Statements

Hier finden Sie Statements und Berichte von Mitarbeitern und Praktikanten im Projekt für Menschen mit Behinderung. Sie bekommen einen Eindruck von der Arbeit vor Ort.

Weitere Berichte finden Sie auch in unserer Rubrik Berichte auf der Hauptseite.

Elvira aus Dacia , 2006 ( Mutter von taubstummen Kindern ), Tina und Ricarda

Text von Tina Bing (29), Erzieherin

Nun laeuft es schon zwei Monate, das neue Projekt in und um Rupea (Reps). Es ist faszinierend, im paedagogischen Team mitzuerleben und dabei mitzuwirken, wie Ideen Gestalt annehmen und Licht in eine schwer zu durchdringende, komplexe Sache kommt. Die Konzeption steht schon!

Was mir besonders gefaellt: Es werden auch rumaenische Professoren und Studenten mitwirken – das deutsch-rumaenische Projekt soll vor allem nachhaltig den Umgang mit Menschen mit Behinderungen verbessern. Gespannt bin ich, wie wir die gesteckten Ziele, etwa die Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppen umsetzen koennen. Besonders in Rumaenien laeuft sovieles anders als geplant, das kann ich nach 4 Jahren Leben hier sagen.
Mir ist klar: Projekte von Auslaendern sind schnell Selbstzweck. Wenn, dann kann es nur darum gehen, regionale Kraefte zu wecken und zu begleiten.

Vasile aus Viscri, 2006 (Er ist seit 36 Jahren querschnittgelähmt)

Text von Ricarda Borchert (24), Studentin

In ersten Besuchen konnten wir die Lebenssituation einzelner Menschen erfahren und die große Armut, in der sie leben müssen. Oft fehlt es an Gegenständen, die umgerechnet nur ein paar Euros kosten. An Geld und Gelegenheit, diese zu erwerben, mangelt es. So fehlt zum Beispiel ein Moskitonetz für einen schwer behinderten, bettlägerigen Jungen, damit ihn die Fliegen nicht mehr so stören.

Ein anderer Mann braucht einen funktionsfähigen Rollstuhl, mit dem er endlich mal wieder durchs Dorf fahren kann, statt den ganzen Tag in seinem Bett zu sitzen. Er schnitzt Stile für Geräte für die Feldarbeit, so dass zum Beispiel eine einfache Bohrmaschine eine echte Arbeitserleichterung wäre. Statt diesem Mann zu helfen, wird er noch zusätzlich von seinen Nachbarn verspottet und bestohlen. Die „Helfenden“ lassen sich von ihm fast jeden Handschlag bezahlen. Schwierig wenn man bedenkt, wie schnell dann eine geringe Rente für Menschen mit Behinderung aufgebraucht ist. Zwischen dem Stand der Hilfe in Deutschland und hier vor Ort klafft eine gewaltige Lücke. Man muss die eigenen Vorstellungen zum Teil beschneiden und erfahren, welche Hilfe für die Menschen hier Sinn macht. Nachhaltige Hilfe ist nur mit den Menschen möglich, und nie allein mit gut gemeinten Ratschlägen.
Ich bin sehr dankbar, gemeinsam mit meinem Mann an diesem Projekt arbeiten zu können. Mein Studium der Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Rehabilitationspädagogik trägt das seine dazu bei.

Text von Alexander Borchert (33), Student

Vasile (stellt Holzkreuze her) und Alexander

Ich bin Student der Rehabilitationspädagogik an der Otto-von- Guericke-Universität Magdeburg und stehe kurz vor dem Abschluss. Das Projekt, an dem ich nun gerade mit meiner Frau in Rumänien arbeite, ist eine der wichtigsten Aufgaben, deren ich mich jetzt stellen will. In diesem Land hat ein Mensch mit Behinderung selten oder keine Entfaltungsmöglichkeiten, manchmal nur sein nacktes Leben und Überleben. Dinge, die man sich in Deutschland sicherlich kaum vorstellen kann. Um so überzeugter bin ich davon, dass auch wir, in unserem Team, gute Hilfe leisten können. Diese Hilfe aber nur dann, wenn wir nicht mit erhobenem Zeigefinger kommen, sondern uns sensibel auf die Lebenslagen der Menschen mit Behinderung wie auch ihren Familien einstellen können. Ein vertrauensvolles Miteinander möchten wir aufbauen, das uns befähigen soll, die besten, möglichen und gewollten Veränderungen für den jeweiligen Menschen mit Behinderung und eben auch ihren Familien zu erreichen. Hilfe zur Selbsthilfe ist so ein oberstes Gebot unserer Arbeit vor Ort.Eine Veränderung von Ansichten und tradierten Lebensweisen kann nur mit, nie gegen die Menschen geschehen. Und so hoffe ich, dass wir mit diesem Projekt nachhaltige Unterstützung und Hilfe, aber auch Veränderungen bewirken können.

