Cordula Binder, Praktikantin

im Projekt „Lernen und Leben“ Zeitraum: August 2006 bis Januar 2007

Der erste und der letzte Monat…

Ein Bericht von Cordula Binder / Januar 2007

Nun hat schon wieder ein neues Jahr begonnen, das uns mit seinen Ereignissen und Überraschungen erwartet. Es war schön zwischen Weihnachten und Neujahr ein bisschen ruhige Zeit zu verbringen und das vergangene Revue passieren zu lassen.
Ich hatte Besuch von Micha und seinen Freunden, was mir eine angenehme Abwechslung bescherte. Überhaupt waren die Feiertage gefüllt mit netten Menschen, gemeinsamen Essen und Unternehmungen.
Mit Anne und Martin machte ich mich am 30. Dezember um 8 Uhr morgens auf, um querfeldein nach Apold zu wandern. Wir waren ausgerüstet mit Essen und Stöcken (wichtig!!!) und auch einer Karte der Umgebung. Leider hatten wir keinen Kompass, und es waren nur wenige Wege eingezeichnet. Nach 3 Stunden Wanderung und der ersten überstandenen Hirtenhundattacke traten wir aus dem Wald und erblickten unten im Tal zu unserer rechten Seite ein Dorf. Wir freuten uns, da wir demnach schon ein gutes Stück zurückgelegt haben mussten, denn wir kannten das Dorf nicht. Als wir nun versuchten uns auf der Karte zu orten und dabei immer wieder Blicke auf das Dorf warfen, mit seiner großen Kirche, den erkennbaren Straßenzügen und Häusern beschlich uns ein unangenehmer Verdacht. Diese Stina am Ortseingang, die Anordnung der Häuser, besonders die beiden auffälligen, knallig rot gestrichenen – das kam uns irgendwie bekannt vor…
Es sah verdächtig nach Jibert aus. (Für Ortsunkundige: Jibert ist das Nachbardorf von Dacia, liegt 7 km westlich und hätte nicht unbedingt auf unsrer Route gelegen…) Aber wir hatten es doch zu unserer Rechten erblickt, das hätte bedeutet, dass wir geradewegs in die falsche Richtung marschiert waren! Zurück auf Dacia zu! Ja, und so war es dann auch. Irgendwie hatten wir ohne die Orientierungshilfe der Sonne, die ausgerechnet heute hinter dicken Wolken verborgen blieb, im Wald nicht bemerkt, dass der Weg, dem wir folgten, sich allmählich wieder Richtung Heimat wendete.
Tja, nun standen wir da, etwas niedergeschlagen, zutiefst verstört über diesen Irrtum und beratschlagten was wir tun sollten. Wäre plötzlich Dacia vor uns aufgetaucht, wäre ich vor lauter Wut und Enttäuschung wieder nach Hause gegangen, doch so beschlossen wir weiter zu wandern. Auch wenn wir nicht zu Fuß in Apold ankommen sollten, wir wollten so weit wie möglich laufen. Von hier an lief es dann auch ganz gut, da wir uns von ortskundigen Schäfern den Weg ins jeweils nächste Dorf beschreiben ließen. So stiefelten wir den ganzen Tag über Berg und Tal, zugefrorene Bäche, mal auf Wegen, mal quer über die Weiden. Wir erklommen Hügel auf denen es merklich kälter war und die vertrockneten Grashalme und Disteln mit Eiskristallen überzogen waren. Insgesamt legten wir ungefähr 30 km zurück in denen wir, außer zwei Dörfer zu passieren, nicht wirklich mit der Zivilisation in Berührung kamen.
Freilich waren da noch die Schafherden… und verlassene Stinas. Eigentlich ein sehr idyllischer Anblick, die hellen Wollknäule, die über die braungrünen, steppenartigen Weiden ziehen, Silhouetten der Schäfer irgendwo und leise dringt das Gebimmel der Glöckchen zu uns…Doch dann taucht auf der Hügelkuppe plötzlich ein Hirtenhund auf, nicht zu verkennen mit dem vom Hals baumelnden Stöckchen – und schon ist es vorbei mit der malerischen Idylle. Das Bellen klingt bedrohlich in unseren Ohren, Adrenalinschübe wallen durch meinen Körper und lassen ihn anspannen, jede Sehne, obwohl ich eigentlich keine Angst vor Hunden habe. Man ist irgendwie in der ungewohnten Position der unterlegenen Beute, weiß aber, dass man bloß nicht fliehen darf! Wir können nie einschätzen, ob es sich um erzogene, oder wahllos aggressive Hunde handelt. Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt dem böse knurrenden, zähnefletschenden Leithund, der immer näher kommt, nun gefolgt von seinen 5 oder 6 „Kollegen“. Äußerlich Ruhe bewahrend, versuchend den Herzschlag zu zügeln und mit sanften Stimmen auf die Hunde einzureden, bewegen wir uns weg von der Herde, um den Hunden zu signalisieren: „Wir interessieren uns nicht die Bohne für Eure dämlichen Schafe!!! Sehen wir vielleicht aus wie Bären oder Wölfe, oder hungrige Rumänen, die sich gern ein Schaf zum Abend braten würden?!“ Sie scheinen es langsam zu kapieren, auch wenn einige heftige Stockbewegungen diese Botschaft unterstreichen müssen.
Vier solcher Zwischenfälle, mal weniger, mal mehr bedrohlich, säumen unsere Wanderung, die in dem Dorf Retis, 10 km vor Apold endet, da bereits die Dunkelheit einbricht. Wir haben außerdem schon ziemlich schmerzende Füße und nehmen gern den Luxus eines Taxis in Anspruch, das kurioserweise durch dieses abgelegene Örtchen fährt.
Dies war also mein Abenteuer zum Abschluss des Jahres.

