit es ging haben wir das Magazien für den großen Transport vorbereitet: Sommersachen weggepackt, Wintersachen ausgeräumt, Kartons gefüllt, geleert und von Sincrai nach Aiud und wieder zurück gebracht. Wir haben Platz geschafft, Ordnung gemacht und mittendrin noch die Hausarbeiten der Villa erledigt. Mittlerweile geht es nur noch darum die Ordnung zu halten und Wintersachen einzusortieren. Von mitte September bis jetzt war Erntezeit. Oft bin ich nach der Arbeit in der Villa oder im Magazien noch zur Weinernte gegangen oder habe auf dem Hof von Adela Maiskolben für die Schweine sortiert. Manchmal waren Samstags auch Großeinsätze angesagt, sodass ich oft auf dem Acker bis zu sechs Stunden Kartoffeln geerntet habe. Diese Arbeit ging sehr auf den Rücken, aber es hat unglaublich viel Spass gemacht den Familien beim Dorfklatsch zuzuhören, auch wenn ich nicht viel verstanden habe. Das gemeinsame Arbeiten an der frischen Luft mitten in den Bergen zwischen so lieben und fleißigen Menschen gab mir ein richtig geborgenes Gefühl. Zwischendurch gab es immer ein leckeres Picknik mit Brot, Speck, Tomaten und Kaffe. Danach ging es gestärkt weiter. Noch immer bewundere ich besonders die älteren Menschen um ihren Fleiß und ihre körperliche Kraft. An einem Sonntag in Sincrai sind vor jedem Tore gemütliche sitzende Familien zu sehen. Sie unterhalten sich, spielen Schach oder genießen ruhig den Sinn eines Sonntages. So sind die Menschen Sincrais, fleißig und gemütlich zugleich. Es macht Spass, das Leben in Rumänien…

 

September 2007

Nun bin ich, Elisabeth Möwitz aus Leuthen (ein schönes, kleines Dörfchen in der Nähe von Cottbus), gerade mal drei Wochen in Rumänien für ein freiwilliges soziales Jahr und habe so viel erlebt, dass es mir so vorkommt als sei ich schon drei Monate hier. Ich liebe das Leben, Erfahrungen in anderen Ländern zu machen und Menschen kennen zu lernen. Nach dreizehn Jahren Schule hatte ich mir bewusst ein Jahr frei genommen. In dieser Zeit reiste ich für einige Monate nach Nepal, um auch dort freiwillig zu arbeiten, andere Sitten und Kulturen kennen zu lernen. Das war eine gute Vorerfahrung für die Arbeit in Rumänien. Es ist sehr interessant Europa von einer anderen Seite zu betrachten. Nicht nur von der westlichen Seite Europas zu wissen.
Villa Kunterbunt… Diese prächtige, noch nicht ganz fertiggebaute Pipivilla steht am Rande eines 600-Mann-Dorfes in der Nähe von Alba Julia. Wohin ich von den Balkons& Terassen der Villa auch blicke, überall sind die schönen Gewänder der Karpaten zu sehen. Es ist September, das Wetter wechselreich. Immer wieder sind sie schön anzusehen, die unterschiedlichen Gesichter der Karpaten. Nach einem 10-Minuten-Spaziergang ins Grüne, fällt das wasserblaue Dach der Villa sofort ins Auge. In dieser Villa Kunterbunt geht es heiß her. Hier werden sechs geistig behinderte Kinder, unter welchen eines hyperaktiv ist, von einer deutschen Mama versorgt und gepflegt. Im oberen Stockwerk gibt es eine Schule. Hier haben die Kinder der Villa das Glück in ihren potenziellen Fähigkeiten ausgebildet zu werden. Bis jetzt habe ich solch einen Schulalltag noch nicht erlebt. Noch sind Ferien…
Ein Tag in den Ferien ist vollgefüllt mit verschiedensten Aufgaben. Die ersten Tage gab es weniger zu tun, weil ich erstmal Zeit bekam mich einzuleben um mich einigermaßen an alles zu gewöhnen. Nach diesen Tagen half ich bei der Zubereitung der köstlichen Deutsch-Rumänischen Küche, schnippelte Tomaten, Möhren und all die anderen Gemüsesorten aus dem Garten der Villa, und arbeitete ab& an in dem kleinen Second-Hand-Shop, welcher in einem kleinen Schuppen nebenan eingerichtet wurde. Mittlerweile teilen Lisa (eine zweite Freiwillige dieser Villa) und ich uns die Arbeit im Tageswechsel. Am Wochenende haben wir weniger zu tun. Oft gehen wir am Samstagabend in die kleine Disko des Dorfes. Die Menschen hier sind sehr freundlich und offen, somit haben wir schon guten Anschluss gefunden und werden oft ala Frenchkiss begrüßt…
Ein Anfang in einem anderen Land ist immer schwierig, aber mittlerweile kann ich immer wieder sagen: Das Leben ist schön.