Text von Cordula Binder (24), Studentin

Ich bin nun seit 4 Wochen Mitarbeiterin dieses Projektes und mein Praktikum wird noch über weitere 5 Monate gehen. Meine Aufgabe ist es, zusammen mit Tina, das vom bisherigen Team entwickelte Konzept weiter in die Tat umzusetzen und die begonnene praktische Arbeit fortzuführen. Dank der intensiven Vorarbeit und gründlichen Einweisung durch meine Teamkollegen, fühle ich mich gewappnet für die Herausforderungen, die das Projekt mit sich bringt.
Einerseits besuchen wir die Menschen mit Behinderung und deren Familien, wir stehen also im direkten Kontakt mit ihnen und versuchen durch kleine Hilfestellungen ihre Lebenssituation spontan aufzuwerten. Andererseits bemühen wir uns Strukturen eines Hilfesystems zu schaffen, die auch ohne uns Deutsche in ein paar Jahren weiter bestehen können. In beiden Bereichen gab es schon Erfolge, schöne Erlebnisse und Momente, die Mut machen und den Sinn unserer Arbeit bestätigen.
Mir liegt sehr am Herzen, dass unsere Arbeit hier Wurzeln schlägt und schrittweise tiefgreifende Veränderungen bewirkt. Bei den Menschen selbst und auch in den gesellschaftlichen Institutionen. Dazu können die geplanten Weiterbildungsseminare beitragen, und besonders die Beratungsstelle in Rupea, die wir als nächstes großes Ziel verwirklichen wollen.
Denn auch wenn ich die Lebensumstände einiger Menschen mit Behinderung als unzumutbar empfinde und mit meiner Denkweise nicht wirklich fassen kann, warum sich da nicht augenblicklich etwas tut, bin ich mir sehr bewusst darüber, dass wir uns als Außenstehende nicht anmaßen können die Dinge eigenständig zu verändern.
Wir müssen uns bemühen der Entwicklung auf die Sprünge zu helfen, ohne dabei zu viele Schritte vorwegzunehmen.

Text von Marinela Simon , Soziologin / Sozialarbeiterin

Mein Name ist Marinela Simon und ich bin seit Mai 06 Mitarbeiterin in diesem Projekt. Im Jahr 2003 habe ich die Fakultät für Recht und Soziologie innerhalb der Transilvania -Universität in Brasov/ Kronstadt abgeschlossen mit Spezialisierung Soziologie.
Momentan bin ich Universitätsassistentin in der Fachrichtung Soziologie/ Philosophie der gleichen Universität und bin als Sozialarbeiterin in einem Tageszentrum für Obdachlose in Kronstadt/ Brasov angestellt.
Wenn ich auf die Frage antworten sollte. Was hat Sie bewogen, an diesem Projekt teilzunehmen, dann würde ich antworten, dass die Umsetzung dieses Projektes herausfordert, nämlich Menschen mit besonderen Einschränkungen ( so sage ich ) wahrhaftig zu sehen, zu fühlen, mit ihnen zu arbeiten und sie zu verstehen zum Beispiel mit Down-Syndrom.
Ein anderes Motiv ist: Seit diesem Jahr werden vermehrt an der Universität Seminare zur selben Problematik stattfinden.
Ich bin keine sehr gesprächige Person, doch mir ist bewusst, mittels solcher Projekte kommt man zum einen in Kontakt mit Menschen, die Hilfe brauchen und zum anderen mit jenen, die ausgebildet sind, die Hilfe anzubieten, die andere benötigen.
Diese Tatsache hat sich als real erwiesen anhand dieses Projektes in Dacia/ Stein und Rupea/ Reps, in welchem ich sehr gut mit dem ganzen Team zusammenarbeite ( seien es andere Koordinatoren oder Studenten oder deutsche Praktikanten). Die bisherigen gemeinsamen Aktivitäten haben mich sehr zufrieden gemacht, auf beruflicher und auch persönlicher Ebene.

Ich wünsche mir weiterhin, dass die Seminare, welche ich in Zusammenarbeit mit Torsten konzipieren und organisieren werde und an welchen die Mitarbeiter teilnehmen werden, die in sozialen öffentlichen Einrichtungen zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung tätig sind, mich ebenso zufrieden machen werden, wie jene Aktivitäten mit Tina und ihrem Team.

Marinela