Mit dem 1. Januar hat dann mein letzter Monat hier in Rumänien begonnen. In nicht mal 4 Wochen reise ich ab. Es ist mir glücklicherweise schon bewusst und ich setze mich eigentlich täglich damit auseinander, sodass ich hoffe gut mit dem Abschied klarzukommen.
Wie schon im letzten Monatsbericht muss ich wieder sagen, dass es mich nicht zurückzieht. Ich könnte ja auch schon vor lauter Vorfreude kaum Schlaf finden, auf duschen, auf riesige Supermärkte um die Ecke, Busse und Straßenbahnen, eine Waschmaschine und wenn ich Durst hab, brauch ich nur den Kopf unter den Hahn zu halten. Aber so ist es nicht.
Jeder, der hier mal längere Zeit gewohnt hat, wird wissen wovon ich spreche. Man verzichtet gerne auf etwas Bequemlichkeit, wenn man dafür der Ordnung und Sauberkeit, Pingeligkeit und blassen Sterilität deutscher Städte und teilweise auch der Menschen, entkommen kann. Nach meinen Beschreibungen sollte Euch klar sein, dass ich damit nicht die rumänische Gesellschaft loben will, oder die Lebensumstände der Menschen hier beschönigen. Aber für mich ist das Leben in diesem rumänischen Dorf echter, natürlicher und näher an der harten Wirklichkeit, als jenes was ich bisher kannte.

Naja, und wenn’s am schönsten ist soll man ja bekanntlich aufhören. Deshalb muss ich mich damit abfinden, dass ich eben nur begonnen haben werde, die rumänische Sprache zu verinnerlichen, Dorfkontakte zu knüpfen, mir rumänische Gewohnheiten anzueignen. Immerhin war ich zweimal auf dem Ball hier im Saal und habe ein bisschen rumänisch Tanzen gelernt J

Von der Arbeit muss ich mich auch langsam verabschieden. Ich möchte jede von uns betreute Familie noch einmal besuchen, bevor ich abreise. Leider gibt es für mich noch keine NachfolgerIn, und Tina wird so eine Weile alleine weitermachen müssen. Dafür gibt es jetzt wieder Unterstützung in Brasov, die neue rumänische Koordinatorin, die uns besonders bei Amtsangelegenheiten eine große Hilfe sein wird.

Da ja in einigen Tagen schon mein Abschlussbericht ansteht, werde ich es hierbei belassen und dann etwas mehr von der Arbeit berichten.

Bis dann…

Nicht zu vergleichen natürlich mit dem Nürnberger Christkindlesmarkt!…

Ein Bericht von Cordula Binder / Dezember 2006

Jetzt ist bald Weihnachten, aber weder ich, noch meine Umgebung sind so richtig in Weihnachtsstimmung… Es ist viel zu warm draußen, heute regnet es sogar und ich hab meine Hoffnung auf weiße Weihnacht schon fast aufgegeben. Dankbar bin ich, dem Weihnachtsstress, der in Deutschland in dieser Zeit immer herrscht, fern zu sein. In den Städten kann man schon etwas davon spüren, z.B. in Brasov oder Tirgu Mures wo ich in den letzten Tagen war. Es gibt viele Lichterketten, Weihnachtsbäume und in Brasov sogar Buden mit Glühwein und frischen Krapfen neben unerträglich lauter schlechter Chart-Musik. Nicht zu vergleichen natürlich mit dem Nürnberger Christkindlesmarkt! Dort Glühwein zu trinken und Bratwürschte zu essen vermisse ich schon ein bisschen, aber dafür werde ich hier in Dacia und Rupea nicht mit aufdringlicher Werbung und grell-leuchtendem Kitsch bombardiert. Außerdem gibt es hier alles selbstgemacht! Bratwurst von Bekannten, Fleisch von Elviras Schwein, Sauerkraut, selbstgemachten Schlehenlikör und den Wein, den wir dann auch als Glühwein trinken können. Das Beste sind allerdings die unzähligen Stollen, die wir (Anne, Martin, Sabine, Robert, Tina, Ronni, Anne und ich) vor ein paar Wochen in Viscri im Holzbackofen fabriziert haben. Nach der Stollenverkostung am 3. Advent, können wir uns alle loben, denn die Steiner und die Familie Bing haben sich als Original-Dresdner-Stollenbäcker mehr als bewährt.
Mmh…, war das lecker!

