Anne Pattoka, Praktikantin

im Projekt für Menschen mit Behinderung/ Beratungstelle Rupea

November 2007

So ein Monatsbericht ist schon eine tolle Sache… fuer euch ist er vielleicht interessant zu lesen und fuer mich ist er gut um meine Zeit hier zu reflektieren…
Also los gehts…

In den letzten Wochen habe ich viel Zeit in meinen Ausbildungsplan investiert. Das Studium schreibt einen solchen vor. Man soll sich Ziele fuer die Zeit seines Praktikums stecken… und ich habe mir vier Ziele gesteckt. Ich hatte angenommen, dass ich die quasi so nebenbei erfuelle, aber es steckt schon mehr dahinter… Seinen Zielen Stueck fuer Stueck naeher zu kommen und das Ende des Tunnels zu sehen ist schon klasse…

Ansonsten verbringen meine Mentorin, Ramona, und ich die Zeit damit, Klientenbesuche vorzubereiten. Das ist naemlich unser Ziel fuer die naechsten Wochen. Einen Klienten haben wir bereits zusammen besucht. Ich muss sagen, dass mir das schon sehr gefehlt hat, da ich mit Tina, meiner ehemaligen Kollegin, viele Hausbesuche gemacht habe. Das ist eine sehr abwechslungsreiche Sache, denn jeder Mensch ist anders, lebt anders und empfindet seine Behinderung anders. Es ist schon sehr wichtig, das direkte Umfeld der Klienten kennenzulernen, um sich ihnen besser naehern zu koennen, um ihren Bedarf besser ermitteln zu koennen. Denn es gibt einige, die zu uns kommen, weil sie von un Geld oder etwas kostenloses wollen, wie Medikamente oder Kleidung… Das ist aber nicht unser Ziel. Denn nur mit Hilfe zur Selbsthilfe, also dem Klienten helfen es selbst zu tun, kann man wirklich laengerfristig etwas erreichen.

Und weil ja meistens alles anders kommt als gedacht, ist uns einiges dazwischen gekommen, was wiederum Zeit frisst, so dass die Sache mit den Hausbesuchen immer wieder vertagt werden muss. Das sind Probleme mit dem Geld fuer das Auto, oder eine Klientin die derzeit haeufiger unsere Hilfe braucht oder das Problem mit der Buerokratie und so weiter…

Montags geh ich seit letzter Woche zwei Seminare in der Universitaet in Brasov besuchen. Auf Rumaenisch! Das eine beschaeftigt sich ausschliesslich mit Menschen mit Behinderung und das andere mit Techniken eines Sozialarbeiters. Ich habe zum Glueck eine Rumaenin kennen gelernt, die so lieb ist und mir alles uebersetzt. Sehr interessant, was die so lernen. Ich soll auch in geraumer Zeit einen Vortrag halten… Das darf ich auf Englisch machen… Es ist schoen sich montags wieder wie eine Studentin fuehlen zu duerfen und an einer Uni zu sein. Manchmal vermisse ich das Stadtleben schon ein bisschen… Aber selten…

Letzte Woche Freitag sass ich ganz allein hier, in der Beratungsstelle. Ramona und ich haben eine Woche lang meine erste eigene Beratung vorbereitet. Eine Nacht vorher konnte ich ueberhaupt nicht schlafen, weil ich so aufgeregt war. Denn ich beherrsche die Sprache zwar schon viel besser, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich heraushoeren kann, was der Klient benoetigt. Alle Aufregung war umsonst. An diesem Tag kam niemand… Wirklich niemand. Das ist uns zuvor nur einmal passiert! Als haetten die Menschen es geahnt. Aber eigentlich glaube ich, dass Gott damit sagen wollte, dass ich noch nicht ganz soweit bin. ?Alles zu seiner Zeit?, wuerde Frank jetzt vielleicht sagen.