Gerade war ich mit Anne und Martin beim „Serbare“, der Weihnachtsabschlussveranstaltung aller Schulkinder. Es gab Gesang, Gedichte und eine Art gespielte Weihnachtsgeschichte. Alle Kinder waren herausgeputzt, einige sogar in Trachten und mit Schärpe in den rumänischen Nationalfarben. Wichtig war, dass jedes Kind etwas alleine vorträgt, selbst wenn die Doamna Invatatoare vorsagen muss. Naja, man hätte mehr daraus machen können, ein bisschen musikalische Untermalung, mehr Lockerheit und Kreativität. Aber hier spiegeln sich eben auch wichtige Prinzipien des Schulsystems wider. Viel auswendig lernen und Anweisungen befolgen.
Dafür fand ich die Weihnachtslieder angenehm dynamisch. Schneller und lauter, als wir unsere besinnliche, zarte Weihnachtsmusik gewohnt sind.
Hier in Dacia soll es an den Feiertagen auch einen Weihnachtsball geben im Festsaal. Wahrscheinlich mit reichlich Rakiu, Tuica und Bier, aber das werde ich mir nicht entgehen lassen. Einmal die Dacianer ausgelassen tanzen zu sehen, kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen, aber ich glaube, das kann sehr lustig werden…

Auch sonst freue ich mich auf Weihnachten, ein paar freie Tage. Zum ersten Mal ein Fest ohne Familie, aber ich glaube das werden sie mir verzeihen…J Einsam werde ich bestimmt nicht sein, da sich vorne im Begegnungshaus ein schönes Heiligabend-Festessen zubereiten lässt…

So langsam denke ich auch an den Abschluss meines Praktikums hier. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr, denn der Monat nach Weihnachten wird rasend schnell vorüber gehen. Noch zieht es mich nicht nach Deutschland zurück, in meinen Fh-Alltag, dazu bin ich zu gerne an dieser Arbeit. Ich bin an einem Prozess, einer Entwicklung beteiligt, die nach meinem Praktikum hier noch weitergehen wird und es ist deshalb seltsam, Dinge zu planen, an denen ich gar nicht mehr beteiligt sein werde. Sicher werde ich den Fortgang des Projektes auch aus D weiter verfolgen, aber ich werde eben kein Teil mehr davon sein.
Jetzt vor den Feiertagen haben wir noch einiges geschafft. Wir haben noch eine neue Familie in Dacia besucht, deren Junge eine geistige Behinderung hat. Es war wieder ein angenehmer erster Besuch, die Mutter freute sich aufrichtig und war sehr offen war. Wir werden ihnen dabei behilflich sein, das Zertifikat für den Jungen und darauf folgend, die Behindertenrente zu bekommen. Auf dem Heimweg mischte sich zu dem positiven Eindruck, dass der Junge immerhin in der Familie gut aufgehoben schien, zum wiederholten Mal dieses negative, frustrierende Gefühl. Dieser Junge im Alter von 14 Jahren könnte so wunderbar gefördert werden, gäbe es nur einen Ort dafür. Schon desöfteren mussten wir feststellen, dass es in der Gegend um Rupea genügend Kinder und Jugendliche gäbe, die in einer besonderen Förderschule (wie es in Deutschland selbstverständlich wäre) gut aufgehoben wären und durchaus ihre Fähigkeiten anwenden und verbessern könnten. Doch so besuchen sie keine Schule, verbringen die Zeit zu Hause und werden so kaum darauf vorbereitet ein eigenständiges Leben zu führen. Selbst wenn sie mit Training und den entsprechenden Fördermöglichkeiten dazu in der Lage wären.
Das ist immer wieder schade festzustellen, wie gut so eine Förderschule nach Rupea passen würde. Wer weiß, vielleicht tut sich ja mal etwas, angeregt durch die Arbeit des Projektes und im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt?…

Unsere Hoffnung, die Beratungsstelle noch vor Weihnachten eröffnen zu können hat sich nun doch nicht erfüllt. Aber auch hier sind wir optimistisch, da wir ab Januar mit einem der Sozialarbeiter aus der Primaria Rupea zusammen daran arbeiten wollen, eine geeignete Räumlichkeit zu finden. Es wäre schon genial gemeinsam mit der Verwaltung auf gesetzliche Verpflichtungen zu pochen und somit Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen.
Mal sehen was das neue Jahr so bringt.

So, und nun wünsch ich Euch allen noch Frohe Weihnachten, schöne erholsame Feiertage und ein gesundes neues Jahr!

Der goldene Oktober – Halbzeit….

Ein Bericht von Cordula Binder / Oktober 2006

Heute Morgen war das Gras im Hof zum ersten Mal mit Rauhreif bedeckt. Die bewaldeten Hänge färben sich langsam bunt und die Herbstfrüchte beginnen zu reifen. Es wird also Zeit für die Weinernte… Die Auswahl der ‚piata’ in Rupea ändert sich, doch ebenso farbenfroh ist das Spektrum. Es gibt jetzt auch so Sachen, wie Rote Beete und bald wahrscheinlich Kürbisse.Wir werden die Früchte des Sommers für den Winter auf die hier übliche Art konservieren: Gurken und Kraut einlegen, gemischtes Gemüse, Sakuska haben Anne und ich schon gemacht und das Obst ist zu Marmelade oder Gelee verarbeitet. Abends muss ich jetzt heizen, um noch sitzen und arbeiten oder lesen zu können. Kerzen machen’s gemütlicher und wärmer. In Viscri wird’ ich mich noch mit Wollsachen eindecken, denn ich habe bewusst auf Schal, Mütze und Handschuhe aus meinem Kleiderschrank in D verzichtet, um die Vorzüge der hiesigen Schafwolle und Handarbeit zu genießen und somit auch die Leute zu unterstützen. Noch aber wärmt die Sonne tagsüber ganz gut, ich hoffe sehr, dass das bis November anhält.

Vor zwei Wochen habe ich einen ersten Herbststreifzug auf die Hügel hinter Dacia unternommen. Erst durch den Wald, der hier abwechslungsreich ist. Mal hell und mit Gras bedecktem Boden, dann dunkel, weil das dichte Blätterdach kaum Licht durchlässt. Es gibt viele Eichen, was ich ganz gern mag. Man kann auf dem Hügelkamm ziemlich parallel zur Straße Richtung Reps laufen und absolute Stille genießen – oder in ihr nach Geräuschen lauschen, die sich nach Hunden oder anderen imaginäre Gefahren anhören. Sobald man den Wald verlässt, überquert man abgeweidete Grassteppe, hügelig und mit Hecken, toten Bäumen und Tümpeln besetzt. Kurz nach Aufbruch zu meinem Spaziergang habe ich mich auf Grund der garstigen Geschichten über Hirtenhunde und meines doch schneller pochenden Herzens bewaffnet. Der kleine handliche Stock wuchs dann zu einem stattlichen Knüppel heran, den ich in Gedanken schon mit verschiedenen Techniken gegen die vielleicht hinter der nächsten Kuppe auftauchenden, zähnefletschenden Bestien schwang…
Die Tatsache, dass man sich bei diesen Hunden nie sicher sein kann, trübt die Schönheit der Landschaft leider etwas, aber es war trotzdem ein schöner Ausflug.

Mein Aufenthalt hier ist schon bald zur Hälfte rum, denn ich bin vor zweieinhalb Monaten angekommen. Ganz schön erschreckend irgendwie. Einerseits ist die Zeit so schnell vergangen, dass ich mich manchmal frage, was ich hier eigentlich die ganze Zeit gemacht hab. Andererseits ist viel passiert, ich hab Menschen kennengelernt, die Gegend und einige Ortschaften ein bisschen erkundet. Die Tage waren gefüllt mit Arbeit und Spaß, sodass mir nie langweilig war und ich auch die Zeit für mich allein sehr genießen konnte. Obwohl ich ja in D noch die Befürchtung hatte, unter dem ruhigen und einsamen Dorfleben etwas zu leiden… na ja, so kann man sich täuschen.
Langsam komm ich hier an, als Teil des Dorfes. Es wird immer selbstverständlicher die Straßen langzugehen, Wasser zu holen, im magazin einzukaufen. Auf dem Freitagsmarkt in Rupea treffe ich schon bekannte Gesichter aus Dacia, die mich grüßen. Letztens hat sich sogar einen witzigen Vorfall Kontakt zu meinen Nachbarinnen ergeben:
Eines Morgens befand sich ein weißes, aufgeregt gackerndes Huhn auf meinem Hof, das die kleinen Welpen als Eindringling empfanden und wie verrückt anbellten. Zunächst hoffte ich, es würde von selbst wieder den Weg finden, den es gekommen war, doch das tat es nicht. Also traute ich mich dann irgendwann – von Franks Rat ermutigt – zur Doamna Vecina und fragte sie, ob sie ein Huhn vermisse. (Die Wörter musste ich natürlich erst nachschlagen)
Die meinte dann aber, es sei nicht von ihr und ich solle die nächste Nachbarin fragen. Also betrat ich zum ersten Mal auch deren Hof. Wie sich heraus stellte, war ihr das Huhn entwischt, wie wusste sie nicht, aber sie kam dann rüber, um es einzufangen. Ich glaube beide Frauen fanden es gut, dass ich Initiative gezeigt und sie gefragt habe, statt das Huhn einfach bei mir zu lassen. Aber auf das Gegacker konnte ich ohnehin gut verzichten.