Frank und Rica haben sich Ende Oktober aus Rumaenien verabschiedet. Genau an dem Tag an dem es zu schneien anfing. Seit sie weg sind schneit es oefter. Heute ist nach 6 Tagen Schnee, der erste Tag, an dem es nicht schneit… Die Sonne scheint sogar! Es ist richtig kalt geworden… Obwohl ich fruehs und abends heize, klettert das Termometer derzeit nur auf 10 Grad. Das ist definitiv zu kalt. Meine letzten Gaeste sind aus diesem Grund schnell wieder gegeangen. Als meine lieben Eltern da waren, haben sie mir Fenster und Tueren verdichtet und trotzdem haelt das Haus die Waerme nicht! Ich muss dringend eine Loesung finden, denn ich hab jetzt schon die zweite Erkaeltung (mit Fieber) hinter mir… Und es wird ja noch vel kaelter…

Das letzte Wochenende konnte ich nutzen um mir Cluj anzugucken. Wer hier sein Praktikum macht, sollte die Zeit auf jeden Fall nutzen, um sich etwas anzugucken, das hat mir mein Arzt hier auch geraten… Also bin ich mit 3 Freunden nach Cluj gefahren. Zuerst war es ein kleiner Kulturschock: viele Menschen, viele Lichter, viele Autos, viele Laeden, viel Laerm und alle Moeglichkeiten. Aber dann habe ich die Stadt doch schon sehr genossen. Wir waren tanzen… und spazieren und haben in einem Cafe gesessen und heisse Schokolade getrunken. Und wir hatten so viele schoene Stunden um ueber Gott und die Welt zu reden. Und ih konnte ein Moment den Luxus einer Dusche und einer Heizung geniessen.

Als meine Eltern da waren, hatte ich die Chance in die Karpaten wandern zu gehen. Da ich zu der Zeit frei hatte konnten wir sogar eine Nacht auf der Cabana (Schutzhuette) verbringen. Das war gigantisch. Diese Berge und die Aussicht von dem Gipfel… Einfach traumhaft…

Wenn ich das naechste mal schreibe, wird Weinachten noch vel naeher sein… Weihnachten ist in aller Munde. Es scheint , der einzige Sinn dieser Kaelte hier, liege in Wehnachten. Wir werden mit den Deutschen aus Dacia am ersten Advent wichteln… der ist schon bald! Was ich direkt an Weihnachten mache, das weiss ich jetzt noch nicht. Ich bin von meiner Roma-Freundin eingeladen worden, mit ihr und ihrer Familie das Fest zu verbringen. Aber ich koennte auch mit meinen Freeunnden, mit denen ich in Cluj war feiern. Aber fest steht: ich fahre nicht nach Deutschland, nicht zu meiner lieben Famlie.

Ich wuensche euch allen eine gesegnete Zeit und eine schoene Adventszeit.

Anne

Oktober 2007

Hallo ihr interessierten Leser meines Monatsberichtes…Was ist alles passiert in den letzten vier Wochen… Mmh? Eine ganze Menge!!Also… Nach ueber zwei Wochen Arbeit haben wir einen guten Patz fuer unseren obdachlosen Gheorghe gefunden. Schon die Fahrt dort hin war gesegnet. Von seiner schoensten Seite praesentierte sich Transylvanien! Ein herrlicher Sonnenschein lag auf den sanften Huegeln. Und so kam es, dass wir eine gute Fahrt an einen guten Ort hatten. Das Heim ist von seiner Groesse her von einem familiaeren Charakter gepraegt und die Pflegerinnen kuemmerten sich auch gleich gut um Gheorghe waehrend Ramona und Frank den vertraglichen Teil erledigten. Als dann alles unter Dach und Fach war, konnte man gut in Gheorghes Gesicht erkennen, wie die Spannung und die Angst, wieder keinen Platz fuer ihn gefunden zu haben, von ihm abfielen. Voller Ruehrung und Dankbarkeit verabschiedete er sich von uns…. Als wir fuhren konnte ich meinen Freudetraenen endlich freien Lauf lassen. Der Herr segne domnul Gheorghe!

Letzte Woche war das dritte und letzte Seminar, das ein Teil des Projektes ist, in dem ich arbeite… Es gab viel zu tun, sowie vor, als auch hinter den Kulissen. Das Team der Referierenden hat super zusammengearbeitet, die Seminarteilnehmerinnen haben viel Elan und Energie mitgebracht und waren bereit fuer alles, sodass sich beide Seiten nie beschwert haben. Ich und Elvira (die fleissige Kuechenfee) haben unter anderem fuer das leibliche Wohl der Teilnehmerinnen gesorgt, wobei ich lernen konnte, wie man fuer 20 Leute eine Suppe kocht, die fuer zwei Tage gedacht ist und auch noch super schmeckt. Und ich habe von Torsten (der Seminarkoordinator) die Chance erhalten ein Rollenspiel mit den Frauen zu planen und durchzufuehren. Und es war auch ein voller Erfolg! Und von Gabi und Rosita habe ich viel ueber Phantasie, Tanz und Gesang lernen koennen. Es war gut zu sehen, wie ein Team miteinander funktionieren kann. Ja und ganz beilaeufig habe ich ganz viel rumaenisch gesprochen, denn die Teilnehmerinnen wollten so einiges von mir wissen. Sie haben mich sehr gelobt, fuer mein gutes Rumaenisch, was mich sehr gefreut hat.

Die letzten vier Hoftage habe ich damit verbracht, selbst Holz fuer den Winter mit der Kreissaege zu saegen, hier und da kleine Sachen zu reperieren (das Tor, den Zaun…) und den Schuppen zu entruempeln. Und wie durch ein Wunder hatte ich gerade an diesen Tagen auch immer tolles Wetter! (Sowieso war das Wetter in den letzten Wochen nochmal richtig schoen… warm.)

Im privaten Bereich war ich drei Tage damit beschaeftigt die vielen Aepfel auf meinem Hof einzumachen… IN Form von ganz leckerem Apfelmus, sowie die lezten Kraeuter der Saison fuer meinen Tee den Wiesen zu mausen. Und ich habe jetzt seit 2 Wochen wieder eine Katze. Die gute Frau von der ich die erste hatte (die dann leider weg war) hat mir sozusagen die Schwesterkatze gebracht. Und auch so verwoehnt sie mich mit Kaese und vielen guten Worten. Ich hab aber auch noch zu weiteren rumaenischen Leuten Kontakt, denn ich traue mich jetzt endlich rumaenisch zu sprechen. Ich weiss gar nicht wie und wann es geschah, aber ploetzlich war sie weg, die olle Sprachbariere. Das macht alls noch viel angenehmer, wenn man auf die Leute zugehen kann und mit ihnen sprechen kann. Freilich, nach drei Monaten (hui, sooo lange bin ich schon hier!?) versteh ich noch nicht alles, aber dafuer habe ich immer mein Woerterbuch dabei.
Der Besuch von meinen Eltern steht auch vor der Tuer. Sie werden die lezten Gaeste im diesen Jahr sein, die in das gute, alte Pfarrhaus einkehren werden…. Sie werden meine Wintersachen (die man zur Zeit schon braucht) sowie einige Spenden fuer die Beratungsstelle mitbringen. Da sie mit den Auto kommen und Frank mir drei Tage frei gegeben hat, werden wir etwas die Umgebung erkunden. Waere es nicht so kalt in den letzten Tagen wuerde ich super gern ins Donau-Delta fahren, aber es ist halt erstens zu kalt und zweitens zu weit entfernt. So werden wir wahrscheinlich Siebenbuergen genauer unter die Lupe nehmen.