Unser Projektteam ist jetzt wieder voll (…) besetzt, also mit Tina und mir. Und wir haben gleich schon mit Besuchen und der Konzeption der Beratungsstelle losgelegt.
Dabei hat sich eine Situation ergeben, die es verdient hier näher beschrieben zu werden.
Wir fuhren mit einer Klientin zur Primarie nach Jibert, um dort die ersten Schritte ihrer Ummeldung zu erledigen. Wir hatten uns vorher sowohl dort, als auch in Rupea erkundigt, wie diese Angelegenheit geregelt wird. Schon dabei mussten wir feststellen, dass 2 Primarien dazu erstmal auch 2 Meinungen hatten. Der letzte gesicherte Stand war jedoch, dass in Jibert die Polizei dafür zuständig ist, also suchten wir an einem Donnerstag Vormittag, so gegen halb elf, den diensthabenden Polizisten in seinem Büro. Doch die Tür war verschlossen. Als wir in einem anderen Büro nachfragten, sagten sie, wir sollte doch bei ihm zu Hause nachsehen. Falls das Polizeiauto vor dem Haus stünde, wäre er dort, falls nicht, wahrscheinlich nach Rupea gefahren. Also machten wir zu dritt einen kleinen Spaziergang zu dem Haus des Polizisten, vor dem wir tatsächlich das Auto vorfanden, er jedoch war nicht zu Hause. Nachbarn gaben uns dann den Tip, er sei bestimmt einen Kaffee trinken, im Bufett visavi der Primarie – Treffer! Netterweise fühlte er sich nicht in seiner Pause gestört, sondern ging dann mit uns rüber, nachdem er mitten auf der Straße erstmal sehr interessierte Fragen gestellt hatte, wie „Wer ist das?“ – über die Klientin, „Wo ist der Ausweis?“.
Natürlich wollte er nicht dafür zuständig sein und musste sich selbst noch einmal per Telefon vergewissern, wie so ein bürokratischer Akt von statten geht. Er wurde jedoch sehr geschäftig und tat sein Bestes, zusammen mit allen anderen in dem Bürgermeisteramt. Dies soll kurz skizziert werden: es gibt 5 Tische, ein Fax, ein Telefon, einen PC sogar mit Flachbildschirm und einen Kopierer. Eine Doppelflügeltür führt noch mal in ein kleineres Zimmer mit einem Schreibtisch, auf dem sich eine ziemlich alte Schreibmaschine und ein Telefon befinden. Im ganzen Büro wird geraucht, die Luft war also entsprechend. Ca. 5 Menschen, die dort arbeiteten, hielten sich mehr oder weniger zeitgleich dort auf, teilweise noch andere Bürger mit Anliegen. Von Diskretion konnte keine Rede sein. Es gab jeder ein bisschen seinen Senf dazu, man ward auch sehr neugierig gemustert. Warum kommt denn eine offensichtlich rumänische Frau mit zwei offensichtlich nicht rumänischen Frauen in so eine „Amtsstube“?
Plötzlich war eine Angestellte der festen Überzeugung, dass der Besitzer des Hauses, in dem unsere Klientin zur Miete wohnt und dies auch mit einer notariell beglaubigten Urkunde samt den obligatorischen Stempeln und Signaturen bestätigen konnte, erst kürzlich sein Haus verkauft hätte.
Nicht einmal der Eintrag im Grundbuch inklusive des Kaufvertrags konnten sie ernsthaft vom Gegenteil überzeugen. Doch es blieb ihr ja nichts anderes übrig…
Und so kam unsere Klientin nach langem hin und her zu dem ersten wichtigen Dokument, welches sie berechtigt, in Rupea ihren neuen Ausweis zu beantragen. Ein erster Schritt von vielen, zu einem offiziellen neuen Wohnsitz. Und dann kommen noch die Kinder…
Erwähnenswert ist noch, dass sämtliche Akten, die über diese Familie am alten Wohnsitz existierten, wie das Dossar für Sozialhilfe, nicht einfach weitergeleitet werden, sondern ganz neu beantragt werden müssen. Und ausgerechnet hier, wo Stempel und Bestätigungen so wichtig und gefragt sind, muss man bei der Beantragung eines neuen Ausweises seinen alten abgeben und erhält nicht mal einen vorläufigen Ersatz. Man läuft also bestimmt 2 Wochen ohne Papiere umher und wenn bspw. die Polizei fragt, soll man einfach sagen, der neue ist in Arbeit. Naja…
Ehrlich, bei so viel Rennerei auf Grund nicht einheitlicher Information, wenn sogar die Beamten selbst in Verwirrung geraten, weil alles auf mündlicher Überlieferung basiert, die man doch ganz leicht in ein hilfreiches Handblatt fassen könnte. Der einfache Bürger kommt noch zurecht, sozial schwache Menschen mit wenig Erfahrung in solchen Angelegenheiten jedoch, die vielleicht ein schwaches Rückgrat haben, sich einschüchtern lassen oder einfach nicht so viel Geld haben sich diese Wege zu leisten, diese Menschen werden leichter aufgeben. Und in nicht wenigen Fällen wird dies, so fürchte ich, ein unüberwindbares Hindernis darstellen auf dem Weg zu benötigtem und berechtigtem Geld. Was den Primarien wiederum auch ganz recht sein wird, da das Budget ja nicht mal für die beantragten Gelder reicht…

So, um den Bericht jetzt nicht in so einer pessimistischen Stimmung enden zu lassen füge ich noch rasch hinzu, dass es mir immer noch gut geht und ich mich trotz der langsam ankriechenden Kälte auf den Winter freue. Auf noch drei produktive Wintermonate, in denen hoffentlich die Beratungsstelle eröffnet wird(?) und wir uns bemühen alle potentiellen Klienten aus dem Kerngebiet zu erreichen.