Lansam aber sicher zieht der kalte Herbst in das Dorf. Es gibt erste Morgende mit Reif auf den Wiesen, die Auroscheiben mussten auch schon gekratzt werden. Die Baueme tragen Blaetter in den schoensten Farben und die Leute beeilen sich ihr Heu, ihren Mais, ihre Kartoffeln und was es sonst noch alles zu ernten gibt, herein zu holen. Die Traktoren werden wintertauglich gemacht, die Kuehe und Ziegen geben laengst nicht mehr so viel Milch, die Schule hat die Kinder zurueck in ihren alten Mauern, die alten Sachsen beenden nach und nach ihren Urlaub hier und viele Saisonarbeiter kehren zurueck in das gute alte Dacia. Tueren und Fenster bleiben verschlossen, um die Waerme des Ofens nicht zu verlieren, ueber den Daechern raucht es. Und so bereiten sich alle auf ihre Weise auf den angeblich sehr harten, langen Winter vor. In meiner Phantasie sehe ich mich mit Katrin (einer lieben Freiwilligen hier im Dorf) auf den Schlitten die schoenen schneebedeckten Huegel herunter rasen… Hoffentlich wird es schneien! In diesem Sinne….

wuensche ich euch eine gesegnete Zeit!

Anne

September 2007

Hallo ihr Lieben vor dem Computer!

Ich kann es kaum glauben, meine ersten 8 Arbeitswochen liegen bereits hinter mir… es ist echt viel passiert… zwischenmenschlich…Erstmal habe ich eine ganz liebe Freundin, die ich hier kennenlernen duerfte, nach vier gemeinsamen Wochen, zurueck nach Deutschland verabschieden muessen. Wir hatten wirklich eine sehr gute Zeit zusammen. An dieser Stelle nochmal danke, Dana. Und dann habe ein Maedchen aus England kennengelernt. Auch sie war ein echter Schatz. Sie traegt den selben Namen wie ich und am Ende ihres drei-woechigen Praktikums in Dacia waren wir, gemeinsam mit Frank in Sibiu, bei der Eroeffnung der oekomenischen Tage. Unsere Aufgabe dort bestand daraus, Werbung fuer das Begnungshaus in Dacia zu machen. Das war ein Spass, zu mal Anna (gesprochen Anne) total scharf darauf war, vor allem Pfarrer und Priester anzusprechen. Bei der Gelegenheit durfte ich auch gleich noch eine total liebe Ungarin kennenlerne, die in Cluj wohnt, wo ich sie sicher mal besuchen werde…
Was mir auch aufgefallen ist, ist dass die Rumaenen sehr hoeflich miteinander umgehen und haeufig solche Floskeln, wie “bitte” oder “danke” benutzen. Das gefaellt mir ganz gut. Ich denke, dass mit dem heutigen Wertewandel solche Dinge verloren gehen und dass es sehr Schade waere… denn gerade diese kleinen Woerter haben eine wirklich grosse Bedeutung im Umgang miteinander und machen das Zusammenleben viel angenehmer… denn wie viel lieber reagiert man beziehungsweise hoert man ein “Mach das bitte!” als ein “Mach das!” ?? (Ja zu solchen Erkenntnissen kommt man, wenn man allein auf einem Hof wohnt, auf dem es ganz viel Arbeit gibt.)

… und auch in der Arbeit…

Ende August haben wir meinen Ausbildungsplan fuer die Hochschule fertiggestellt, nach dem sich jetzt meine Aufgaben groesstenteils richten (werden). Und seit Anfang September habe ich eine neue Mentorin. Mit ihr ist das Arbeiten ganz anders, vielleicht weil sie Rumaenin ist, oder weil sie gerade ihr Diplom fertig gemacht hat? Die Zusammenarbeit klappt wunderbar und ich kann echt jeden Tag etwas von ihr lernen. Wir verstehen uns ganz gut. Mit der neuen Mentorin veraenderten sich auch etwas die Aufteilung der Arbeitsbereiche, woran ich mich nun auch gewoehnt habe. Wir fahren kaum noch mit dem Auto zu den Klienten, weil in die Beratungsstelle mittlerweile montags, donnerstags und freitags Klienten kommen. Ein Tag ist dann halt noch Buerotag und ein Tag ist Hoftag.
In der Beratungsstelle waren nun insgesamt 14 neue Klienten, davon gab es drei Klienten, bei denen ich echt schlucken musste. Seit zwei Wochen nun schon betreuen wir einen obdachlosen Mann. Wir versuchen alles, damit er einen Heimplatz bekommt, bis dahin haben wir, beziehungsweise Frank und Rica, ihn erst einmal notuntergebracht. Eine Loesung zu finden scheitert immer wieder an den ueberfuellten Einrichtungen, an teilweise abgestumpften Sozialarbeitern und wahrscheinlcih auch an der Buerokratie des Landes. Und das Problem ist eben auch, dass er nur im Umkreis von Brasov direkt in Brasov bleiben kann, weil Rupea oder andere Orte des Umkreises keine Heime haben, weder fuer Behinderte, noch fuer Obdachlose Menschen.
In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob Sozialarbeiter auch Grenzen haben duerfen. Die Gesellschaft neigt ja dazu, Sozialarbeiter (oder Personen mit sozialen Berufen) die Verantwortung ueber eine hilfebeduerftige Person anzuhaengen, aber darf ein Sozialarbeiter auch mal “nein”, oder “das stoesst an meine Grenzen” sagen? Ich denke, dass Menschen mit sozialen Berufen letztendlich auch nur Menschen sind, und auch das Recht haben (sollten), etwas aus einem tieferen Grund heraus nicht machen zu wollen, aus welche Gruenden auch immer.

… und auch im Dorfleben….

Das Leben in Dacia ist nicht mehr so urlaubsmaessig, wie es mir in den ersten Wochen noch vorkam, aber ich geniesse es immernoch!! Es gibt viel zu tun auf so einem Hof. Und alles dauert eben viel laenger als in Deutschland, ist aber auch irgendwie spannender. Erst muss man Feuer im Ofen machen und Wasser aus dem Brunnen holen, dann kann man kochen… Und nach so langer Wartezeit kann man sein wohlverdiwentes Mal auch richtig geniessen, so lange man dann noch Zeit dazu hat J … zum Beispiel.
Man hat dabei auch die Moeglichkeit nachzudenken oder um sich vom Arbeitsstress abzureagieren. Koerperliche Arbeit ist manchmal echt angenehmer, als geistige. Darum find ich die Idee mit dem Hoftag auch eigentlich gut (ausser vielleicht, wenn es kalt ist). Was mich etwas traurig macht ist, dass jetzt niemand mehr auf mich wartet, wenn ich Heim komme. Vor zwei Wochen ist der Hund abgehauen, und seit einer Woche kommt die Katze nicht mehr wieder, so dass ich jetzt wieder ganz allein bin. Hab auch schon nach einer neuen Katze rumgefragt, bis heute ohne Erfolg. Mal sehen…. ich hoffe das wird noch!
Ja und mittlerweile kenne ich ein paar Leute im Dorf. Letztens -das fand ich so lieb- da kam meine Nachbarin und hat sich mir vorgestellt und mir ein paar Trauben und Aepfel geschenkt. Und eine Zigeunerin treff ich fast jeden Abend auf der Strasse und dann quatschen wir einen Moment. Sie ist auch total lieb und vor allem geduldig –mit meinem rumaenisch. Sie laedt mich immer zu sich nach Hause ein, aber ich lehne meistens ab, da mein rumaenisch noch nicht so gut ist und mir das irgendwie unangenehm ist. Will mich ja gut verstaendigen koennen. Das hoert sich jetzt vielleicht perfektionistisch an, aber ich trau mich halt nicht zu sprechen aus Angst Fehler zu machen. Aber ich hoffe, dass sich das gibt. Wenn niemand neben mir steht, der deutsch und rumaensich sprechen kann, dann trau ich mich auch mehr… Komisch.

So ich hoer jetzt mal auf und wer weiter lesen moechte, der warte bis naechsten Monat…

La revedere und eine schoene Zeit, sagt die Anne.