…nehmt uns nicht auf mit dieser diebischen und korrupten Regierung!“

Ein Bericht von Cordula Binder / September 2006

Heute ist schon der 18. September, ich bin also schon seit 7 Wochen hier in Dacia. Der Grund für die kleine Verspätung meines zweiten Monatsberichtes, war ein unglaubliches und überraschendes Angebot von Gabi und Steffen für Anne und mich: ein Kurztrip ans Schwarze Meer!
auf diesem Weg noch mal multumesc foarte mult für diese schöne und interessante Rundreise! –
Rumänien hat zwar für uns nicht immer seine Schokoladenseite präsentiert, aber dafür sein wahres Gesicht. Viele Leute versuchen eben aus jeder Gelegenheit noch etwas mehr herauszuschlagen, besonders in der Gastronomie: da öffnet man eben sein Restaurant, auch wenn die Speisekammer so gut wie leer ist, denn mit doppelten Portionen und ein bisschen unauffälligem Preisaufschlag lohnt sich das schon . . .
Dazu passten auch die Transparente gegenüber dem Ceausescu-Palast, von denen einige den Spruch trugen: „Europa, nehmt uns nicht auf mit dieser diebischen und korrupten Regierung!“. Andere erinnerten an die Revolution vor 16 Jahren, oder riefen „Rumänien wach auf!“. Diese Schriftzüge haben mich ziemlich berührt, besonders vor der Kulisse des monströsen und irrsinnig überdimensionierten Parlamentsgebäudes. Denn sonst bin ich noch nicht sehr mit politischen Äußerungen oder Gedanken konfrontiert worden. Einige Rumänen meinten, dass es zu Ceausescu-Zeiten besser war, sie haben sich sicherer gefühlt, andere loben die Zeit unter König Mihai. Das kann ich nicht wirklich beurteilen und ist natürlich Ansichtssache, aber dass die Welt hier oft nicht in Ordnung ist, liegt bestimmt nicht nur an den Bürgern. Man versucht einfach mit aller Macht, aber eben sehr hastig, westeuropäischen oder am besten amerikanischen Standard zu erreichen. Ein Synonym für diesen übereilten Fortschritt, der bedauerlicherweise unsere Fehler (auch Ansichtssache) großteils wiederholen wird, stellen für mich die riesigen Werbeplakate dar, mit denen die Straßen gesäumt sind und ganze Häuser verhängt.
Sie wirken mit beeindruckender Wucht, locken in gigantische Einkaufszentren und Großmärkte, um den Konsum anzutreiben. Auch die vielen Baustellen bezeugen das rasche Streben nach mehr in Menge und Größe. Naja, warten wir’s ab, genug Politik.

Landschaftlich war die Fahrt ein echter Traum! Erst durch die Berge, dann Flachland, das Donaudelta (das bestimmt sehr schön ist, dessen Besichtigung per Boot aber unsere Reisekasse gesprengt hätte) und schließlich das Meer. Rumänien hat wirklich von allem etwas zu bieten. Spannend waren auch die vielen Dörfer und Städte, die wir passierten, da sie auch bei flüchtiger Betrachtung etwas vom Leben ihrer Bewohner erzählen konnten.

Schön war auch, dass sich bei dem Gedanken an Dacia und Michas Hof, ein Gefühl von Zuhause einstellte, besonders bei dem Gedanken an die freudige Begrüßung durch Charla und ihren kleinen Welpen.
Seit 2 Wochen wohne ich nämlich alleine in der Nummer 303, zusammen mit den Hunden und wahrscheinlich ein paar Mäusen J. Ich bin also nicht wirklich allein und ich fühle mich sehr wohl so. Denn Gesellschaft finde ich ja gleich gegenüber auf Franks Hof und habe trotzdem meinen Rückzugsraum. Somit habe ich auch die Aufgabe übernommen für den Hof und die Hunde zu sorgen, was ich gut finde, da mein Verantwortungsbewusstsein gefordert wird.