August 2007

Liebe Freunde, SpenderInnen und Interessierte,
Ich kann es kaum glauben schon seit vier Wochen in Rumänien, in einem Land, mit dem ich zum ersten Mal in Berührung komme, zu sein. Nach ein paar ersten touristischen Tagen in der faszinierenden, gegensätzlichen Stadt Sibiu (Kulturhauptstadt 2007) hatte ich für ein paar weitere Tage die Gelegenheit erst einmal hier in Dacia (deutsch: Stein) „anzukommen“. Das war eine echte Herausforderung, denn plötzlich hatte ich, von Rica und Frank zugewiesen, einen eigenen Hof. Er ist ganz niedlich, mit einem Nutzwasserbrunnen, vier Apfelbäumen sowie einer neuen, modernen Sommerküche, aber er bringt eben auch viel Arbeit mit sich. Unkraut entfernen von dem Gehweg, der vom Tor bis hinter zum Zaun am Haus entlang führt, Äpfel lesen, das Gras sensen (was zum Glück der Frank gemacht hat), Wasser hin und her schleppen, Holz für den Winter hacken und so weiter. Das Haus ist recht klein und besteht aus zwei Räumen, der Küche und dem Schlafraum. Die Zimmer sind komplett eingerichtet, es fehlt mir also an nichts. Der Holzfußboden in den Räumen ist für den Winter (den ich immer in meinen Überlegungen mit einbeziehe) recht praktisch und auch schön, aber die einfachen Fenster machen mir etwas Kopfzerbrechen. Außerdem sind sie sehr klein, sodass wenig Tageslicht herein kann. Aber der Besitzer des Hauses, der Lars, ein Freund von Frank, hat mit vielen niedlichen Kerzenleuchtern gut vorgebeugt.
Zu meiner Sicherheit, die mir sehr am Herzen liegt, hat Frank mir ein paar Riegel und Schlösser angebracht, worauf hin er das Haus jetzt immer „Sicherheitsbunker“ nennt. Des Weiteren habe ich mir einen Hund angeschafft. Jeder im Dorf hat mindestens einen Hund, die zur Freude aller meist nachts um die Wette bellen. Mein Hund ist schon ziemlich alt, ein Auge fehlt ihm, aber er ist lieb und braucht dringend ein zu Hause, dass er sonst nirgendwo hatte. Und ich habe auch einen kleinen Kater. Erst saß er zwei Wochen verängstigt hinter meinem Lehmofen in der Küche, jetzt kann er nicht mehr von mir ablassen.
Mein soziales Umfeld hier ist auch recht abwechslungsreich. Während Frank und Rica irgendwie mein zweites Zuhause mit allen Höhen und Tiefen darstellen (ich bin echt dankbar, dass ich die beiden habe, sie haben mir schon sehr geholfen) gibt es noch einige Praktikanten hier im Dorf, und immer wieder mal nette Gäste im (Bildungs- und) Begegnungshaus. Also langweilig wird es hier glaube ich nie! Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass mir so einige liebe Leute zu Hause auch fehlen, aber das bleibt NIE aus, wenn man hunderte Kilometer von zu Hause entfernt ist. Und das ist auch in Ordnung, weil man so sehr schätzen lernt, was man an seinen LIEBEN hat.
Ach ja die Sache mit dem Trinkwasser, dem Strom und dem Müll: Trinkwasser holt man an einem von zwei Trinkwasserbrunnen in der Mitte des Dorfes und Strom hat man. Aber einen Wasserkocher mit 1000W sollte man nach Franks Aussage lieber nicht benutzen, weil es sonst passieren kann, dass die Leitungen durchbrennen. Müll verbrennt hier jeder selbst. Irgendwo. Viele Leute schmeißen ihn auch einfach hinter sich weg.
Das sind so die „kleinen“ Umstellungen, mit denen ich hier zu tun habe, ganz abgesehen von dem rumänischen Umgang mit Tieren, Roma oder Behinderten. Aber ich muss auch sagen, dass dieses einfache, existenzielle Leben hier durchaus seine Reize hat.
Und ich lerne wirklich vieles, was es in Deutschland gibt, zu schätzen und weiß um den Wert von (fließendem) Wasser, von geraden Straßen (ohne Monsterschlaglöcher), von unserem Müllsystem, von dem Luxus in jeder Stadt und jeder Gemeinde einen Arzt zu haben zu dem uneingeschränkt jeder gehen kann (unabhängig von Nationalität oder Behinderung), von der Auswahlmöglichkeit an Lebensmitteln (auch zu günstigen Preisen), von geschultem Fachpersonal (in jedem Bereich), von guten Arbeitsmaterialien und so weiter.
Aber kneifen ist nicht. Ich zieh das jetzt hier durch, weil Gott mich vor diese Aufgabe gestellt hat und alles einen Grund hat. Ich wollte gern hier her kommen und da bin ich nun, also nehme ich alles mit, was kommt!
Die erste wirkliche Herausforderung ist also das Leben hier. Die zweite ist meine Arbeit mit Menschen mit Behinderung.
Ich arbeite in einem Projekt, dass sich „Gemeinsam Lernen – Würdevoll miteinander das Leben gestalten“ nennt und das auf Menschen mit Behinderung konzipiert ist. Ich habe eine sehr erfahrene, liebe (deutsche) Mentorin, von der ich sehr viel lernen kann. Ab September bekomme ich eine neue Mentorin. Sie ist Rumänin, spricht aber gutes deutsch. Sie will aber versuchen nur rumänisch mit mir zu sprechen, damit ich es besser und schneller lernen kann (bisher habe ich eine klitzekleine Sprechblockade). Meine Aufgaben bestehen darin, gemeinsam mit meiner Mentorin, Menschen mit Behinderung und deren Angehörige zu besuchen und sie zu beraten, alles zu dokumentieren (in Erfassungsbögen, Verlaufsprotokollen), inhaltlich und strukturell zu planen, mit anderen sozialen Einrichtungen, öffentlichen Institutionen sowie Ämtern zusammen zu arbeiten, das Projekt in der Öffentlichkeit publik zu machen (Entwickeln von Prospekten), und im Team zu arbeiten, die Arbeit zu reflektieren. Hab schon viel gesehen, aber bei weitem noch nicht alles. Irgendwie geht es immer noch extremer. Habe gesehen wie ein rumänisches Sozialamt arbeitet, wie die Stellung eines Behinderten hier ist (MIES!!!) und wie ein behinderter Mensch lebt beziehungsweise haust. Ein Gesetz, in dem die Menschen mit Behinderung auch Rechte haben gibt es erst seit Dezember 2006. Also ist es auch meine Aufgabe den Menschen ihre rechtliche Lage aufzuzeigen und der Regierung auch finanzielle Unterstützung beziehungsweise Leistungen abzuverlangen. Nur drehen sich diese Räder sehr, sehr langsam. Aber genau darin liegt auch die Herausforderung. Menschen mit Behinderung haben Rechte und sollen diese auch bekommen! Auch die Einstellung „Behinderung ist eine Strafe Gottes“ ist für einen Deutschen schwer nachvollziehbar. Dafür gibt es ungefähr 3 Seminare im Jahr hier in Dacia um Pädagogen dafür zu sensibilisieren. Aber auch Eltern müssten sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Um hier an der Stelle mal einen Punkt zu machen: es gibt hier wirklich viel zu tun und zur Zeit bin ich dabei mit meiner Mentorin und Rica meinen Ausbildungsplan zu entwerfen. Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich hier für mein Leben und für meine zukünftige Arbeit ganz viel lernen und mitnehmen werde. Ich freue mich hier etwas mitbewirken zu können. Über meine genaue Arbeit und wie es weiter geht könnt ihr gerne in meinen kommenden Berichten lesen.
In diesem Sinne: danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt um meinen ersten Monatsbericht zu lesen.
Gottes Segen für euch alle.