Auch was die Projektarbeit betrifft, bin ich im Moment ziemlich auf mich allein gestellt, da Ricarda und Alex seit 2 Wochen nicht mehr da sind und Tina den September über in Deutschland verbringt.
Das alleine arbeiten an sich stört mich nicht so sehr, doch das Problem ist, dass ich alleine einfach nicht so viel auf die Reihe kriege. Ein Hindernis ist auf jeden Fall die Sprache, da ich zwar schon viel verstehe, aber mein Wortschatz zu klein ist, um ein richtiges Gespräch führen zu können, das nicht nur vom nötigsten handelt.
Jetzt ärgert es mich richtig, dass nicht noch in Deutschland mehr gelernt hab, doch das nützt jetzt auch nichts mehr, muss ich halt hier schneller sein und einige Fortschritte hab ich schon gemacht.
Die Besuche und Gespräche, die ich bisher alleine geführt habe, waren immer ein kleines Abenteuer. Ob ich das nun wirklich verstanden habe? Lieber noch mal wiederholen lassen. Und wie kann ich mit meinen wenigen rumänischen Worten, mein Anliegen klarmachen? Aber es hat bisher immer irgendwie funktioniert, sogar per Telefon.
Ein anderer Punkt ist, dass ich noch nicht viel Praxiserfahrung habe, besonders nicht unter den hiesigen Umständen. Die Arbeit zu viert fand ich sehr produktiv und angenehm. Wir konnten uns gut austauschen und ergänzen, so dass mir diese Phase jetzt wie Stillstand erscheint, obwohl ich die wichtigen Sachen auf jeden Fall erledige. Und die Theorie zur Praxis (Fachliteratur, Internetrecherchen etc.)ist ebenso wichtig, nur sieht man deren Ergebnisse eben nur indirekt.

Nun ein bisschen zum Spätsommer und seinen Früchten . . .
Anne und ich haben schon aus selbstgepflückten Zwetschgen, Pflaumen und Mirabellen Marmelade gemacht! Mmh, lecker! Von Anne gab’s dann noch Holundergelee und regelmäßig Apfelmus. Der Pfarrgarten gibt da einiges her (wenn man sich beeilt…). Der Wein auf Michas Hof ist auch bald reif und duftet schon, wenn man drunter sitzt.
Wir haben auch schon 2 Lagerfeuer gemacht mit dem abgesägten Gestrüpp aus dem Pfarrgarten. Es gab Feurkartoffeln, mal ohne Alufolie und dann doch lieber mit, geröstetes Brot und die guten Cabanossi am Stock gegrillt. Da mussten wir nur noch versuchen, unseren Festschmaus gegen schnorrende Hunde und Katzen zu verteidigen…

Mit dem Wetter haben wir echt Glück und tagsüber sind sommerliche Temperaturen und viel Sonne. Für anstrengende Arbeiten, wie Bäume im Pfarrgarten mit 2 mickrigen Sägen fällen, den Abwassergraben wieder abflussfähig machen, oder Franks Hof von Unkraut befreien, sogar manchmal zu viel.
Aber ich beschwere mich nicht, denn es ist sehr praktisch, wenn man Dinge wie Wäsche waschen, sich waschen oder abspülen immer noch draußen erledigen kann. Das wird wohl bald vorbei sein und ich werde zum ersten Mal den Kachelofen anwerfen müssen. Ein bisschen freu ich mich schon auf ein knisterndes wärmendes Feuer in der Stube.

Ob ich die immer gut warm krieg, dann im nächsten Bericht.
Bis dahin ist auch Tina wieder da, Anne und ich haben hoffentlich Sakuska gemacht und vielleicht krieg ich das mit dem Wein ja irgendwie hin…

…eine Art Auszeit von den ganzen Reizen des deutschen Großstadtlebens

Ein Bericht von Cordula Binder / August 2006

Dies ist mein erster Monatsbericht, obwohl ich erst 2 Wochen da bin. Aber ich hätte trotzdem schon eine Menge zu erzählen, sodass ich erstmal einschränken muss, was sowohl für mich, als auch für Euch Leser von Bedeutung sein könnte.

Vielleicht erstmal eine kleine Vorstellung:
Ich bin Cordula, 24, komme eigentlich aus Nürnberg und leb’ seit 4 Jahren in Potsdam, wo ich mittlerweile Soziale Arbeit studiere. Das kommende Wintersemester ist mein Praxissemester und aus diesem Grund befinde ich mich nun hier in Dacia, um bei dem Projekt „Gemeinsam lernen – würdevoll miteinander das Leben gestalten“ ein 6monatiges Praktikum zu machen.

Warum ich ausgerechnet nach Rumänien gekommen bin, hat zwei Hauptgründe. Einer davon ist, dass meine Familie ursprünglich aus Siebenbürgen kommt, zufälligerweise sogar aus der Gegend um Rupea, und ich mir damit einen lang gehegten Wunsch erfülle, auch einmal in diesem Land zu leben. So kann ich Erzählungen mit konkreten Bildern und eigenen Erfahrungen verbinden und die rumänische Sprache lernen.

Der andere Grund ist, dass Rumänien ein Land ist, in dem es wirklich was zu tun gibt. Das mit seinem Gesundheits- und Sozialwesen teilweise weit hinter dem aus Deutschland gewohnten Standard zurückliegt, in dem die Einstellungen der Gesellschaft zu menschlichem Leben, zu Fragen der Erziehung, zum Umgang mit Minderheiten mitunter sehr gewöhnungsbedürftig sind, oder so, dass man sich eigentlich nie dran gewöhnen dürfte.

Da habe ich für mich entschieden, auf den fachlichen Fortschritt im Arbeitsfeld zu verzichten, den ich bei einem Praktikum in Deutschland gehabt hätte, und lieber meine Energie, Neugier und mein Wissen in dieses Projekt zu stecken und hoffe nun, dass es klappt, hiermit die betroffenen Menschen und die gesellschaftlichen Strukturen vor Ort ein Stück voran zu bringen.

Das Abenteuer auf das ich mich da eingelassen habe, wird mir unter Garantie einige „Lerneffekte“, wie Frank zu sagen pflegt, bieten. Seit einer Woche wohne ich im renovierten Pfarrhaus, das auch schon seine ersten Gäste beherbergt hat, und genieße den Luxus eines anständigen Bades. Vorher musste ich mich irgendwie mit Brunnenwasser, Eimer und Blechtasse arrangieren, was bei sonnigem, warmem Sommerwetter draußen ja ganz angenehm ist, doch ich bleibe nun mal bis Ende Januar und da muss ich wohl noch ne andere Methode finden bis dahin. Denn das Praktikantenzimmer im Pfarrhaus nur vorübergehend mein zu Hause, außerdem würden die Leitungen eh einfrieren bei zu erwartenden -20 Grad…

Ich würde sagen, dass das Leben hier generell anstrengender ist, und alltägliche Tätigkeiten, wie Waschen, Kochen mehr Zeit in Anspruch nehmen, als gewohnt. Das liegt nicht nur an Rumänien, das natürlich nicht allen westlichen Komfort zu bieten hat, sondern auch an der großen Kluft zwischen städtischem und ländlichem Lebensraum. Auf dem Dorf muss man beim Lebensstandard teilweise noch Jahrzehnte abziehen und fragt sich dann manchmal immer noch, warum gewisse Dinge nicht einfach verbessert, repariert, optimiert werden.

Nur als kleines Beispiel: Gefällt es den Rumänen etwa in ihren Dacien umhergebeutelt zu werden und 1x pro Woche zur Vulcanizare (Reifenflicker) zu müssen? In dieser Gegend gibt es haufenweise Schotter, aber keiner ist in der Lage die Straßenkrater damit auch nur provisorisch aufzufüllen. Da braucht man für 10 km schon mal eine ¾ Stunde. Also Zeit mitbringen und Geduld.

Das hat natürlich auch sehr viel Charme. Gerade das Provisorische und Urige macht das Leben hier in dieser Gegend, in dieser wunderschönen Wald-Wiesen-Hügellandschaft sehr idyllisch. Die Pferdewägen, die vielen Tiere, diese gewisse Gemächlichkeit. All das ist ideal für einen Sommerurlaub, jedoch für das tägliche harte Leben der Dorfbewohner bedeutet das zusätzliche Anstrengungen und Zeitverluste.

Mich stört das aber nicht, noch nicht zumindest. Natürlich ist es schade, dass dadurch auch für unsere Vereins- und Projektarbeit bestimmte Dinge viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen, doch das lässt sich momentan nicht so leicht ändern. Und mein Aufenthalt ist begrenzt, für mich ist das so eine Art Auszeit von den ganzen Reizen des deutschen Großstadtlebens.

Hinzu kommt, dass ich hier wunderbar aufgehoben bin in einer Gemeinschaft von Menschen, bei denen ich mich wohl fühlen kann.
Ricarda und Alex auf dem einen Hof, die mich zusammen mit Tina in die Projektarbeit einführen und mich den Rest der Zeit mit ihrem wahnsinnig niveauvollen Humor so zum Lachen bringen, dass ich mich fast in Tränen auflöse…, allerdings meistens auf meine Kosten.

Auf dem anderen Hof sind Frank und Rica, die meistens ziemlich beschäftigt sind, z.B. mit rumänischen Ämtern und Sägewerken, oder mit der kleinen Cora; Anne, vor der ich echt den Hut ziehe, weil sie ne ganze Pizza in Sighisoara geschafft hat J und weil sie so alt ist wie mein kleiner Bruder, aber wohl um einiges reifer, und hier ganz schön zu tun hat; und natürlich die liebe Elvira mit ihren Kindern, die noch mal eine ganz andere Atmosphäre auf den Hof bringen. Und obwohl es da manchmal Komplikationen gibt, empfinde ich das Leben mit ihnen, besonders auch die Kommunikation mit den taubstummen Mädchen als Bereicherung und mag die Familie sehr gern.

Dann gibt’s ja noch Gäste von Zeit zu Zeit, grad ist Micha da, (der z.B. diese Berichte ins Netz stellt und für sein Alter ganz schön frech ist!), mit seiner Familie, das Pfarrhaus ist voll mit deutschen und rumänischen Jugendlichen. Immer was los also, obwohl hier ja eigentlich sonst nix los ist.
Der einzige Nachteil ist, dass ich nicht gezwungen bin Rumänisch zu sprechen und mir deshalb meine Sprachfortschritte zu langsam gehen.

Ab Ende Oktober spätestens wird das jedoch besser, da die deutschen Sommersteiner und Praktikanten dann wohl alle abgereist sind…

Aber bis dahin wird sich noch einiges tun und ein paar der Geschichten gibt’s nächsten Monat.